Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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600 wie wir fortschreiten, wie namentlich dem Landschulwesen rctdicäle Hilfe zu bringen, das haben wir zu beleuchten uns zur Aufgabe gestellt. Ob wir sie lösen, mag der gütige Leser nachsichtig beurtheilen, dabei aber bedenken, daß uns eine langjährige Erfahrung zur Seite steht. Zum besseren Verständniß werden wir a. von der Gemeinde, b. von der Schule, e. von dem Lehrer zu reden haben. A. Von der Gemeinde. Durchgehen wir die Gemeindebudgets, so finden wir mit weniger Ausnahme enorme Summen (?), welche für den Jugend-Unterricht verzeichnet sind. Es fehlt daher weder an den nöthigen Mitteln, noch am guten Willen. Und doch stehen oft die Resultate mit den gebotenen Opfern im umgekehrten Verhältnisse. Es müssen Kains Opfer sein. Die heilige Schrift bietet dafür die treffende Mahnung; rw aw o» ,.Wenn du gut thuft, kannst du dein Antlitz aufheben." „Gut thun" heißt, was nach dem moralischen Gesetze als recht und billig anerkannt wird. Ist das gut thun und billig handeln, wenn die eine Seite Pflichten verlangt, dafür der anderen Seite keine Rechte gewährt? Der Lehrer syll und muß feine Schuldigkeit thun. seine Zeit, sein Streben, seine Gesundheit der Schule widmen. Das ist seine unumstößliche Pflicht. Welches Recht wird ihm dafür geboten? Ein hohes Salärs Ist Gehalteinnehmen ein Recht? Ist der Lehrer Tagelöhner, daß er nur ftir den Gehalt arbeitet, und nicht ein Recht besitzt, das ihm seine Existenz sichert? Ist das ein Recht, wenn er von den Launen eines Gemeindevorstehers, wie es auf den meisten Landstellen ist, abhängt? Der Lehrer ist Mensch. Er kann irren, er kann verstoßen. Soll er sofort dafür, daß er nicht „unfehlbar" ist, zum Hause hinaus geworfen, vertrieben werden? Jeder Mensch hqt.zuweilen Laune, üble Laune: hat der Lehrer das Unglück, die Zielscheibe dieser üblen Laune zu sein, heißt das cmv zpöti dn, ihn derselben zu opfern? Der Lchrer soll festen Charatters, das Vorbild der Gemeinde und der Jugend sein. In der Gemeinde sind heterogene Elemente, denen das Vorbild zu mancher Zeit und Gelegenheit unbequem ist, oder denen das Vorbild schon zu bekannt erscheint, die ein anderes Bild sehen möchten, die der Reiz der Neuheit nicht mehr ködert; wurde deshalb nicht oft ein Lehrerwechsel verlangt und ausgeführt? Solche Reflexe lähmen die Dienstbeflissenheit des Lehrers und legen seiner ganzen Hingebung an sein Amt den kräftigsten Hemmschuh an. Es soll und muß besser werden, das kann nur dann, ja einzig und allein nut dann geschehen, wenn die Gemeinden sich des Kündigungsrechtes begeben. Wählet erprobte Lehrer, wählet erprobte Rabbinen, stellet erstere unter die Jnspection der letzteren und unter den Schutz der Regierung, und ihr werdet ständige, dienstbeflissene Lehrer, Ruhe und Ordnung in der Gemeinde, eine gut erzogene Jugend und einen langjährigen Jugendbildner haben. (Schluß folgt.) Nerufsfreuden des Lehrerstandes. Von L. Grünstein. (Fortsetzung.) Was ist deshalb Anderes nothwendig als Menschenkenntniß, nur so viel wie möglich für sich allein fertig <yu werden, um die Menschen selbstständig zu beurtheilen? Ja, sie allein zeigt uns den rechten Weg, sie allein gibt uns die Mittel an die Hand, uns vor Betrogen- und Hintergangenwerden aufs Möglichste zu schützen. Aber nicht allein eine schöne Kunst ist sie, die Menschenkenntniß, sondern auch eine schwere, die nicht leicht erlernt wird. Denn immer und wieder gibt es Fälle, die unsere vollste Aufmerksamkeit und unser tiefstes Nachdenken beanspruchen, denn nie lernt der Mensch, selbst wenn er der Klügste wäre, aus. Und wer ist es wohl, der da sagen könnte: ich habe die meiste Menschenkenntniß? Etwa der Kaufmann, der an seinen Käufern, etwa der Krieger, der durch den Umgang mit seinen Kameraden jenen Grad von Menschenkenntniß zu erreichen vermag, welcher dem Lehrer so bald zu eigen wird?. Der Lehrer hat die Jugend, die reifere und die minder reife, vor sich, er kommt mit der Welt in Berührung, die oftmals der Art ist, daß sie ihn das Herz der Betreffenden bis ins innerste Mark durchschauen läßt. Hauptsache ist und bleibt aber immer die Jugend, über die er zu verfügen hat, die unter seiner Leitung steht. Denn mehr als alles Andere ist es die Jugend, durch deren Umgang man sich am Leichtesten zum Menschenkenner heranzubilden vermag, denn sie, die Jugend, ist der Spiegel des reiferen und höheren Alters, in ihr spiegelt sich das ganze, große Zukünftige mit den hellsten, frischesten und lebhaftesten Farben ab, und schon auf sie können wir gute, oder denselben entgegengesetzte Hoffnungen bauen, denn wenn nicht die Aussichten auf eine gute Aussaat vorhanden sind, io können sie selbstverständlich auch nicht auf eine gute Ernte vorhanden sein. „Was ein Häkchen werden will, krümmt sich, bei Zeiten," fügt , ein Sprichwort, und wohl liegt eine tiefe Wahrheit in demselben. Schon der Knabe, der Gefallen daran findet, seiner Gespielen Eigenthum sich zuzueignen, wenn es auch nur in Kleinigkeiten bestände, wovon zu reden nicht der Mühe werth ist, läßt uns leicht zver-