Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1871)
- Date
- 1871-08-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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637 gechwiegen, daß es besser sei, zu den D’DtyJ als zu den O’a^y zu gehören, daß Gott, der Herr, die Reinheit unserer Ansichten und Absichten auch in diesem Punkte kennt. Möge Gott ihnen ihr unverantwortliches Gebühren verzeihen! Auch der Vers, geht nicht gerade glimpflich mit den „anerkannten, frommen und wirklichen Gesinnungsgenossen in Deutschland" wie er sie nennt, um; er vergleicht sie mit Bileam und nennt sie Werkzeuge des jnn ns'Ü! Dieses unfeine Benehmen soll jedoch der objectiven Beurtheilung des vorliegenden Werkes unsererseits keinen Eintrag thun. In der Betrachtung „über das Wissen" gibt der Verfasser eine kurze Darlegung des Systems der modernen Materialisten, uni dasselbe ad absurdum zu führen. Der Verfasser hat die Werke Büchners, Vogts, Molleschotts 3C. gründlich studirt und eingehende Forschungen darüber angestellt. Er weift die Unhaltbarkeit der von ihnen aufgestellten Thesen in gediegener, wissenschaftlicher Weise nach. Daß Gott die Welt zu der Ihm beliebigen „Zeit" geschaffen habe, ist em ungenauer Ausdruck, den der Verfasser in einer wissenschaftlichen Abhandlung hätte vermeiden sollen; denn vor der Schöpfung kann von einer Zeit nicht die Rede sein, da die Zeit nichts ist als das Maß der Bewegung, wie es Maimonides im Moreh Nebuchim so lichtvoll auseinandersctzt; von Bewegung, speziell von der Bewegung der großen Weltenkörper, deren Maß die Zeit ist, kann aber vor der Schöpfung nicht die Rede sein. Es ist das Etwas, was sich unserm Vorstellungsvermögen entzieht und ist darauf der bekannte Ausspruch der Weifen ddi no anwendbar. Sehr schön und einleuchtend spricht der Verfasser über die Schöpfungsgeschichte der Genesis; seine Exegese ist manchmal sehr kühn, aber immer sehr geistreich. In der zweiten Betrachtung setzt der Verfasser die Mission Israels auf Erden in schönen, wohldurchdachten Worten auseinander, für jede Behauptung Beweise aus mündlicher und schriftlicher Lehre beibringend. In den Beilagen sind interessante Documente und Beiträge zur ungarisch-jüdischen Geschichte der jüngsten Vergangenheit enthalten. Zeitungsnachrichten und Correspon denzen. Deutschland. Volkmarsen, (Hessen) im August, “imk hddd In der isr. Gemeinde Zierenberg wurde am 3. d. M. eine seltene und sehr schöne Festlichkeit-begangem das 50jährige Dieustjubiläum des dortigen Lehrers I. Gutkind. Tie dem greisen Jubilar erwiesenen Ehrenbezeugungen sind Zeugnisse seiner Würdigkeit und der all gemeinen Achtung, deren er sich erfreut. Von Nah und Fern waren Freunde, ehemalige Schüler und Schülerinnen, eine beträchtliche Anzahl jüd. und christt. Lehrer, der Oberschnlinspector Herr Pfarrer Karst von Lb'ermeiser, der Ort-geistliche, der Bürgermeister rc. zur Theilnahme erschienen. Die Festrede hielt Herr Dr. Stern, Seminarlehrer von Cassel in erbaulichster und entsprechendster Weise; derselbe über brachte dem Jubilar gleichzeitig eine Beglückwünschungs-Adresse vom Pr. Vorsteheramte zu Kassel, dem eine Gratification von 20 Thlr. beigesügt war. Die Gemeinde widmete einen kunstvollen silbernen Pokal und das Festcomite Namens sämmtlicher Schüler k. ein Ehrengeschenk: 100 Thaler Wertpapiere und ein kurhessifches 40-THaler-Loos, dem außerdem noch andere sehr schöne Geschenke folgten. Am Festessen nahmen über 1O0 Personen Theil. Herr Landrath Weber von Wolfhagen behändigte dem Jubilar ein Gratulationsschreiben von Hoher Königl. Regierung und den von Sr. Majestät unserem Allergnädigsten Kaiser und König verliehenen Verdienstorden mit der Zahl 50. Es ist dies so viel mir bekannt, der erste jüdische Lehrer in der Provinz Hessen, dem eine solche Auszeichnung zu Theil geworden. Es ist dies ein Fortschritt, welcher den isr. Lehrern die Hoffnung gibt, daß sie einer zcitgemäßern und ihnen rechtmäßig gebührenden Stellung voll Seiten hoher Staatsbehörde gewürdigt werden und wird hoffentlich der Wahlspruch bald einmal zur Geltung kommen: „Gleiche Pflichten — gleiche Rechte!" — In der Würdigung dieses längst 'ersehnten Zeitpunktes hat aber um so mehr bei allen Wirren und Gefahren, welche den Boden und die Pflanzstätte des isr. Lehrers, wie das Judenthum überhaupt zu erschüttern drohen, der Lehrer die heiligste Pflicht: im Triumph das Panier nicht für die zu tragen, welche mit einem irrigen und trügerischen Geiste zu blenden sich bestreben. Eingedenk des Propheten Wortes jppvi vma n\ni» müssen wir Lehrer gerade in der Würdigung und treuen Erfüllung unseres Berufes unsren Stolz darin suchen, unsre ganze physische Kraft und geistiges Bestreben daran setzen, den N'2 bv mpirn das lautere Gotteswort, den echten, reinen und unverfälschten Glauben, die angestammte Religion unserer Väter, sammt den heiligsten und uns liebgewordenen Pflichten nach dem Sinne unsrer