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Der Israelit · 1871-08-23 · Heft 34 (23.8.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 34 (23.8.1871)
Date
1871-08-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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644 gieren, dessen ganze Thätigkeit diesem Vereine gewidmet sein soll und muß. Ich lege umsomehr Gewicht hierauf, weil, wie die Erfahrung lehrt, nur der Verkehr in stetem Fluß bleibt, wie dies so ganz deutlich bei dem Amsterdamer Cornite für hervortritt; denn nur dadurch, daß man auch dort einen besoldeten Sekretär besitzt, der sich ganz allein der Sache hingibt, war es möglich mit solcher Pünktlichkeit so viel Ersprießliches zu leisten. 4V. Dahin zu trachten, daß auch hochstehende Persönlichkeiten für das Comite gewonnen werden. Es wird dieses zu erzielen nicht zu schwer; denn jeder orthodoxe Jude weiß, daß er von dem, mit dem er vom Himmel begnadigt wurde, auch für den Himmel abgabsvflichtig ist. Es ist also nicht genug, wenn er nur von seinem Reichthume für gute Zwecke opfert, sondern er muß auch, wenn er vom Himmel für eine größere Stellung erkoren wurde, diese Stellung benützen um himmlische Zwecke durch sein Ansehen fördern zu helfen. Dieses ist es, was ich für jetzt mitzutheilen im Stande bin. Sie werden begreifen, daß hierzu ein allseitiges Wirken nöthig ist, sei es persönlich, sei es brieflich, sei es durch die Presse, um die geeignete Persönlichreiten hiezu zu gewinnen. „Helfen wir denl ComitL nur in den Sattel, zu reiten versteht es dann schon allein!" Ich ersuche Sie nun, geehrter Herr Redacteur, das Weitere veranlassen zu wollen und bin gern bereit, das Wenige, was ich hiezu beittagen kann, zu leisten. E. R. Rosenbaum. (Wir werden uns der Sache warm annehmen und sie unter göttlichem Beistand zu realisiren suchen. Red.) Berlin, 20. Aug. Herr I. I. Schreiber dahier wurde vom kgl. preuß. Ministerium des Auswärtigen zum' Commissarius für die nunmehr in Frankreich sich befindenden, s. Z. ausgewiesenen Deutschen, welche dem preußischen Staate zugehörig sind, ernannt und reift heute zum Antritt dieser Stelle nach Paris ab. Es dürfte Ihnen vielleicht unbekannt sein, daß err Schreiber es war, welcher die erste Anregung zur onftituirung des Comites „zur Wahrung der Rechte der aus Frankreich vertriebenen Deutschen" gab. Seit dem Bestand dieser Gesellschaft wirkte Herr Schreiber mit unermüdlicher Aufopferung und Uneigennütziakeit und erwarb sich rasch die Liebe und Gunst seiner Vorgesetzten. Herr Schreiber ist streng religiöser Jude. L. S. Berlin, 18. August. Die jüdische Presse veröffentlicht folgende Warnung: An die jüdischen Gemeinden Preußens. Sichern: Vernehmen nach versendet Herr Dr. L. Philippson in Bonn Circulare an die Gemeinden des preußischen Staates zur Unterschrift, welche eine Vorstellung beim Cultusminifterium gegen die fast zweifellose Aufhebung des Judengefetzes von 1847 bezwecken soll. Nach den vielen Leit- und Correspondenz-Artikeln, welche die „Zeitung des Judenthums" zur Aufrechthaltung dieses Gesetzes gebracht, kann über die Tendenz dieser Vorstellung kein Zweifel mehr obwalten, wie es ja auch natürlich ist, daß eine Partei, welche Jahrelang den Fuß auf den Nacken der andern gesetzt hatte, sich diese Macht erhalten möchte. Um so dringender mahnen wir alle diejenigen, denen es um die Gewissensfreiheit Ernst ist, diese Mithilfe zur Gewrffensknechtung zu verweigern und fordern sie auf, diese Circulare unberücksichtigt zu lassen Frankfurt a. Mt., 11. August. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung interpellirte Herr Sonnemann den Magistrat in Bettest der Schulorganisation und der Angelegenheit der israelitischen Realschule. Herr Bürgermeister vr. B erg erwidert bezüglich des letzten Punktes, daß der Magistrat ungeachtet mehrfachen Monircns noch aus Antwott warte. Herr Sou ne mann meint, wenn der Magisttat aus eine Antwort des Kultusministeriums warte, so könne er lange warten. Herr v. Mühler werde sich nicht selbst ins Gesicht Magen und einräumen, daß er Unrecht gehabt habe. Die Sache sei Reichssache und daher zur Competenz des Reichskanzleramts gehörig. Er wrffe übrigens, daß dort die Antwort aus eine etwaige Beschwerde bereit liege und für die Realschule günstig laute. Herr No lte begreift nicht, warnm der Magisttat sich nicht an das Bundeskanzleramt gewendet habe. Herr Bürgermeister vr. Berg erwidert, die Erklärung des Herrn Delbrück habe dahin gelautet, daß erst die gesetzlichen Faktoren anzugehen seien. Herr Sonnemann: Dies sei ein Jrrthum. Herr Delbrück habe erklärt, auf eine etwaige Beschwerde der städtischen Behörden werde er Abhilfe schaffen. Redner führt einen Fall an, wo einem christlichen Schüler der Realschule die Erlaubniß zum Einjahrigen-Examen verweigert wurde. Der Magistrat habe sich an die unrichtige Adresse gewendet. Er werde keine Antwort erhalten, so lange noch ein christlicher Schüler die Realschute besuche. Herr vr. Siebert meint, der israelitische Schulvorstand oder der Vater des genannten Schülers hätten Beschwerde erheben sollen. Köln, 16. Aug. Herr Thiers hat dem Herrn Rabbiner Dr. Schwarz in Köln seinen persönlichen Dank ausdrücken lassen für die selbstverleugnende Theilnahme und Sorgfalt, die derselbe während seines mehrmonatlichen Amtirens als Seelsorger bei den französischen Gefangenen jüdischer Confeffion bewährt hat.

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