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Der Israelit · 1871-08-23 · Heft 34 (23.8.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 34 (23.8.1871)
Date
1871-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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640 Das Judenthum durch die Reformer und Synodler entgegengeführt wird. Don Herzen ftinime ich dem geehrten Einsender bei, daß es nur allein von uns, die wir noch orthodox sein wollen, abhängt, diesem verderblichen Treiben entgegenzutreten. Wie schlimm auch unsere jüdischen Zustände sein mögen, wie klein auch die Zahl der treuen Anhänger des echten Judenthmns sein mag, wir dürfen nicht verzagen, — nw jepm wenn wir uns übw zu rn« nun Vereinen. Es bedarf keiner Erklärung, wie wichtig und mächtig eine solche zu jeder Zeit für Israel Mr Rettung wurde, und mit Recht räth der geehrte Einsender, einen Verein zur Conservirung religiöser Zustände zu gründen. I. E. Feuilleton. Zur rechten Zeit. XXIV. Die Panduren. Die gräßliche Kriegsfackel war wieder angezündet worden und äscherte Städte und Dörfer ein; der „zweite schlesische Krieg", der mit großer Erbitterung von Friedrich und seine Verbündeten gegen Maria Theresia und deren Verbündeten geführt wurde, versetzte Deutschland und namentlich Böhmen in Angst und Schrecken. Der König von Preußen zog in Böhmen ein und bedrängte Prag. Die preußischen Offiziere und Soldaten, der czechischen Sprache vollständig unkundig, konnten sich mit den Bauern und Bürgern des Böhmerlandes nur schlecht verständigen, während die Juden, beider Sprachen mächtig, überall die Vermittler zwischen der fremden Soldateska und den gebrandschatzten Einwohnern machten. Schon dadurch traten die Juden zu den Preußen in ein freundlicheres Verhältniß. Noch mehr mochte der Umstand dazu beitragen, daß die preußischen Monarchen seit dem großen Kurfürsten angefangen hatten, die Juden in ihren Staaten milder zu behandeln, in ihnen Menschen gu sehen. Als im Jahre 1670, die fanatische Kaiserin Margaretha, eine spanische Prinzessin;, ihren von den Jesuiten erzogenen Gemahl, den Kaiser Leopold I., dazu bestimmt hatte, die Juden aitS Wien und Oesterreich zu vertreiben, da war es der große Kurfürst, welcher einen Theil derselben in seinen Staaten und in seiner Residenzstadt Berlin aufnahm. Auch Friedrich II., dem die Geschichte später den Namen des Großen gab, war viel zu wenig vom Vortheil befangen, als daß er die Juden um ihres Glaubens willen hätte verfolgen sollen, und wenn er sie auch nicht besonders begünstigte, so wußte er sie doch sich stets nützlich zu machen und behandelte sie aus Eigennutz mit Milde. Allein, was die Juden in Böhmen durch all diese Umstände auf der einen Seite gewannen, mußten sie auf der andern um so schrecklicher büßen. Unter der verdummten Bevölkerung von Böhmen und Mähren bildete sich der Wahn aus, der protestantische König, der Ketzer, begünstige die Juden, und diese seien zum Danke dafür Verräther am Vaterlande. Prag wurde von den Preußen hart bedrängt und die kleine österreichische Garnison unter General Harsch vermochte die Stadt nicht lange zu halten; sie schloß sich in den Vysehrad (sprich: Wischerad) ein; alle Bande oer Disciplin wurden gelöst, und zur selben Zeit, als die Stadt den Preußen übergeben werden sollte, brach der Pöbel in Verbindung mit einigen -Panduren in die Judcustadt ein und fing an, zu rauben, zu morden und zu plündern. Das geschah am 18. September 1744, am Tage nach dem Versöhnungsfeste. In dem in der Christenstadt Gelegenen Tandelmarkte, wo viele Prager Israeliten, ihre Verkaufs-Gewölbe haben, wurde eingebrochen und geplündert. Ehrenwerthe christliche Bürger jedoch sandten eine Deputation an den General Harsch, und baten um Schutz für ihre jüdischen Mitbürger. Dieser sandte ein Piquet von 50 Mann, das zuerst den Tandelmarkt und später die Judenstadt von den plündernden Panduren und dem mit diesen verbundenen Pöbel säuberte. Um diese Zeit befanden sich drei Israeliten in Bereitung eines neunjährigen Knaben in der Neustadt in der Rathhausgasse. Als sie von den Excessen hörten, wagten sie nicht, sich nach Hause zu begeben, sondern sandten den Knaben um nähere Erkundigung aus. Dieser kehrte mit den entsetzlichsten Nachrichten zurück; er hatte im Tandelmarkt wie in der Judenstadt erbrochene und ausgeraubte Gewölbe sowie mit Blut befleckte jüdische Leichen gesehen; daß General Harsch bereits Hilfe gesandt hatte, war noch nicht zu seiner Kunde gelangt. Die geängstigten Männer schickten nun den Knaben nach dem Visehrad, damit er von dem Commandanten Hilfe erflehe; ehe aber das Kind dahin gelangte, war die Capitulation vollzogen, und die Preußen zogen unter klingenden! Spiele in Prag ein. Der Knabe drängte sich mitten unter die Soldaten, warf sich dem General Einsiedl zu Füßen und umklammerte dessen Knie. Unter Thränen erzählte er, was sich zugetragen. General Einsiedl sandte sofort 11 Mann ab, um die in der Rathhausgasse versteckten Juden sicher nach Hause zu geleiten; dann meldete er diese Vorgänge dem Könige, der sogleich 200 Reiter zum Schutze der Judenftadt beorderte. So zogen denn die ersten Preußen, die in die Altstadt kamen, zum Schutze der Juden an. Mehr bedurfte es nicht, um das Gerücht auszustreuen, die Ju-

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