Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1871)
- Date
- 1871-08-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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659 halten. Die Einnahmen vom 22. März 1869 bis zum 26. März 1871 betragen 8963 Thlr., die Ausgaben 7546 Thlr. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. Die humane Stiftung eines neuen israelitischen Spitals in Währing, das seine Gründung dem Baron Rothschild verdankt, ist nun nahezu vollendet. Dieses im elegantesten Style mit besonderer Berücksichtigung aller Hospitalen Bedürfnisse angelegte Gebäude .hat auch in seinem Innern die zweckmäßigsten Einrichtungen erfahren, wobei die ersten Muster-Institute des Kontinents zur Richtschnur dienten. Diese vollkommen zweckentsprechenden Einrichtungen beziehen sich nicht blos auf die technisch vollendetsten Systeme der Ventilation, Wasserleitung, Beheizung rc., sondern auch aus die innere Einrichtung, wobei von der bisherigen Spitaleinrichtung mit Holzmöbeln Umgang genommen und der Eisenmöbel-Konstrnction mit Recht der Vorzug gegeben wurde. Bei der für diesen Einrichtungszweig ausgeschriebenen -Concurrenz wurde nach gewissenhafter Prüfung durch Fachmänner den Offerten der bekannten Eisenmöbel- Fabrik von R. Rigl u. Comp, für die von denselben vorgelegten Mustermöbeln vor allen anderen Offerten der Vorzug eingeräumt und dieser Fabrik die Lieferung der auf den Betrag von zehntausend Gulden bezifferten Eisenmöbel-Einrichtung des neuen Hospitals übertragen. England. London. Unser Glaubensgenosse, Professor Sylvester, ein berühmter Mathematiker, welcher, wie die „Times" schreibt, europäischen Ruf genießt, und seit fast 15 Jahren als Professor der Mathematik an der Militärakademie in Wovlwich angestellt ist, wurde vor einiger Zeit plötzlich penfionirt. Die Pensionirung erregte sowohl in der Presse als auch im Parlamente allgemeines Aufsehen. Auf eine Interpellation des Sir F. H. Goldschmid int Uuterhause, drückte selbst der Premierminister Gladstone sein Bedauern über einen Fehler, der von Unterbeamten begangen worden, aus. (Jew. Chr.) Donaufürstenthümer. Bukarest, 15. Auz. Die hier erscheinende „Rumänische Post" brachte dieser Tage ein sehr freimüthiges offenes Schreiben an den regierenden Fürsten. Wir geben in Nachstehendem die interessantesten Stellen daraus wieder: „Hoheit! Mehr als fünf Jahre sind nun verflossen, seitdem die Stimme des rumänischen Volkes die Krone des Landes Ihnen aufs Haupt gefetzt. . . . Mancherlei Veränderungen hat die materielle Lage des Landes seit der Thronbesteigung Eurer Hoheit erfahren, und diese Meliorationen sind vorwiegend Eurer Hoheit zu verdanken. Die Städte und städtischen Gemeinden namentlich haben besondere Fortschritte gemacht. Die Landbevölkerung und die arbeitenden Classen des Landes haben während dieser fünf Jahre einen besseren Arbeitslohn erzielt, wogegen die Grundbesitzer ihre Einkünfte durch intensive und rationelle Bebauung bedeutend vermehrt haben. Auch die Handelsclassen haben trotz engherziger Vorurtheile manche Vortheile erzielt.... Eure Hoheit haben persönlich an der Förderung dieser materiellen Entwickelung Äntheil genommen — und die Resultate dieser Theilnahme können unter allen Umständen nur befriedigend genannt werden. Ein Land kann jedoch keinerlei dauernde und entschiedene Fortschritte machen, wenn nicht ebenso wie das materielle, so auch das sittliche Wohl derselben Pflege und Aufmerksamkeit theilhastig wird. Ein Tyrann, ein Nero oder Caligula mochten auch materielle Wohlfahrt fördern, jedoch auf Kosten der Sittlichkeit, der Menschlichkeit! Eure Hoheit sind, den: innersten Wesen nach, weder ein Tyrann, noch besitzen dieselben irgend eine der Eigenschaften jener sauberen Monarchen, deren Namen wir oben erwähnten; jedoch kann ein obschon guter, aber zu nachsichtiger oder schwacher Fürst indirect Ursache von Mißständen und sogar Ruchlosigkeiten werden. Rumänien, seit fünfzig Jahren von schlechten Politikern heimgesncht, bedurfte eines Meisters, um sich zu verjüngen und die ursprüngliche Kraft und Stärke wieder zu gewinnen. Sind Eure Hoheit dieser Meister gewesen? Konnten cs Eure Hoheit sein? Dies sind die Fragen, die wir Eurer Hoheit vorlegen möchten und dabei uns bestreben, Ihre Jrrthümer zu betonen, damit Sie, Ihre Politik ändernd, in den Stand gesetzt werden, die Regierung des Landes zu behalten, damit Ihr Name strahlender und ruhmvoller werde, als selbst die Michael's des Tapferen und Stephan's des Großen.... Ein Land, seine Geschichte, dessen Eigenthümlichkeit genau kennen — d es ist die Voraussetzung. das Essentiale jeder guten Regierung. Haben Eure Hoheit das Land gekannt, als Sie hieeher kamen- Hatten Sie dessen Geschichte studirt? Die Antwort darauf ist, leider! allzu klar in den Phasen gegeben, welche die Regierung Eurer Hoheit durchlaufen hat. Acht Cabinette in fünf Jahren! Es liegt eine Welt von Belehrung in dieser Thatsache allein! Diese Cabinette enthielten einige der tüchtigsten Geister unseres Landes; aber nicht im Stande, sie zu meistern, duldeten es Eure Hoheit, von ihnen beherrscht und regiert zu werden, bis das Staatsschiff anfing, aus den Fugen zu gehen. Die Kenntniß der Geschichte der Vergangenheit unseres Landes würde es Eurer Hoheit klar gemacht haben, daß die erste Pflicht darin bestand, das sittliche Gebrechen desselben zu heilen. Corruption und Raubherrfchaft hatten das Land an die Stufe des Elends gebannt. Eure Hoheit mußten die Köpfe dieser Corruptions-Hydra politisch abtödten; Sie mußten die diebi-