Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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557 Equipagen, zum Gottesdienst fahren. Zum Geschäft oder Vergnügen dürft Ihr nicht fahren." (S. 7 ff.) Daß sich nun Herr Lchmann darüber weidlich lustig macht, indem er uns einen Wink auf eine aus Adlers These resultirende casuiftische Frage gibt, wie sich nämlich bei der Unterscheidung von eigenem und fremdem Fuhrwerk ein jüdischer Lohnkutscher zu verhalten habe, ob diesem die Fahrt in seinem Geschirr auch nur an jüdischen Festtagen zuftehe? zeigt uns, wohin die Synode gerathen ist, wenn sie von ihren eigenen Anhängern in Schrift und Wort so mitgenommen wird. „Wenn auf einer reformatorischen Synode ein Prinzip berechtigt ist, sofft es nicht das der Herren Rabbiner, die auf derselben tagen. Ist es denn nicht eine Lächerkeit, wenn Männer, die Chaliza und Get und einen Theil der Speiseverbote aufheben wollen, noch ernstlich um das Fahren am Sabbat und den Techum debatttren, oder erwägen, ob in der Sefiro Trauungen vorgenommen werden dürfen oder nicht. So lange ihr Hrn. Rabbiner der Synode nicht den Muth habt an der Spitze eures Programmes zu schreiben: „die ganze Thora fft antiquirt, und darum sind wir Rabbiner überflüssiger Luxus, denn Schaales dürfen wtt, ohne uns als scheinheilige Heuchler bloszuftellen, nicht paßkenen, die Ehe bedarf der kirchlichen Weihe und Einsegnung, refp. der Kidduschin, nicht," — so lange ihr dazu den Muth nicht habt, bleibt zu Hause und genießet behaglich die Pfründen) dje euch eure Gemeinden bescyieden haben. Der einzige berechttgte Standpunkt wäre der des Herrn Lehmann, der den Herren entgegenhält: „Und trotz allen Aufwandes von Scharfsinn und Gelehrsamkeit wird es den Herren Löw und Wiener nicht gelungen sein, wie namentlich Ersterer will, die Orthodoxie von der Zulässigkeit des Sabbatfahrens zu überzeugen. Warum also nur ein Glied herausgreisen aus der Fälle d r sogenannten Sabbatentweihungen? Faßt die Sache im Principe an: die puritanische Sabbatfeier ist unhaltbar. Weit wichttger als die Sabbatfahrt, die doch in der Hauptsache nur die Minderheit der Wohlhabenden, der Billenbesitzer berührt, ist die des Schulbesuchs, der Arbeiten am Sabbat." (S. 7.) Hier haben wir Offenheit und Consequem, jedenfalls in ihrer Att gesündere Ansichten, als die des Schaukelsystems der um ihre Pfründen und Stolgebühren besorgten Herren Rabbiner. — Wir brauchen nicht die einzelnen Punkte des Büchleins durchzugehen: Herr Lehmanns Ansichten find uns zur Genüge bekannt, als daß wir glauben könnten, er wäre mit den Voten der Herren Rabbiner einverstanden. „Darum aber mutz uns die Schrift des Herrn Lchmann von Wichtigkeit erscheinen, weil sie uns zeigt, was die Freunde der Synode im Kreise der „Laien" (man erlaube uns Orthodoxen der Kürze wegen diesen Ausdruck) über die rabbinischen Mitglieder der Synode denken, um uns die Beruhigung zu 'gönnen: Ihr habt euch nach allen Seiten hin gründlich lächerlich gem<u$k ihr hebt das Judenthum nicht ans seinen Angeln. Frankfurt a. M., 10. Juli 1871. vr. A. Sulzbach. Ieitrmgsmrchrichte» und Eorrespv«- deuzeu. Deutschland. föranffutt a. Wt. Das Münchener „Vaterland" behauptet, „daß eine Reihe jüdischer Banquiers mtt der „Internationalen" unter einer Decke stecken und daß besonders ein Pariser Rothschild als „Hauptsude" mit dieser Gesellschaft auf gutem Fuße stehe. Wir findzufällig in der Lage, diesem scharfsinnigen Blatte ein Jndicium zu liefern , daß sein Spürtalent es nicht irre geführt hat. Im Bibliothekzimmer des Clubbauses^ welches die deutsche Sectton der gefürchteten „Internationale" in Nasiauftreet, London 20 e. besitzt, befindet sich das kühn, aber gut gezeichnete Bild des alten Amschel (oder James d) Rothschild, wie er auf einer Unmasse von Geldsäcken thront und in Tonnen Goldes wühlt. Bisher haben wir diests drastische Bildniß für ein einfaches Symbol der von der „Internationalen" ans Tod und Leben bekämpften Kapitalmacht gehalten; das „Vaterland" bringt uns erst auf die rechte Spur: Rothschildwar geheimer Obercommunist!! Bückeburg Der „jüdischen Preffe" wird berichtet, daß der Fürst von Schaumbnrg - Lippe in einer Bekanntmachung an die Regierung die Friedensfeier nur für die christlichen Confessionen angeordnet hat. Daraufhin erbat nch der jnd. Gemeindevorstand eine Audienz beim Fürsten, um sich über die Zurücksetzung zu beschweren. Ein Mitglied der Deputatton bemerkte, daß in Preußen durch eine Jnterventton Bismarcks aus Anregung des Distttctsrabbiners Bamberger in Würzburg der Befehl zur Abhaltung der Friedensfeier auch an die jüd. Gotteshäuser ergangen sei. Darauf hat her Fürst die Antwott gegeben: „Nee, meine Jungens, hier bin ick souverain, hier hett Bismarck nix to sepgen!" Creutzburg, 21. Juni. Der „Br. Z." wird Folgendes geschrieben: „Ein Ehrenmann, Herr Armee- Lieferant Simon Cohn, stellte an dem Siegessefte zunächst der hiesigen Armenkaffe eine Summe von 500 Thlr. zur Disposition, und setzte für die bedrängteften Armen einige Sprechstunden an, in weichen er denselben je nach Bedürfnis zu 10, 20 x bis zu 100 Thlr. vertheilte. Denjenigen, welche durch ihre äußeren Verhalt-