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Der Israelit · 1871-08-16 · Heft 33 (16.8.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 33 (16.8.1871)
Date
1871-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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62 2 jRamen aufgeführten, aber durchaus trefflichen und der f irsorge der Miance doppelt empfehlungswürdigen jungen ann treten, der ursprünglich ui Paris und nun hier M Uhrmacher-Profession erlernt und zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Es find sohin im Ganzen adoptirt 12 Waisen, in die Lehre gegeben 17 und in Pension 1. Verausf bt wurden nach Ausweis des dem Haupt-Comitv in Ms eingesandten Spezial-Berichtes die Summe von :1132 Thlr. 17 Sgr 7 Pf. Für die nächsten drei vffp. 4 Jahre gebrauchen wir für Lehrgeld, Bekleidung, Handwerkszeug und Unterricht jährlich x. p. 5—600 Thlr. Hannover, 7. August. In Ihrem jüngsten . Leitartikel heben Sie mit Recht nachdrücklich hervor, .wie der Verlauf der sogenannten Synode (D rn Augsburg ein glänzender Triumph für uns ist. Ueberzeugender als alle Darstellungen unserer Seils erweisen die NOlogen durch die unwiderstehliche. Logik der Thatsachen selber die ganze Haltlosigkeit, die totale Verzweiflung, das grenzenlos Wahnwitzige der Reformbestrebungen unseres Jahrhunderts und wenn Gott die Augen und. die Herzen der Zeitgenoffen offen erhält, so datirt vielleicht von dem Augsburger Tage ein Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Judenheit, welcher eine neue bessere Zeit einleitet. Vielleicht! — Denn außer dieser „am weitesten fortgeschrittenen" Fraction der Reformpartei ist noch eine andere auf dem Plane, welche schadenfreudigen Sinnes dieses Fiasco ihrer Schwester begrüßt und aus demselben für sich Nutzen erblühen zu sehen hofft. Seht, ruft -sie bcu Gemeinden zu, dahin führt oas Extrem, so rächt -sich die Hast, welche Alles überstürzen, welche nicht den Weg des „gemäßigten Fortschritts" gleich uns wandeln -will! Hört auf uns! Wir überlegen jeden Schritt und .in weisem Nachgeben und klugen Festhalten haben wir die Zügel des Gemeindewesens in Händen, opfern hier die Piuttm zur Befriedigung der neologischsten Ansprüche, ^versagen dort die Orgel, um uns die Orthodoxen zu verbinden, drücken hier ein Auge zu, ohne ausdrücklich etwas zu gestatten, lasten für Jene etwas Altes bestehen: so werden wir durch Transactionen, durch Compronnffe, durch bedächtiges Handeln und Nichthandeln von beibeit ^Seiten respectirr, stehen über den extremen Parteien, unsere wahre Gesinnung kann die Menge nicht erkennen, -weil wir diplomatisch zu reden und noch diplomatischer f schweigen vcrsteyen, •*- wir sind die Herren der ituation! Wie den Lesern dieser Zeitung bekannt wird, ruht die Leitung unseres hiesigen Gemeinde- .Mes^asi in den Händen eines Mannes, der sich mit Dor- Wbe zu der Partei' der jucto mifieu bekannt und durch Ptt Eröffnung der neuen Synagoge inaugurirte neue ordnvng ein Wunderwerk rabbinatticher Pastoral- 1 Mlbracht zu hahen '»ahnt. Nachdem fast ein verfloffen. seit Ml die hiesige Gemeinde der Segnung dieses Wunderwerks theikhaftig ist, von welchem der Urheber zur Hebung der Religiosität der Gemeindemitglieder vergeblich so viel erhoffte, dürste es wohl an der Zeit sein, nach dem Resultate Umschau zu halten, und auch für andere Gemeindeverhättniffe dürste eine solche Umschau nicht ganzohneJntereffe und Nutzen fein. Die von einem Mitglieds des Repräfentanten- Collegiums gegen die Neuerungen angeftrebte MaaKnahmen sind völlig erfolglos geblieben und hat dasselbe kemen Genoffen gefunden, der sich seinen Bestrebungen anschließen wollte. Die nicht allzugroße Zahl der sogenannten „Orthodoren" wies eine Betheiligung der- ' selben aus dem Grunde ab, weil sie glaubte, durch Nachgeben weiteren Reformen vorzubeugen und nicht , den Muth hatte, dem Ansehen des Rabbmats, welchem auch die hiesigen Stiftsrabbiner nicht zuwider handeln « wollten, entgegen zu treten. So blieb denn jenem ein-! zelnen Mitgliede nichts übrig, als allein eine verwah- .< rende Erklärung bei der Regierung, dem Vorstande und den Repräsentanten niederzulegen. I Dieser Protest war Gegenstand der Verhandlung ' im Repräsentanttn-Collegium, indem ein Mitglied defselben eine Zurückweisung unter Anderm auch darum beantragte, weil in der Verwahrung die Behauptung ausgestellt sei: daß ein religiöser Ums Gesetzeskraft habe, 1 seine Befolgung religiöse Pflicht und seine Beseitigung ■ reliaionswidrig sei *). Der Antragsteller suchte diese Behauptung als gefährlich und unhaltbar zu kennzeichnen,; da er z. B. keiner Religion angehören wolle, welche noch heutigen Tages das Trageil eines Taschentuches > nur mittelst Umgürtlung am Sabbat gestatte. — Es < wurde vom Collegium der Uebergang zur Tagesordnung unter ausdrücklicher zu Protocoll erklärten Uebereinstim- - mung mit den Ausführungen des Antragstellers gegen 1 eine sehr geringe Minorität beschlossen.! Welche Tragweite diese „motivirte Tagesordnung" 1 hat, liegt auf der Hand. Sie ist die erste Frucht der < widergesetzlichen Neuerungen und die ganz natürliche ' Folge derselben. Jede Ansicht, welche nicht unbedingte ' Anerkennung und Billigung des Reformwerks involvirt, 1 muß ja confequenter Weise von dem Leiter unserer In- \ stitutionen um so schärfer und nachdrucksvoller perhorresnrt ' werden, als man ja vorgibt, mit jenem nicht den reli- < giösen Boden verlassen zu haben. So ist es denn auch! nur consequent — freilich zugleich im hohen Grade J fanatisch — wenn kürzlich einem der hiesigen Stift--- 1 rabbiner, einem höchst ehrenwerthen Manne, die ihm ] nach hier üblicher Weise in diesem Jahr zu übertragende ' V. Abce. 3v6. «3 ». Jizschak v. Sch. XL A4. 25«. Ui. SS«.

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