Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-08-16 · Heft 33 (16.8.1871) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 33 (16.8.1871)
Date
1871-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447532--09629-2465333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

624 Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. In der vorgestrigen Sitzung des Hernalser Bezirksschulrates wies der Vertreter der israelitischen Confesfion Herr Kuffner daraufhin, daß die Juden vor den Linien Wiens gar keiner kirchlichen Körpe^chaft angchören, da die Kultusgemeinde in Wien selbst sie in Folge des auf ihr Ansuchen erstoffenen Statthaltereierlasses vom Jahre 1868 gänzlich ausgeschlossen habe. Rchner erwähnt die mangelhafte Controle der Geburten, Ehen und Todesfälle unter den Israeliten der Vororte, die eine Folge dieses Zustandes sind, betonte aber, daß die Bildung einer eigenen Kultusgemeinde bei der größtenteils armen Bevölkerung vor den Linien auf große Schwierigkeiten stoßen dürfte. Redner glaubt, daß er von seinem Standpunkte in dieser Versammlung wenigstens dahin wirken soll, daß es seinen Glaubensgenossen ermöglicht wird, giltige Religionszeugnisfe in den Vororten zu erhallen und beantragt daher: Der Bezirksschulrat möge die Art und Weise in Erwägung ziehen, wie es möglich sei , daß auch für Nichtkatholische der Religionsunterricht in den Volksschulen des Bezirkes zu ertheilen wäre. Die Versammlung verwies den Antrag einstimmig an die pädagogisch-didaktische Section zur weiteren Berathung und Berichterstattung. Wien. Zum Rabbiner der Wiener israelitischen Gemeinde kam neulich ein Mann, Katholik, welcher erklärte, er wolle seine Tochter an einen Israeliten verheirathen, sie solle mit demselben eine gemischte Ehe eingeben. Auf die Erklärung des Rabbiners, daß die genlischte Ehe in Oestreich gesetzlich nicht anerkannt sei, erwiderte der Vater der Braut, seine Tochter könne nötigenfalls ja auch zum jüdischen Glauben übertreten. Der Rabbiner war über diese vollkommene Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen sehr entrüstet, und gab dieser seiner Entrüstung Ausdruck in den Worten: „Glauben Sie denn, daß man die Religion wechsle, wie einen Rocks" Von diesen Worten war der gute Mann äußerst betrosten und ftagte mit höchst komischer Naivität: „Ja, woher wissen Sie es denn aber, daß ich ein Schneider bin?" — Der Mann war der Meinung, der Rabbiner habe eine Anspielung auf sein edles Handwerk gemacht. Oesterreichisch-Ungarnische Monarchie. Stafttrefi. In eurer.unserer früheren Nummern brachten, wir eine Correspondenz aus Jassy, in welcher dargethäp wurde, daß einem dort befindlichen Apotheker Namens 'Blaustein, Seitens des Bürgermeisters die Eriaubttiß perweigen wurde, eine in Pacht genommene Apotheke zu erösmen, und zwar aus dem Grunde, weil. Herr Blaustein Jude ist. Ueber diesen Vorfall wird uns nunmehr folgendes mitgetheilt: Jassy, 25. Juli. Der Bürgermeister hat Hrn. Blaustein bis heute noch nicht erlaubt, die Apotheke unter seiner . Firma zu betreiben, sondern hat zum verantwortlichen Apotheker einen daselbst in Condition befindlichen Assistenten Namens Schlesinger ernannt, der ebenfalls Jude ist und in seiner Eigenschaft als Assistent von Rechtswegen die Verantwortlichkeit gar nicht auf sich nehnren darf. Der Bürgermeister scheint diese Maßregel deßhalb ergriffen zu haben, weil er bereits einzusehen beginnt, daß er einen großen Mißgriff begangen hat und nunmehr einen Fehler durch den andern vertuschen möchte. Auf den Recurs, welchen Herr Blaustein an das Ministerium gerichtet, ist ein Befebl an den hiesigen Präfecten ergangen, über die ganze Angelegenhet Bericht er erstatten. Herr Negruzzi — dies ist der Name des Präfecten, der sich auch allgemeiner Achtung erfteut — forderte den Bürgermeister auf, über den Fall zu referiren; dies ist jedoch bis jetzt noch nicht geschehen und dürfte auch in Folge unterbleiben, denn der Bürgermeister fand es für gerathcn zu erklären, daß er den diesbezüglichen Rapport schon avgesendet habe, was aber, nach genau eingezogenen Nachrichten nicht der Fall ist. Die ganze Angelegenheit ist also nach wie vor in der Schwebe und der Bürgermeister läßt es an Chicanen nicht fehlen. So schickte derselbe vor einigen Tagen zu Herrn Blaustein und ließ demselben (mündlich) bedeuten, daß, wenn er seine Firma nicht herabnehme, man dieselbe gewaltsam abreißen würde. Herr Blaustem forderte einen schriftlichen Befehl, der aber nicht ertheilt wurde, und obschon der Bürgermeister seine Drohungen noch mehrere Male wiederholen ließ, prangt heute noch immer die Firma, und der Bürgermeister Cenes scheut sich doch einigermaßen, die Sache auf die Spitze zu treiben und der Drohung die That folgen zu lassen. Ich werde über den weiteren Verlauf berichten. (Rum. Post.) 5 « « i II < t r *. Zur rechte» Jett. xxm. Die Familie Snlzbach. ' Es'wär elw UoW/'schönes, auf dem Hampas *) belesenes' -Haus, in welches Menascheh nach dem Schlüsse : i; A. pi, j. i. „ X) Name eines Maßes in der PragerzJudenftadk...

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.