Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1871)
- Date
- 1871-08-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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674 Geschichte entsprechen, und sie ihr gerade entgegengesetzt; dort Benjamin mit Joseph, hier Benjamin mit Jude (fegen Joseph. Da weiß der überall spitzfindige Vers, ich durch einen Kniff zu Helsen. Er stellt gleich zu Anang an einer Stelle, wo der Leser die Tragweite dieses Satzes noch nicht ahnen kann, die Behauptung hin, daß „sich das ganze Volk — mit Ausnahme des durch Davids blutige Verso lgungen®) gedehnt ü t h i g t e u Cantons Benjamin — dein Jerobeam anschließt." Diese selbst grundlose Behauptung, daß 'Benjamin durch Davids blutige Versolgungen gedehmüthigt.und so gleichsam durch Zwang in Juda's Botmäßigkeit gehalten wurde, bildet den Grund, ans den der Vers, eine" Reihe von Hypothesen aufgeführt, die wir später, wenn wir an die komischen Partieen des Buches angelangt sein werden, unseren Lesern vorzustellen gedenken. Hier sei nur erwähnt, daß der Vers, gewiß Nicht gewagt hätte, dies zu hehaupten, wäre ihm das seiner Ansicht positiv widersprechende Cap. XII der Chronik bekannt gewesen, wo die vornehmsten Benjaminiter, unter ihnen auch viele Verwandte des Königs Sank, namhaft gemacht werden, welche zu David übergingen, als er noch ans der Flucht vor Saul sich befand. Diese Erzählung gibt uns den Schlüssel zur Erklärung der geschichtlichen Thatiache, daß Benjamin treu zum Davidshaus hielt. Gerade diejenigen, welche in der Nähe Sauls lebten, hatten die beste Gelegenheit, sich von der Unschuld und dem Edeünnthe Davids zu überzeugen, und waren ihm deßhalb mit größter Liebe zugethan, wie wir dies bei Sauls eigenem Sohne Jonathan finden. Wenn nun auch durch den einflußreichen Abner nach dem Tode Sauls dessen Sohn auch vorn Stamme Benjamin als König anerkannt wurde, so betrachten doch Alle' und besonders Benjamin nach dieses letztern Tode David, den Schwiegersohn Sauls, als den von Gott erwählten König; seit dieser Zeit sind Inda und Benjamin so fest vereinigt, daß sie gleichsam nur einen Stamm bilden. Dies wollen wir jedoch dein Vers nicht verargen, daß er nüt der Chronik, dem letzten Buche der Bibel nicht so sehr vertraut ist; so weit muß ' man nicht gekommen sein. Aber er ist in Nebiun Rischonim zu Hanse? Wir haben schon oben gesehen, wie die allbe- *) Wir müssen bestellen, die Frechheit, die es nicht scheut, den Stolz Israels, den Auserwäblten Gottes, den esalbten Sänger und Dichter zu beschimpfen und ihn „bararisch", „verfolgungssichtig" und einen „Blut-Mann" zu nennen, uns am meisten in diesem Wert'chen empört hat. Wir halten es zwar für unnöthig, den König David zu vertheidigen, glauben Uber auch berechtigt zu sein, die Arroganz und Ignoranz desjenigen bloszulegen, der vor der crhabendsten Person der Geschichte' keine Achtung zeigt. 1 I kanntesten Partieen in Josua und Richter ihm entgegen! sind. Blättern wir jedoch ein wenig weiter, so finden wir Behauptungen, die nur dem zu verzeihen sind, dem die Bibel eine Deren. incognita ist. S. 47 u. 48 wird der Satz begründet, „daß die Sage den Patriarchen dort erscheinen läßt, wo die Historie die Gegner Davids im Glanze zeigt." Gleich die erste Station Jacobs bei seiner Rückkehr aus Mesopotamien soll diesen Zweck haben. Diese Station ist Mizpah, und in Mizpah wurde auch Saul zunl König ernannt. Nun muß es doch jedenr jüdischen Schnlkiiüben bekannt sein, daß die Stadt Mizpah. in der Saul zürn König ernannt wurde, im Gebiete Benjamins lag. Dort waren während der ganzen Richterzeit die Volksversammlungen. Die Stadt war nahe bei Beth-El und nicht weit von Gibcah (vgl. Richter XX). Das Mizpah aber, wo Jacob und Laban ein Bündniß schlossen, lag bei Gilead auf der Ostseite des Jordans. Diese beiden Mizpah sind nun factisch von einander entfernt :nj/ao m;o pirro; und doch soll nach dem Verfasser das eine dein andern entsprechen! Ans dieselbe Weise ignorirt der Vers, die Bibel vollständig, indem er die Behauptung ansstellt, der Name Jacob habe früher gar nicht existirt, selbst Jerobeam habe scinenl Patriarchen den ehrenvollen Namen Israel gegeben. Erst seine jüdischen Gegner haben den Schimpfnamen Jacob erfunden, den der spätere Harmonist als ursprünglichen ausgenommen, um ihn dann in Israel verwandeln zu lassen. . So weit, der Vers. Nun aber singt schon König David: „Dich kräftige der NÄne des Gottes Jacobs" (Ps. XX, 2). „Alto ist das Geschlecht seiner Verehrer, die beiit Antlitz suchen, Iaco b. (Ps. XXIV, 6.) Ja in den von allen Kritikern als echt anerkannten letzten Worten Davids (2 Sam. XXII, 1) nennt, sich derselbe; „einen Gesalbten des Gottes Jacobs." Also schon zu Davids Zeiten war nicht nur der Name des Patriarchen Jacob bekannt, sondern er diente auch schon zur Bezeichnung seiner Nachkommen, der Israeliten. - Wenn es mm erwiesen ist, daß Jacob schon zu Davids Zeit, Joseph und seine Söhne Menascheh und Ephraim noch vor Salomo bekannt wareist daß Beth-El während der ganzen Richterzeit als heiliger Ort angesehen wurde, daß die Devorrechtnng Ephraims vor den übrigen Stämmen durch geschichtliche Thatsachen begründet werden könne; so ist Alles, was der Vers, von Jerobeams Pätrrarchensagen und den jehndäischen Beschimpfungen dieses Patriarchen faselt, nichts Anderes als 'ein leeres Geschwätz, in dem keine einzige Wahrheit enthalten ist. ’ (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redactior.: Dr. Schrcmi. ~ Verlag der Le Roux'schcn Hosbuä Handlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.