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Der Israelit · 1871-07-26 · Heft 30 (26.7.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 30 (26.7.1871)
Date
1871-07-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Amerika. Cincinnati Eine traurige Nachricht erhalten wir von Cincinnati. Herr Rabbiner Dr. Bernhard Jllütot), einer der wenigen unter den amerikanischen Rabbinen, der wahrhaft fromm und aufrichtig an die väterliche Religion gehangen, ist gestorben und zwar eines unnatürichen Todes. Derselbe hatte vor einigen Jahren sein Amt als Rabbiner niedergelegt und sich auf eine Farm zurückgezogen, woselbst erLandwirthschast trieb. Dieser Tage fuhr er mit seinem jüngsten Sohne auf einem Wagen nach Hause, als plötzlich die Achse des Wagens brach und beide unter den Wagen sielen. Der Knabe kam unversehrt davon, aber Dr. Jtlowy siel so unglücklich, daß er das Genick brach und nach 24Stunden am 22. Juni Untergrößen Schmerzen starb. Dr. Bernhard Jllowy war in Kollin (Böhmen) im Jahre 1814 geboren. Schon in früher Jugend bestimmten ihn seine Eltern dazu, Lehrer in Israel zu sein. Er besuchte die ro'r' des Rabbi Moses Sopher in Preßburg; wanderte nach Ainerika aus, wurde zuerst Rabbiner in Syracus, bekam später einen Ruf nach New- Orleans und noch später einen Ruf voll der Genreinde Sherith Israel in Cincinnati, wo er bis 1869 blieb. //..// 11 J a j n (Jew. Mess.) e n t i 1 e t o n. Zur rechten Zeit. XX.*) Die Kemea. Das ruhige, friedliche Gemeindeleben in der Judengasse zu Frankfurt am Main wurde um diese Zeit aufs Empfindlichste gestört. Zwei mächtige Familien die „Kann" und die „Kulp", standen sich im erbittersten Streite feindlich einailder gegenüber. Aus geringen Anfängen hatte sich der Zwist entwickelt, der bald in den entsetzlichsten Haß ausartete. Die ganze Gemeinde nahm Partei; die Einen waren Partisanen der Familie Kann, die Andern waren auf der Seite der Familie Kulp, und wie einst die Welfen und die Guibellinen, wie die Montecci und die Capuletti, kämpften die Israeliten Frankfurts gegen einander in bitterster Feindschaft. „Kannisch" oder „Kulpisch" war die Losung. Daß unter diesen stetigen Zänkereien, Streitigkeiten, ja, Schlägereien das gesummte Gemeindelcben nothlitt, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Vergebens be¬ *) In voriger Nummer muß es XIX. statt XIV. heißen. mühte sich der alte, ehrwürdige Rabbiner, Frieden zu stiften; die Ursache des Streites war nicht zu entfernen, da gar keine greifbare Ursache vorhanden war; kein Mensch vermochte den eigentlichen Grund oder den Anfang der Zwistigkeiten anzugeben. Jede Partei glaubte sich im vollsten Rechte und beklagte sich bitter über das himmelschreiende Unrecht, das ihr geschah. Von Tag zu Tag entbrannte der Kampf heftiger; der Rabbiner wurde mit zahllosen Processen behelligt, und die verlierende Partei beschuldigte stets den Rabbinen und die Dajaninl (Rabbinatsassessoren) der Parteinahme zu Gunsten der Gegner. Rabbi Paltiöl, der natürlich durch Geburt und Freundschaft zu den „Kannifchen" gehörte, sah mit großem Kummer den alles Gute zerstörenden, grundlosen Haß; allein, er mußte schweigen; denn jedes Wort der Begütigung wurde von seinen Brüdern und Vettern als eine Theilnahme für „die Kutpischen" bezeichnet; zu seinem größten Kummer sah er, daß es ihm so wenig wie dem Rabbinen gelang, die Leidenschaften der in blindem Haß Befangenen zu beschwichtigen; aber noch größeren Schmerz verursachte es ihn: zu sehen, daß ob all der Parteistreitigkeit das Studunn der Thora vernachlässigt wurde. „Mein Sohn," sagte er eines Tages zu Menascheh, „ich rathe Dir, Frankfurt zu verlassen. Das Thorastudium wird ob all der Zwistigkeiten vernachlässigt und Sinaß Chinnonl, grundloser Haß beherrscht die Gemütyer. Gehe nach Prag und setze dort Deine Studien mit größerem Erfolge fort als es hier möglich ist." „„ Wie Du mir befiehlst, mein Vater,"" entgegnete Menaschah, „„so thue ich."" Als Frau Sarah hörte, daß sie sich von ihrem Lieblinge trennen sollte, weinte sie zwar bitterlich; allein sie selbst mußte ihrem Manne Recht geben; auch sie sah ein, daß es abgesehen von den gegenwärtigen Zerrüttungen des Frankfurter Gemeindelebens für ihren Menascheh nothwendig war, auch an andern Orten zu den Füßen bewährter Meister zu sitzen, um dereinst selbst ein berühmter Talmudlehrer zu werden. Wenn sie nun auch nach einigem Streuben zu der Abreise Menascheh's ihre Einwilligung gab, so wollte sie doch unter keiner Bedingung zugeben, daß Rabbi Paltiöl oder sonst Jemand dem Jünglinge vor seiner Abreise das Geheimniß seiner Abstammung mittheile. Sie fürchtete, von der Liebe des jungen Mannes zu verlieren, wenn derderselbe erfahren möchte, daß sie nicht seine leibliche Mutter sei. Rabbi Paltiöl ging mit seinem Pflegesohne zum Rabbiner, um ihm seinem Entschluß, Menascheh nach Prag zu senden, mitzutheiten. Der Rabbiner billigte den Entschluß. Dann aber nahm er Rabbi Paltiöl bei Seite und ersuchte ihn, den Jüngling vor dessen Abreise über seine Herkunft aufzuklären. „Auch mein Wunsch," sagte Rabbi Paltiöl, „war

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