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Der Israelit · 1871-07-26 · Heft 30 (26.7.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 30 (26.7.1871)
Date
1871-07-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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574 And des Innern in Comnmnication getreten. Der Antrag wird hierauf mit 61 gegen 18 Stimmen und das ganze Gesetz schließlich einstimmig (79 Stimmen) angenommen. Die Stände werden hierauf, bis zum Herbst etwa, vertagt, der ständische Ausschuß ist aber ermächtigt, auch während der Vertagungszeit die Commissionen in angemessene Thätigkeit treten zu lassen, wenn Vorlagen der Kgl. Regierung au ihn gelangen. — Wir hoffen, daß bis zum Herbst auch die Israel. Kircheuverfassuug für Württemberg zur Vorlage komme» werde, namentlich wenn jetzt dafür Schritte geschehen. fgfal&ttHttg in Pommern, 9. Juli. Aus unsrer kleinen Gemeinde, 16 städt. Mitglieder, haben nicht weniger denn 5 jüdische Soldaten, den verschiedensten Truppengattungen angehörig, den Krieg mitgemacht, und zwar 3 junge Leute unv 2 Familienväter, von den letzten hat einer, der Unteroffizier Cohn (stellvertretender Feldwebel) bei Pontarlicr einen Gelenkschuß durch den rechten Unterarm und die Hand davon getragen, ist aber in der Heilung begriffen. Drei der obgenannten Soldaten sind Brüder, während auch der 4., letzte, Bruder vor einigen Wochen auch noch zun: Militärdienste eingezogen worden ist; fürwahr ein hartes Loos für den vergeblich um Entlastung irgend eines Sohnes sich bemühenden, armen alten Vater. — ^ainlmr^. Am Sonntag beging der Vorsänger der portugiesisch-israelitischen Gemeinde in Altona, Herr Piza, Vater des Dr. Piza in Hamburg den pvhen Tag. an welchem er vor 50 Jahren in den Stand der Ehe getreten wur. Zahlreiche Beweise der Theilnahme wurden dem Jubelpaare an dessen Ehrentage. Bereits am Sonnabend-Abend wurde demselben ein Ständchen gebracht, welchem am Sonntag-Morgen aus Veranlassung von Freunden und Nachbarn ein Mufikständchen folgte. Die Gemeinde überreichte demselben zu diesem Tage in dankbarer Anerkennung seiner langjährigen Wirksamkeit ein ansehnliches Werthpapier, und von Freunden und Verwandten, sowie von Mitgliedern der Gemeinde liefen außerdem zahlreiche, mitunter sehr werthvolle Geschenke ein z. B. eine goldene mit Ducalen gefüllte Tabatiöre. Die Feier' schloß mit einem Festmahle in der Tonhalle in Altona. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Prag, im Juli. Der immer zunehmende Lesekreis, welchen Ihr geschätztes Blatt sich hier erworben einerseits, und anderseits der Mangel an jeder Nachricht von dem hiesigen religiösen und irreligiösen Leben, veranlassen mich, obwohl nicht zu Ihren ständigen Corrcspondenten gehörend, Sie um Aufnahme nachstehender Zeilen zu bitten. Es erscheint hier wohl ein für „Leben und Lehre im Judcnthum" wirken sollendes Blatt; aber als bekannlermaßen ossiciöses Organ der hiesigen Cultusgcmeinde-Repräsentanz ist es ebenso farblos, wie die Ai ehrzahl seiner Repräsentanten, und anstatt nach der Mahnung des Propheten ons« DVrwm r.c»m vor allem die Wahrheit und dann erst den Frieden lieben, cultivirt es den letzter» aus Kosten der ersteren, so daß die wirklicheWahrheit verschwiegen und unterdrückt wird. Nun zu »reinem eigentlichen Berichte. Tjnsn niiwu vernahm id), und nach genauer Erkundigung überzeugte ich mich von der Richtigkeit des Vernommenen, daß ans das Drängen des zwar vorzüglichen, aber allzu bequemen und bei heranrückendem Alter für seine Stimme zitternden Cantors des sogenannten Chortempels im Stillen Unterschriften gesammelt werden, aus daß daselbst auch^an rar und 3-d uv während des Gottesdienstes die Orgel den Chorgesang begleite. Bei dem bekannten Jndisserentismus eines großen Theiles der Tempelmitglieder steht leider zu befürchten, daß diese gottlosen Bestrebungen auf keinen Widerstand stoßen werden, da es solchen Leuten auf einen dib'n mehr oder weniger nicht ankonnnt; jedes Wort an sie wäre auch Verschwendung. Der gelehrte Prediger, Herr Pros. Kämpf, bedarf hinwieder meiner Mahnung nicht; der Mann, welcher aus der Kanzel sowohl, als aus dem Katheder immer den orthodoren Standpunkt einuimmt, welcher die bekannten Vorgänge in der Wiener Cultusgemeinde in mehreren Predigten in das gehörige Licht stellte, und die Unstturzmänner des Nordens imb des Südens bald mit den Worten des tiefsten Ernstes geißelte, bald mit der ätzenden Lauge des Spottes übergoß, dieser Mann wird gewiß seinen ganzen Einfluß geltend machen, solche Neuerungen uicht auskommeu zu lasten. Allein wird er das zu vollbringen im Stande sein? Wird die Macht seiner Rede den Machinationen, welche vielleicht hinter seinen Rücken betrieben worden, mit Erfolg entgegenwirken können? Das ist eine Frage, die ich nicht unbedingt verneinen, aber ebensowenig bejahen kann. Die Entscheidung liegt bei den gemäßigten Elementen und bei den Vorstehern der Tempelgemeinde, welche letztere sich seit jeher durch feinen Takt und weise Mäßigung auszeichnen. An sie wende ich mich, an sie möchte ich meine bescheidene Vorstellung richten; mögen sie erwägen, welche Folgen die Verwirklichung jenes heillosen Vorhabens nach sich ziehen würde. Die wahrhaft religiösen, an dem alten Herkommen noch immer hangenden Mitglieder werden dem Tempel den Rücken kehren, diejenigen, welche zwar zu anderen Synagogen gehören, aber die Predigten Kämpss wegen ihres wahrhaft jüdischen Charakters, mit großer Vorliebe besuchen, werden sich ferne halten, und so wird der Tempel die Beute solcher Männer sein, denen weder njo noch robn heilig ist, und die dem Götzen des Zeitgeistes selbst die Religion opfern; wir hätten dann einen Tempel ä la Berlin fertig. Daher caveant consules!

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