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Der Israelit · 1871-08-30 · Heft 35 (30.8.1871) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 35 (30.8.1871)
Date
1871-08-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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{ 673 Literarischer Bericht Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und Jacob, kritische Untersuchung von A. Bernstein, besprochen von vr. H—n. (Fortsetzung. *) Der Patriarch von Beth-El. In den nun folgenden Abschnitten über den Patriarchen von Beth-El hat der Vers, im Haufen von Unsinn aus Unsinn Unglaubliches geleistet. Obgleich wir Anfangs die Absicht hatten „durch Vor- und Rückwärtsgreifen nach den einzelnen Momenten" diese „unbefangene" „kritische" Forschung zu charakterisiren, so sahen wir uns dennoch bald genöthigt, dies Verfahren aufzugeben. Denn so oft wir auf eine Stelle stießen, wo wir glaubten, hier finde sich der größte Nonsens dieses Büchleins, wurden wir immer in unserer Hoffnung getäuscht; der Verf. übertrifft immer sich selbst im weiteren Verlaufe seiner Abhandlung, und es ist schwer, in diesem Werke den größten Unsinn herauszusuchen. Wir wollen daher dem Gange der Untersuchung Schritt für Schritt folgen. Zuerst behauptet nun der Vers., Israel oder Jacob und dessen zwölf Söhne haben niemals exiftirt. Dies Alles sei eine tendenziöse Erdichtung von Jerobeam und Consorten. Die Namen der zwölf Cantone, in welche das Volk Israel getheilt war, seien nicht Namen von Personen, sondern entweder Namen von Göttern, wie „Gad," der Glücksgott, „Sebulun", On des Himmels (!), „Benjamin", ein Gebiet, wo der „Mini" verehrt wurde (!!), oder irgend eines andern Ursprungs. Da aber Jerobeam sich der Herrschaft bemächtigt und zu Beth-El einen neuen. Cnltns gegründet hatte, so wollte er erstens diese Stadt durch einen Patriarchen verherrlichen und das Haus Gottes und das Thor des Himmels dorthin verlegen lassen und außerdem noch diesen Patriarchen zum Stammvater aller Cantone machen, wobei es hauptsächlich auf Bevorrechtung des Cantons „Ephraim," was ganz dasselbe ist mit „Joseph" (Fruchtbarkeit, Vermehrung) abgesehen war. Zwar weiß der Verf., daß „Beth- El auch schon zu Samuels Zeiten eine Stätte war, wo man hinging „zu Gott", (1. Sam. X, 3)" doch, meint er, „hatte man noch keine Ahnung von so hob er Wichtigkeit"; Jerobeam war also genöthigt, die Patriarchensage zu erdichten. Wir wollen zuerst den Verf. daran erinnern, daß er auch noch nie eine Ahnung davon gehabt, daß Beth-El nicht erst zur Zeit Samuels, sondern schon zu Anfang der Richterzeit von Wichtigkeit, ja von sehr hoher Wichtigkeit war, indem sich dort zu Zeiten der Hohepriester mit der Bundeslade aufhielt und die Israeliten dort Gott befragten (Richter XX, 18, 26, 27, 31). Man kann daraus ersehen, daß Beth-El von jeher für eine heilige Stadt gehalten wurde. Dies scheint darin seinen Grund zu haben, daß der Patriarch Jacob dort einen Altar gebaut hatte. Beth-El hat demnach nach einer unbefangenen Forschung die erste Weihe vom Patriarchen Jacob erhalten, galt in Folge dessen wahrend der ganzen Richlerzeit und noch später als eine heilige Stadt, und dies bewog auch Jerobeam den Kälbercultus dorthin zu verlegen. Statt dessen wird von dein Verf. die Sache auf den Kopf gestellt; Jerobeam habe eine unbedeutende Stadt zur Cuttusstadt erhoben in der Absicht, sie später durch erdichtete Sagen berühmt zu machen! Der Verf. behauptet ferner, Jerobeam habe die ganze Sage vom Patriarchen und dessen Söhnen erdichtet, um die Bevorzugung des Stammes Ephraim, zu dent er selbst gehörte, darzuthun. Wozu aber, fragen wir, hatte Jerobeam einer Sage bedurft, in der er sich noch dazu in dem ebenfalls von dem bevorzugten Joseph abstammenden Menascheh einen Nebenbuhler aufstellte; hätte er doch die Vorrechte Ephraims durch die historischen Thatsachen begründen können, daß Josua, der Eroberer des Landes, ein Ephraimite war; daßDeborah, die Prophetin und Richterin, in Ephraim ihren Sitz hatte (Richter IV, 5) und daß der Stamm Ephraim während der ganzen Richterzeit tatsächlich die Hegemonie in Israel behauptete, so daß ohne seine Mitwirkung kein Krieg geführt werden durste (Richter VIII, 1, XII, 1) uud auch die Stistshütte, das Nationalheiligthum, in seiner Mitte sich befand. Wir wollen aber noch außerdem bis zur Evidenz beweisen, daß man lange vor Jerobeam Joseph und seine Söhne Menasche und Ephraim als Personen gekannt hatte. Josua Cap. 16, V. 10 heißt es: Sie (die Söhne Ephraims) vertrieben nicht den Kenaani, der zu Geser wohnte, und der Kenaani wohnt in der Mitte Ephraims bis zum heutigen Tag. Dreß muß noch vor Salomo geschrieben sein, denn in der ersten Regierungszeit Salomos zog Pharao, der König von Egypten, nach Palästina, erobette Geser, erschlug die Kenaaniter, die darin wohnten, und gab die Stadt zur Mitgift seiner Tochter der Frau Salomo's (1. Kön. IX, 16). Nun finden wir in diesem vor Salomo geschriebenen Abschnitte die Sätze: „Es erbten die Söhne Josephs, Menasche und Ephraim". (Josua XVI, 4) „Es war das Loos für den Stamm Menascheh, denn er war der Erstgeborene Josephs.... (Josua XVII, 1), was doch zur Genüge beweist, daß noch vor Salomo der Patriarch Joseph, dessen Söhne, der Erstgeborene Menascheh und der Jüngere Ephraim bekannt waren. Wie kann nun der Verfasser behaupten, daß Jerobeam erst die Sage erfunden hätte, in welcher die Namen der Cantone als Stammväter figuriren! Die Thatsache, daß der Stamiw Benjamin treu zum Stamme Juda hält, steht dem Verf. sehr hindernd IM Wege. Benjamin als Sohn der Rahel an der Seite Ephraims gegen Juda eifrig kämpfend, das wäre Wasser auf seine Mühle. Doch da es sich nun einmal nicht anders machen läßt, muß man die Sache nehmen, wie sie ist. Nun soll aber die ältere Sage der späteren. *) Siehe Nr. 27, Beilage.

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