Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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tz. (Pädagogische Beilage za Nr. 31 des „Israelit", m J°hrg.) Witter für Mule und HE Die israelitische Schule. Von E. Ottensoser zu Biblis, vormals Director des Handels-Instituts zu Büdingen. Das Judenthum hat zuerst das Prinzip des Jugendunterrichts obenan gestellt. cnwan ist jeden: Betenden dreimal täglich in den Mund gelegt. Cs ist den Eltern als die heiligste Pflicht in ihrem Berufe aufgegeben, ihre Kinder sittlich und religiös heranzubilden oder heranbilden zu lassen. Ja, sogar dem Kinderlosen spricht das Judenthum die Vaterschaft solcher Kinder zu, welche er in unsre heilige Thora einführt oder einführen läßt. Deshalb die hohe Achtung des n"D"rD zu allen Zeiten, welches sogar dem vorangesetzt wurde. Lernen, lehren, die Lernenden unterstützen, nahm vor Allem die höchste Stufe in allen jüdischen Bestrebungen ein. Was das Judenthum und die Judenheit darin geleistet haben, verzeichnet jedes Blatt der jüdischen Geschichte und die ausgedehnte jüdische Literatur. Das war auch nur dem jüdischen Eifergeiste möglich, der sich in allen Volksschichten kund gab, und dem kein Opfer an Geld und Mühe und Entbehrungen zu groß war, um mitzuwirken an der Heranbildung eines sittlichen, religiösen, von Gelehrsamkeit durchdrungenen Volksgeistes. Freilich die Verhältnisse machen oft den besten Willen zu Schanden. Die Zerstreuung, die Verfolgung der Juden wirkten oft zersetzend auf die jüdischen^ Lehranstalten. Man hals sich auch hier mit Palliativmitteln durch Errichtung der sg. onnn. Nach und nach aber gewannen sie immer größere Ausdehnung und Festigkeit. Jede Gemeinde und jedes Gemeindchen mußte ihr Cheder haben, in welchem. sich die jüdische Jugend die nothwendigfte Summe jüdischen Wissens aneignen sollte. Ein Umschwung in den socialen Verhältnissen, die bessere Gestaltung der politischen Lage unserer Glaubensgenossen traten gebieterisch an dieselben heran, der allgemeinen Forderung wissenschaftlicher Bildung Rechnung zu tragen. Dem konnten die bisherigen Chedarim nicht mehr genügen, und an deren Stelle trat die israelitische Schule. 1^68 extreme 8« touchent wurde auch hier zur Wahrheit. Statt ergänzend und auf dem jüdischen Geistesterrain des als unzulänglich erkanntenCheders zeitgemäß fortzubauen, hatte in den meisten Fällen die Israel. Schule nichts Eiligeres zu thun, als sich des jüdischen Charakters vollständig zu entkleiden und nur das profane Wis- | sen und Lehren in ihr Bereich zu ziehen und auf ihre ] Fahne zu schreiben. Die natürliche Folge war, daß der glaubenstreue Vater darin eine Gefahr für die religiöse Erziehung seiner Kinder erblickte, sich von ihr abwandte ) und feindlich ihr gegenüber trat. Dagegen erwarb sie sich i warme Anhänger und Kämpfer im Lager der Glaubens- 1 schwachen, welche in der isr. Schule die heilbringende 1 Stätte gefunden zu haben glaubten, worin die Jugend einen - christlichen Anstrich erhielt, der sie befähigte, „den alten Firlefanz" abzustreifen, frei zu denken und frei zu handeln. -i Ja sogar, es war in: Laufe der Zeit stehender Mode- 1 artikel geworden, daß nur derjenige als gebildet erschien 1 und erscheinen wollte, wenn er sich über alle, das Jüdische prononcirende, Ge- und Verbote hinwegsetzte, wäh- J nend, sich nur auf diese Weise immer enger an den ] christlichen Mitbruder anschließen zu können. Die Spat- J tung zwischen Orthodoxie und Neologie war vollzogen j und prägte sich inuner schärfer in ihren Gegensätzen aus. j Wir umgehen alle sonstigen Faktoren, welche dabei mitj wirkten — wir haben es hier ja nur mit der israej litischen Schule zu thun. Der Wahlspruch *6 »a I jnbK sollte, nachdem die Gefahr für das Juden- 1 j thun: aufs Höchste gestiegen, in dem kritischen Momente 1 seine Geltung erlangen. Männer, g a uze Männer, j von jüdischem Geiste und jüdischem M u t h e durchj drungen, Glanzsterne am Horizonte wissenschaftlicher 1 Bildung, hüben wie drüben durch ihren fleckenlosen | Wandel Achtung gebietend, griffen in die Speichen des | zurückrollenden Wagens „Judenthum" und geboten ein I unüberwindliches „Halt!" Was?. „Halt f‘ Nein, 1 „vorwärts!" war das Losungswort. Wenn sie auch j eine Zeit lang Sisiphusarbeit zu verrichten hatten, die 1 göttliche Hilfe blieb nicht aus, — das jüdische Herz, hie 1 und da in den Winterschlaf gelullt, der jüdische Gefft, j hie und da mit einer Eiskruste überzogen, die warme Frühlingssonne des neu gekrästigten Judenthums weckte den Schläfer, brach die Eisdecke in Stücken, und eine junge Schaar Gotteskämpfer erstand, holte das verlorene Palladium aus den Schlachtenreihen der Gegner siegreich zurück. Das Grundübel wurde gesucht, es war leicht zu finden, ging es ja ursprünglich vom Jugend-! Unterricht aus. Die israelitische Schule, statt den Wein-! berg des Herrn zu pflegen, hatte die edlen Reben zerj stört und Harlinge an deren Stelle gepflanzt. Es ist \ schon besser geworden, aber noch Viel ist zu chun übrig, i und es muß noch immer beffer werden; was zu thun.