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Der Israelit · 1871-08-30 · Heft 35 (30.8.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 35 (30.8.1871)
Date
1871-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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660 schen Schurken aus den öffentlichen Aemtern verjagen; Sie mußten jeden öffentlichen Langfinger mit der vollen Strenge des Gesetzes bestrafen; Sie dursten nicht eher ruhen, bis das Regierungsgebäude von allen BLsewichlern reingefegt war. Das Land hat namenlos durch diese schmachvolle Corruption gelitten, und Eure Hoheit haben sich durch laue Maßregeln einer excessiven Schwäche schuldig gemacht, welche die Quelle aller Ihrer Leiden wurde. Eure Hoheit sind an keine Frage so herangetreten, wie es ein Staatsmann sollte — ein (£taat§= mann, der die sittlichen Eigenschaften eines Helden besitzt. Persönlich brav, duldeten Eure Hoheit die uugesühnten Insulten jeder Memme. Die öffentliche Presse war nicht frei, sie war ftech. Eure Hoheit gestatteten die Verfolgung der Fremden und Israeliten, während Sie, durch angemessene Bestrafung der Verbrecher, welche dieselben plünderten und mißhandelten, diesen Unmenschlichkeiten. die unser Land in Verruf gebracht haben, ein rasches Ende machen konnten. Eure Hoheit können sich nicht mit der Unkenntniß der Fremden- und Judenstage rechtfertigen. Eure Hoheit wissen sehr wohl, daß letztere immer von corrumpirten Politikern als Mittel zur Plünderung gebraucht wurde. Jede einzelne, erbärmliche Commune durste ihre eigenenen Erpressungsgesetze gegen die Israeliten decretiren und ad hoc in Scene setzen. Kaum ein Dorf in der Moldau ist von diesen politischen Charlatans stei gewesen. Weder Bratiano, den Sie einst so liebten, noch Cogalnitscheanu tragen so viel Schuld an den gegen die Juden prakticirten Razzias, aU Sie, Sie, Karl von Hohenzollern. Fürst von Rumänien! Glauben Eure Hoheit, durch diese zweideutige Haltung populär geworden zu sein? Wo ist heute Ihre Partei? Sie haben keine. Sie stehen allein, völlig allein, ohne Stütze daheim, ohne Sympathien im Auslande. Selbst der große Staatsmann der deutschen Natton, Otto v. Bismarck, macht kein Hehl aus seinem Mangel an Verstauen in Sie . . . Niemals seit Ihrem Regierungsantritte hatten Eure Hoheit ein so gut gewähltes Cabinet, und es ist nun an Ihnen, die Fähigkeiten desselben und die Sympathien des Volkes dazu zu benützen, um ohne Zögern jene Veränderungen zu rnauguriren, die absolut nothwendig sind, um die Integrität und die Unabhängigkeit des Landes zu wahren. Die gegenwärtige Versassung muß modificirt werden. Die Israeliten müssen zur Staatsbürgerschaft zugelassen werden. Die Verbindlichkeiten den Eisenbahn - Obligationen-Jnhabcrn gegenüber müssen erfüllt werden. Alle Aemter muffen von den Elstern, die noch immer das Land unsicher machen, gereinigt werden. Der Volksunterricht muß verallgemeinert werden. Ein besseres System von öffentlichen Arbeiten muß durchgeführt werden. Es mutz mit Einem Worte eine kräftigere und resolute Politik eintreten, und Sie und Ihre Regierung müssen diese Politik durchführen oder die Zügel einer gewandteren Regierung cediren." R ußland und Polen. Der „Schl. Ztg." schreibt man aus Rußland: Jetzt ist man im Reichsrath mit dem Entwurf eines neuen Gesetzes beschäftigt, durch welches die Stellung der Juden im Staate den Zeitumständen angemessen geregelt werden soll. Bei dieser Gelegenheit sei die Erwähnung einer Thatsache gestattet, welche zeigt, wie die Juden zuweilen manipulirten und manipuliren mußten, um eine drohende Gefahr von sich abzuwenden. Es war im Jahre 1851, also unter Nicolaus, der den Juden bekanntlich nicht wohl wollte, als es sich um Sein oder Nichtsein für die jüdische Bevölkerung Polens handelte. Wenige Tage zuvor, als der Tennin zur Verhandlung der Sache der Inden im Reichsrathe angesetzt war, suchte und erhielt eine aus drei Warschauer Banquiers bestehende Deputation beim Grasen Bludow, dem damaligen Präsidenten des Reichsraths, eine Audienz. Der Graf liebte die Kürze und hatte der Deputation unter der Bedingung, nur einige Worte vorznbringen, die Audienz gestattet. Diese erschien, sagte nichts, legte aber auf ein Tischchen an der Thür ein Päckchen nieder und ging. Tags darauf fand die verhängnißvolle Sitzung im Staatsrath statt. Dem Grafen Bludow zur Rechten saß der damalige Thronfolger, der jetzige Kaiser, der nominell präsidirte. Nachdem die Reichsrathe und Assessoren durch zwei Stunden heftig für und wider gesprochen und gestritten, Graf Bludow aber noch kein Wort gesprochen, sagt der Thronfolger zu ihm: „Nnn Iwan Jwanowitsch, warum sprichst Du nichts" Da steht Bludow auf, zieht aus seiner Tasche ein versiegeltes Packet, aus dem eine 15.000 — Rubel — den Inhalt andeuten und die Worte stehen: „Nimm und schweig!" „Dies," sagt der Graf, „erhielt ich, damit ich schweige", und nun beginnt er für die Juden in hinreißender Weise zu plaidiren und erringt diesen Concessionen, die sie nie zu erhoffen gewagt hatten. Das Packet mit 15,000 Rubel ging n«eröffnet zurück und bildete später das Stammcapital zur Gründung eines jüdischen Waisenhauses zu Warschau. Feuilleton. Aur rechten Zeit. xxv. Die Vertreibung der Juden ans Prag. Als die Gefahr vorüber war, eilte Menascheh in das Haus des Rabbi Samuel Sulzbach, um zu sehen.

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