Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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602!l .nicht für nöthig. (S. Nr. 3 u. 4.) — Gegen den Vorwurf der „Styllofigkeit", den man dem Verfasser gemacht hat, bemerkt er, daß ihm darauf ankam, „in möglichst gedrungener Form möglichst viel Material (nach dem Schulmaßstabe) zusammenzufaffen. Dazu war es oft unumgänglich, die Formwörter weazulassen, überhaupt die Mitte zu halten zwischen dem Ton einer Tabelle und zusammenhängender Erzählung, wechselnd, je nach dem Bedürfnisse der Verständlichkeit, zwischen Satzfragmente und ausgeftihrten Sätzen.... Es war ein wirkliches Studium für den Verfasser, kurz zu sein und doch überall durchsichtig zu bleiben.... Noch einem Mißbrauch des Lehrbuches kann dessen Lakonismus und Styldefect Vorbeugen, dem noch nicht überall beseitigten, daß der Lehrer den ^Leitfaden vorlesen läßt und nur hier und da, mit Nägelsbach zu reden: »notulas adspergit“. — Von der alten Geschichte will Herbst nur dre griechische und römische in den Schulcursus ausgenommen wissen. „Orientalische Geschichte, so hoch , bedeutend kulturgeschichtlich und weltgeschichtlich, setzt, ihrer mehr zuftändlichen und bewegungslosen Natur nach, für die Schule nicht den nöthigen Bildungsstoff ab.... Für die Schule ist Palästina der Orient." Die Schüler sollen in der Geschichte der Hellenen und Römer heimisch werden, in welcher ja auch die Bezüge auf den Orient nicht fehlen, und lassen ja auch die biblischen Geschichten einen Blick in das Völkergewoge des Orients werfen; was sonst von demselben in die Schule gehört, soll sich dienend als Mittel zum Zweck, zur griechischrömischen Geschichte verhalten. Es leitet den Verfasser auch ein richtiger Takt, wenn er die eigentliche biblische Geschichte nicht mit dem übrigen Geschichtsunterricht vermengen will. Die neuere Geschichte will der Verfasser nur bis 1815 geführt wissen, doch mit dem Bemerken, daß von da an bis auf die jüngste Zeit ein Blick epilogisch geworfen werden könnte. Die verwickelten Wege der Zwischenzeit den Schüler zu führen sei unmöglich; denn für den Schüler wenigstens fehle in der Zwischenzeit die materielle Befriedigung (wir müssen bemerken, daß das Buch vor dem Kriege von 1870—71 geschrieben ist). Das historische Interesse werde ein universales, dieses aber den vielfachen revolutionären Kämpfen gegenüber ein skeptisches, kritisches und folglich unjugendliches. Wir geben dem Verfasser Recht, die Geschichte nicht zu weit bis in die Neuzeit herabzuführen, da bei der Verschiedenheit der Parteien man nicht allzuleicht der Gefahr des Politisirens in der Schule entgeht, und dieses für! jeden Fall ungehörig ist; doch glauben wir, daß eine l Fortführung der Geschichte bis zum Jahre 48 nicht al- . lein nicht unbedenklich, sondern sogar ersprießlich sei. Der I Kampf des Absolutismus mit dem Conftitutionalismus,! der sich jetzt zu Gunsten des Letzteren entscheidet (die! kurze Verfasfungsperiode von 30—31 war für Deutsch : land nur vorübergehend), ermöglicht erst das richtige Verständniß unserer jetzigen Staatsverhältnisse, der Stur; der Bourbonen, die Entwickelung der orientalischen Frage, der Beginn der dänisch-schteswig-holsteinischen Wirren - alles dieses sind Momente wichtiger Bildungsfaktoren, ein epilogischer Blick bis auf die Jetztzeit, nur Namen und Daten berücksichtigend, würde das Ganze abschließen. Vielleicht wäre es auch rathsam, die orientalische Frage bis zum Krimkriege zu verfolgen,! und den, wenn auch blutigen, aber um einer hohen sitij lichen Idee willen, der Aufhebung der Sklaverei, geführten Bürgerkrieg Amerika's ausführlicher zu besprechen. I Wir glaubten, die vorliegenden historischen Hilfsbücher von Prof. Dr. Herbst (der Abschnitt über die Römer ist sowohl in der Ausgabe für Realschulen als auch für Gymnasien in gleichem Geiste und gleichartiger Gruppirung von Dr. Eckertz bearbeitet) am besten an der Hand der „erweiterten Vorrede" zu besprechen, indem wir uns mit den in demselben niedergelegten Ideen über den Geschichtsunterricht vollständig einverstanden erklären; doch möchten wir der deutschen Literatur einen größeren Spielraum im Geschichtsbuch gönnen, als der Herr Verfasser es thut; wir finden ein bloßes Erinnern und Winkegeben, namentlich in der neueren Geschichte, nicht für genügend; Männer.z. B. wie Arndt, Rückerl, Uhland, Körner u. s. w., ja in gewissem Grade auch Schiller und Göthe, sind in Wirklichkeit nur aus der Zeitströmung und den Verhältnissen, in denen sie lebten, vollständig zu verstehen. Doch thut dies dem Werke keinen Abbruch. Die zweite Auflage, die für die meisten dieser Hilfsbücher schon nöthig geworden ist, spricht sowohl für das Bedürfniß, wie für die praktische Tüchtigkeit derselben. Wir wollen auch nicht unterlassen zu erwähnen, daß das Hilfsbuch für den Unterricht der alten Geschichte in Gymnasien in einem Schreiben des preutz^ Unterrichtsministers vom 2. März 1867 belobt und „die Trefflichkeit dieses Lehrmittels" anerkannt wird. Diesen für den Unterricht in den höheren Klassen bestimmten Lehrbüchern gehen zwei andere, in derselben Verlagsbuchhandlung erschienene, für Tertia und Ouarta voran, die wir nächstens besprechen werden. DM" Correspondenzen und Beittäge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung tn diesen Blättern wolle man gefälligst adressiren an vr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofhuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.