Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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muthen, daß er mit der Zeit auch weiter, daß er vom Kleinen zum Großen geht. Und wiederum der Knabe, der sich gern ernsten Beschäftigungen hingibt, läßt uns vermuthen, daß er einst als tüchtiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft seinen Platz ausMen wird, denn in der Jugend spiegelt sich das ganze, große Zukünftige ab. Wenn es nun aber auch auf der anderen Seite heißt : „Keine Regel ohne Ausnahme," so müssen wir unfern Blick doch stets auf das Allgemeine richten. Schon an der Jugend hat man Gelegenheit, die Verschiedenheit des menschlichen Herzens und Gemüthes wahrzunehmen, treu und offen, falsch und verschlossen; man bemerkt, wie das Herz siir so Verschiedenes empfänglich ist, wie der menschliche Geist sich oft so verschieden zeigt, wie es Kinder gibt, die schon in der ersten Zeit so leicht Alles auffassen und verarbeiten, und wie es wiederum Andere gibt, deren zähes, verschlossenes Wesen, deren fixe Widerstandsideen sich durch nichts beseitigen lassen. Es ist allerdings nichts Erfteuliches für den Lehrer, diese betrübenden Eigenschaften an seinen Schülern zu bemerken und dagegen ankämpfen zu müssen, aber doch rechnen wir es hier zu den Berufsfreuden des Lehrers, einestheils, weil solche Schüler doch mehr Ausnahmen sind, und anderenteils, weil ihm gerade durch solche Schüler Gelegenheit geboten ist, die Menschenkcnntniß zu erlangen, die ja in den verschiedenen Vorkommnissen des Leberts so notwendig ist. *) - (Schluß folgt.) /.Wecensi-we». Werke für den Unterricht in der Geschichte. 1. Prof. Dr. W. Herbst, Histor. Hilfsbuch für die oberen Klassen von Gymnasien und Realschulen. I. Alte Gesch. Ausg. für Gymnasien. 2. verb. Ausl. 1869. 8°. 204 S. 2. Desgl. Ausg. für Realschulen. 1866. 8». 207 S. 3. Desgl. II. Gesch. des Mittelalters. 2. verb. Aust. 1870. 80. 102 S. 4. Desgl. III. Neuere Geschichte. *) Das Studium der Menschenseele, das der Lehrer practisch übt, wie die Theorie der Psychologie, die bei jedem Lehrer vorausgesetzt werden muß, befähigt ihn aber gerade — und das ist das Wichtigste — richtig auf den Schüler zu wirken und manches Böse schon im Keime zu ersticken. Die Fehler, die wir an den Schülern bemerken, sollen nicht dazu dienen, unsere Menschenkcnntniß zu bereichern, sie sollen vielmehr uns dazu anspornen, die richtigen Mittel und Wege zu finden, sie zu tilgen, und dieses Studium und diese Arbeit ist eine der schönsten Berufsfreuden des Lehrers.—Red. . 2. verb. Aust. 1869. 8-. 135 S. Sämmtlich im Verlage von Kunzens Nächst in Mainz. In der Verlagsbuchhandlung von Kunzes Nächst in Mainz ist eine Reihe von Werken für den Unterricht in der Geschichte erschienen, die eine große Beachtung verdienen. Wir haben gerade keinen Ueberfluß an guten Leitfäden beim Geschichtsunterricht in gehobenen Schulen, da die systematische Bearbeitung solcher nicht ungewöhnliche Schwierigkeiten bietet. Denn gerade hier kann man sehr leicht in den Fehler gerathcn, dem Schüler zu wenig oder zu viel in die Hände zu geben. Ein einfaches Namen- und Thatenverzeichniß ist zu wenig, ein zusammenhängendes, im erzählenden Tone fortlaufendes Geschichtswerk kann sehr leicht zu viel sein, da es die Gefahr in sich birgt, aus der Geschichtsstunde eine Lesestunde zu machen, während doch das Hauptmoment des Geschichtsunterrichts die lebendige mündliche Darstellung des Lehrers sein soll. Eine andere Schwierigkeit ist die Vertheilung des massenhaften Stoffes und das Herausgreifen des Wissenswürdigen, daß an dieser Klippe viele Lehrer, die voll des besten Eifers find, scheitern: es weroen in dieser Beziehung die Kinder oft mit Daten und Namen belastet, die weiter keinen Zweck für dieselben haben, als von ihnen vergessen zn werden. Die uns vorliegenden Werke suchen durch pädagogischen Takt und richtiges Maßhalten die angedeuteten Gefahren zu meiden, so daß diese Bücher in der Hand geschickter Lehrer wesentlich zur Hebung des Geschichtsunterrichts beitragen werden. Ueber die Methodik des Unterrichts spricht sich Prof. Herbst in einer besonderen Broschüre aus, die er selbst als „ein erweitertes Vorwort zu seinem historischen Hilfsbuch" bezeichnet^). Er ist der Meinung, daß für den Unterricht in der alten Geschichte die Hilfsbücher für Gymnasien und Realschulen geschieden sein müssen, da durch die klassischen Studien aus den Gymnasien die Schüler zu den Quellen der alten Geschichte in einem anderen Verhältniß stehen als die Realschüler, und wir sehen diese Scheidung in den uns vorliegenden zwei Abtheilungen für den Unterricht in der alten Geschichte glücklich durchgeführt. (S. Nr. 1 u. 2.) Die öfteren Hinweise auf die Quellen, wie die sorgfältigen Uebersetzungen der Namen und Beziehungen der verschiedenen Staalseinrichtungen in die Ursprache und das tiefere Eingehen auf manche Culturverhältniffe der alten Griechen und Römer erhalten die Schüler immer im Contact mit ihren klassischen Studien. Für die mittlere und neuere Geschichte hält der Verfasser die Trennung *) Zur Frage über den Geschichtsunterricht auf höheren Schulen. Mainz 1869. (Kunze's Nachf.) 8°. 58 S.