Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1871)
- Date
- 1871-08-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XD. Jahrgang. Beilage zu Nr. 33 des Israelit. Leitender Artikel. Zur ßharacleristik des Mrestauer Seminars. Hamburg, im August. '^Dv>2 '-.i n«an ,m:y niDyDi „Das eben ist der Fluch der bösen That, Daß sie fortzeugend Böses muß gebären." Unsere Weisen erklären den in Jesaias Vorkommens en Vers, indem sie sagen, die Sünde gleiche anfänglich einem dünnen Faden, werde aber bald an Dicke einem Wagenseile gleich, d. h. mit andern Worten, die Sünde nimmt in rascher Progression zu. Es ist bekannt, daß die Opiumraucher dasselbe in immer größeren Quantitäten nehmen müssen, um ihre mehr und mehr erschlaffenden Nerven auszuregen, und so verhält es sich auch mit der Sünde. Ein Aussatz des Herrn vr. Grätz im Julihest seiner Monatsschrift hat uns die Wahrheit dieser Idee klar vor Augen geführt. Es wird darin über das Verhältniß des p-n und Denn -o im gelobten Lande abgehandelt, und nach der Weise der modernen Kritik viel Scharfsinniges, rectius Unsinniges, zu Tage gefördert. Es wird von einem Clientel-Verhältniß gesprochen, das zwischen Juden und Nichtjuden geherrscht haben soll, und aus dieser vagen Hypothese werden dann Schlüsse gezogen und Gebäude aufgeführt, was man aus deutsch „Geschichte schreiben" nennt. Der Inhalt des Aufsatzes ist es aber nicht, der uns zu obiger Bemerkung veranlaßt, sondern ein einzelner Satz desselben. Wir sind es längst gewohnt, zu sehen, daß unsere D'CDn bei G. sehr schlecht angekommen, daß ihnen Unkenntniß der Schrift-Interpretation, falsche Erklärung sogar von nmrnai nvwn vorgeworfen werden. Noch aber haben wir nicht wahrgenommcn. daß er sich an die mm selbst gewagt hat, wenn er auch schon sich durch seine Abhandlung über n^np dazu vorbereitet hat. Diese Abhandlung aber lehrt uns, daß nun auch diese äußerste Consequenz gefolgt ist, und das Gebäude des seine Krönung erhalten hat. In der Monatsschrift heißt es Seite 303 wörtlich folgendermaßen: „Das sinaitische Gesetz statuirt keineswegs ein Eheverbot zwischen Israeliten und Clienten , nicht einmal in Bezug auf die 7 Völkerschaften. Es warnt nur Exodus 34 gegen ein intimes Verhältniß mit denselben, weil eine so:' . rbindung. zu Götzendienst - und - dessen Lastern u...u:rtelbar führen würde. Erst das deuteronomische Gesetz verbietet dasConnubium mit den Kananitern, aber nicht aus Kastenstolz, sondern wegen der Lasterhaftigkeit dieser Völker." Also Herr G. hat 2 Gesetze, ein sinaitisches nnd ein deuteronomisches! Wahrlich ein mcrtwürdiger Glaubensartikel eines an einem jüdischen Seminar, welches künftige Rabbiner bilden soll, wirkenden Lehrers! Wer bat denn dasdeuler. Gesetz verfaßt? Wann ist es ausgeschrieben worden? Hat es denselben göttlichen Charakter wie das sinaitische, oder dieses umgekehrt dieselbe geringe Bedeutung, wie man sie wohl einem eigenen deuteron. Gesetze vindiciren mag? Lauter Fragen, über die wir neugierig wären, eine Lösung im Grätz'- schen Sinne zu erhalten. Wunderbar kömmt uns aber jetzt die Feindschaft vor, die zwischen Herrn G. und dem Sultan aller Ungläubigen und rnn-Leugner, Vr. Geiger, besteht, da sie doch so merkwürdig übereinstimmen. Oder beruht dieselbe auf dem Erfahrungssatze uw jün “ü nrr? Wie Recht hatte doch Rabbiner Hirsch in Frankfurt, als er gegen die Gräz'schen Ideen gleich' anfänglich so scharf austrat, weil eigentlich in nnov schon damals das ganze entwickelungsfähige nrnmp'sre darin lag. Denn sobald man die Entwickelung des Gesetzes in rm-D als etwas rein Menschliches betrachtete, sobald man die nos<n •cun mit den Weisen anderer Nationen nur gleichstellt, und nicht vielmehr sie als von göttlicher Weisheit beseelt und als Träger der Tradition und 'nmn nDDn erklärt, ist man eigentlich schon im Geiste da angelangt, wo das Wort erst später hinkömmt. Wir sind nur begierig, zu sehen, ob die seit einiger Zeit in Stettin etablirte Waschanstalt auch diese schmutzige Wäsche rein bleichen wird. Wundem würde es uns nicht, da ja der dortige Arzt die Cur in der Breslauer Seminar-Heilanstalt sehr dringend empfiehlt, und die dort wehende Luft für äußerst gesund erklärt. Unsere innige, auf langjährige Erfahrung gestützte Ueberzeugung aber ist, daß eine Anstalt, wo Lehrer mit solchen Ansichten wirken, nicht eine Pflanzstätte für das einzig wahre, ttaditionelle Judenthum sein kann. Es mögen wohl hieraus Rabbiner nach synodalem Zuschnitt hervorgehen, keineswegs aber solche, die eine Stütze für den wankenden Glauben zu sein vermögen. Als Endresultat wollen wir nur das constatirt haben, daß diese eine im beregten Aufsatze gemachte Aeußerung allein genügt, lim Hei-rn G. als völlig außerhalb.des jüdischen Glaubens stehend zu bettachten, da er die mm nicht als einheitliches Ganzes betrachtet, dessen einzelne Theile alle gleichmäßig vom göttlichen Geiste durchdrungen find.