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Der Israelit · 1871-08-02 · Heft 31 (2.8.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 31 (2.8.1871)
Date
1871-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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588 ^Stuhtrichlcr Jordan-, daß cr die rituelle Scheidung aqch weiterhin nicht vornehmen könne und dürfe, daß er aber als weltliches Staatsorgan die civilgerichttiche Scheidung als solche in die Matrikel schon vor Jahr und Tag eingetragen hatte. Gleichzeitig übersandte Herr Hirsch die erwähnten, sein Vorgehen billigenden Gutachten der Rabbinate Preßburg, Pesth, Ujhely, Paks, ^roßwardein und Gyöngyös, zu welchen noch eines des Dt. Hildesheimer aus Berlin und eines des Ober- Rabbiners Josef Weiße aus Waag - Neustadt! kamen. Wie man vernimmt, gedenkt Herr Ober-Rabbiner Hirsch fein znrückgenommenes Majestätsgesuch wieder einzureichen und arbeitet derselbe an einem Memorandum, welches er durch den Reichstags-Deputirten seines Wahlbezirkes , Herrn Friedrich v. Harkamü, dem Abgeordnetenhause zu unterbreiten gedenkt. Donaufürstenthümer. Bukarest. Der hiesige Gemeinderath fährt mit eisemer Ausdauer fort, sich in den Augen der civilisirten Welt lächerlich zu machen, um durch dieses so beliebte Mittel seine Popularität zu befestigen. Auf dem nicht mehr ganz ungewöhnlichen Wege der Judenunterdrückung haben denn die hochherzigen Väter der Stadt Bukarest neuerdings ein Stücklein geliefert, welches wir zu derell Verewigung hiermit der Ocffentlichkeit über» geben: Denl hier lebenden Architekten, Herrn Philipp Mvntoreanu, wurde vor einiger Zeit, und zwar Seitens einiger Mitglieder der Commune, denen der genannte Herr wiederholt bedeutende Gefälligkeiten erwiesen hatte, der Antrag gestellt, die Stelle eines Stadtarchitekten in Bukarest anznnehmcn. Herr Mvntoreanu, seine Leute wohl kennend und wissend, daß dieselben erwiesene Dienste gern mit Versprechungen bezahlen, theilte denselben seine Bedenken mit, die aber mit Entrüstung zurückgewiesen wurden, ja die Herren Väter gelobten sogar mit Ehrenwort und Handschlag — ebenfalls ein beliebter, weil billiger Artikel — daß Herr Montoreann nild kein Anderer die bezeichnete stelle erhalten solle. Der daraus hinzielende Antrag wurde denn auch wirklich in einer der letzten Sitzungen des Gemcinderathes gestellt, allein oie Wirkung hätte nicht schrecklicher sein können, wenn plötzlich eine Orsinische Bombe im Saale geplatzt wäre. Ein Theil der Väter griff zünden Hüten, Andere schlugen mit geballten Fäusten auf den Tisch, Andere wieder machteil ihrer „sittlichen Entrüstung" durch geeignete Gestikulationen Luft, und Diejenigen, welche am meisten gegen die Anstellung des Herrn Montoreann eiferten, warm dieselben, die sich mittelst Ehrenwort und Handschlag verpflichtet hatten, den Antrag zu unterstützen. Selbstverständlich wurde and) die Zumuthung, Herrn Montoreann! die Stelle eines Stadtarchiteften, um welche er sich nicht einmal beworben, zu verleihen, zurückgewiesen, und Mar aus denl sehr triftigen Grunde. weil der Herr ein Jude ist. — Soweit das Factum. Hätte es sich daruni gehandelt, einen Würdigeren und Fähigeren als Herrn Montoreann anzlkstetten, so würden wir den: Gemeinderache entschieden Recht gegeben haben. Von Fähigkeit lind Verdienst war aber keinerlei Rede, sondern nur von der Rationalität; denn wenn es sich wirklich um Verdienst gehandelt hätte, io wäre es Pflicht der Connnune gewesen, Herrit Montoreann den Vorzug vor jenem Manne zu" geben, den? heute die Stelle des Stadtarchiteften einninnnt, und der selbst von vielen Mitgliedern des Gemeinderathes als unzureichend befunden wurde. Wir verwahren lins dagegen, als ob mir an dieser Stelle für Herrn Montoreann etwa Reclame machen wollten, wozu wir durch die uns vorliegenden glänzenden Zeugnisse und sonstige Documente und Ehrenzeichen dieses Herrn vollkommen berechtigt wären: wir wollen vielmehr daraus Hinweisen, daß sich noch vor wenigen Monaten und zwar bei Gelegenheit der Kunstausstellung, bei welcher Zeichnungen nnd Pläne des Herrn Montoreann ansgestellt waren, sämmtliche rumänische Zeitungen und darunter auch die bekannte Fremden - und Judensresserin „Columna luf Trajan% welcher die Nationalität des Herrn Montoreann wahrscheinlich unbekannt war, vereinigt hatten, um das Lob dieses Herrn in überschwenglichster Weise zu singen. Wo bleibt nach Alledem die Gerechtigkeit, ihr weisen Väter der Stadt? (Rum' Post.) Rußland. Wilna, 15. Juli. Die am 13. 1. ds. Mts. erwartete Aufhebung des Gesetzes, nach welchem Inden teuren Landbesitz käuflich erwerberr diirsen, ist leider nicht erfolgt, dagegen ist eine Verordnung erscheinen, gemäß deren künftighin auch Pachtungen von Grundstücken Juden nur unter besonderen Bedingrurgen gestattet werden sollen, und jeder derartige Vertrag nngiltig und unter Umständen sogar strafbar ist, zu dem die "obrigkeitliche Genehmigung nicht nachgesncht nnd ertheilt worden ist. Frankreich. Paris. Herr Levi Bing ist zwar nicht gewählt hat aber doch 22926 Stimmen erhalten. Das ist eine schöne Zahl und macht dem Candidaten Ehre. Hingegen wurden zwei andere Israeliten in die Nationalversammlung gewählt: die Hen'en Millaud und Naquet. (Rev. Jsr5

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