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Der Israelit · 1871-08-16 · Heft 33 (16.8.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 33 (16.8.1871)
Date
1871-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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621 Freunde", am Vorabend des Tischoh Bcaw (am 26. Juli, Abends) ein Concert veranstaltet!!! — Ass 'die .Maß Jisroel" noch keine eigene Synagoge 'besaß, wurde Anfangs für die Predigten des Herrn Ravbiner Dr. Hildesheimer der große Saal im Locale der Gesellschaft der Freunde gemiethet; der Vorstand des Vereins kündigte aber sofort den Miethcontract, als es publik wurde, daß in diesen „der Freude" geweihten Räumen der Ernst des Judenthums besprochen wurde. Eine nichtjüdische Gesellschaft, der kaufmännische Verein, war toleranter und nahm die Vertriebenen solange auf bis sie sich selbst ein angemessenes Gotteshaus eingerichtet hatten. — Welch grauenhafte Zustände! — Köln. Das Local - Cornite der „Alliance Jsr. Univ." in Köln, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Schwarz, Nathan Keller, Abraham Baum, Samuel Marx und David Benjamin, dem in Folge des Krieges die schwere Aufgabe zugesallen ist, selbstständig für die Unterbringung und theilweise Unterhaltung der russischen Waisenkinder Sorge zu tragen, versendet einen Bencht über seine bisherige Wirksamkeit. Als im Frühjahre 1870, heißt es darin, vom verehrlichen Haupt-Comitö der Ruf an uns erging, den verkommenen Zuständen unserer von Leiden verschiedener Art heimgefuchten Glaubensbrüder in Westrußland zuvörderst durch Adoptirung resp. Versorgung ihrer Waisen aufzuhelfen, fand dieser hochherzige Gedanke in unseren Herzen den lebhaftesten Wiederhall. Wir haben schriftlich und mündlich nicht nur hier in der Metropole der Rheinprovinz, sondern auch in vielen anderen Orten Rheinlands und Westphalens mit ganzer Hingebung für das erhabene Werk der Regeneration Propaganda gemacht. Schon waren wir eines überraschenden Mfolges unserer Bestrebungen, welchen allwärts die rührendsten Sympathien entgegengebracht worden sind, sicher, so daß es uns gelungen wäre, innerhalb eines Jahres für hundert Waisenknaben derart Aufnahme zu finden, daß für ihre sittliche und religiöse Erziehung, für ihre Heranbildung zu unterrichteten Menschen und Israeliten der Grund gelegt worden wäre, als leider die urplötzlich entfesselte Kriegsfurie uns der glänzendsten Resultate beraubte, auf der anderen Seite aber unsere Bemühungen, das gottgefällige Werk auch in beschränkter Weise fortzusetzen, mit Hindernissen aller Art überhäufte. Und während wir^ur Bestreitung der bedeutenden Auslagen, die unser Werk erforderte, wohl besondere Unterfttttzu ngsmittcl gefunden hätten, wußten wir auf Dieselben verzichten und sahen uns lediglichaus die Jahresbeiträge der Mitglieder der Alliance und auf Sammlungen, die wir bei außerordentlichen Gelegenheiten veranstalteten' und heute noch fortsetzen müssen, angewiesen.^uch jetzt, nach errungenem Frieden, scheint uns die Plederaufrnchme des Werkes in der ursprünglich intenttrten Mus- . dMüng nicht Dpportun, da es «um zu ermöglichen. sein dürfte, nach der einmal eingettetenen Erkaltung für das Unternehmen das Publikum aufs neue wieder hierfür zu gewinnen; es sec denn, daß das Haupt-Eornfts in Paris in Verbindung mit dem deutschen Gemeindetag die Sache einer erneuerten und reiflichen Prüfung unterziehen und einen neuen Apell an unsere Glaubensgenossen erlaßen würde. Begnügen wir uns also vorerst, unsere Sorgfatt den Knaben angedeihen zu lassen, denen wir unsere Protectton versprochen haben. Anfangs Juli v. I. konnten wir dem Grenztomits in Königsberg die Mittheilung machen, daß wir Umerkommen für 18 Waisen gefunden haben. Aber schon einige Wochen später, gleich nach der Kriegserklärung erhielten wir von verschiedenen Seiten Telegramme, um keinen Preis die avifirten Jünglinge ihnen zuzuschicken. Auch ließen uns mehrere Meister ohne viel Federlesens ihre Lehrlinge ins Haus bringen, mit dem Bemerke«, daß sie selbst zu den Fahnen gerufen worden sind und natürlich ihren Haushalt jetzt verringern müßten. Dadurch kam es, daß wir auf unsere Kosten eine Anzahl Knaben, darunter auch einige nach Saargemünd bestimmte, mehrere Monate hindurch verpflegen mußten, bis wir eine passende Stelle für sie finden konnten. Dauernd versorgt und unseres Beistandes nicht mehr bedürftig waren und find 15 in verschiedenen Gemeinden bei Privaten untergebracht oder von Gemeinden adoptirte Waisenknaben. Am 15. März zeigte uns das Haupt-Comit« in Paris an, daß es sich veranlaßt sehe, sechzehn Knaben, in ihre Heimat zu entlassen; wir mögen deren Transport nach Rußland besorgen. Aber schon zwei Tage nachher schrieb uns das Lvcal- Comitv in Brüssel, daß es einige davon zu placiren gedenke, und bat uns, wir möchten ein gleiches mit den Anderen versuchen. Sowohl im Interesse derjuttgen Leute, als auch der Alliance, glaubten wir diesem Wunsche Nachkommen zu sollen, so sehr wir uns auch mit neuen Sorgen und Lasten übeibürdeten. Nachdem wir nun die Ankömmlinge aus Paris aufs neue unifornlirten und über Peßach verköstrgten, ist es im Laufe einiger Monate gelungen, allerdiugs nicht ohne große Opfer, sie unterzubringen. Ein Waisenknabe, Jacob Moses, wurde von seinen Anverwandten in Rußland, deren Verhältnisse sich unterdessen gebeffert, reclamirt. Isidor Gordon, einige Zeitm ArloN und dann versuchsweise^hier, ging nach Berlin.' und Elias Barman, der mehrere Monate von der Synagogen- Gemeinde in Mayen untechalten, dann von chr wegen feiner tadelnswerchen Aufführung entlaffen wurde, besuchte noch ein halbes Jahr nnftre Schule, mutzte aber, nachdem er zu einem Buchbindet in die Lchre kam, von uns nach Rnßland stredirt werden, da der Knabe sich cks sittttch und'Moralisch verkommen zeigte. An seiner Stelle'lieHn wir einen' ändern, aus befoMren Gründen hier nicht «nt

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