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Der Israelit · 1871-07-19 · Heft 29 (19.7.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 29 (19.7.1871)
Date
1871-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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556 z. B. nach Rumänien bringen würden, ws die Regierung eine „scheinfreiheitlicheOpposition".zuGMsten der jüdischen Gewissensfreiheit nicht zu befürchten hätte, — wie bann'? Da nun aber Herr Lehmann sich doch bewußt ist, daß man nicht ohne Weiteres die Polizei zur Verhinderung der Beschneidung requiriren kann, so kommt er mit dem advocatifchen Kniff der verbotenen Medikasterei, um den Aerzten die Beschneidung in die Hände legen, was nichts Anderes ist, als sie auf den Aussterbeetat setzen. O, Fanatismus! „Die Mesufa könnte den Aberglauben befördern. Bei einem bankerotten Kaufmann," „der nichtsweniger als strenggläubig war," fand sich im leeren Geldschrank Äne Mesufa vor, — darum fort mit derselben. (S. 39.) Sauberes Argument! „Der Sabbat muß auf den Sonntag verlegt werden, ÄeUn das Geschäft könne nicht zweimal die Woche feiern, die Schüler versäumten zu viel u. s. w. (S. 41 ff.) Hat Herr Lehmann dem verstorbenen Stahl, olim Schlesinger, einst bei Ausarbeitung seiner Theorie vom „christlichen Staate" vielleicht helfend znr Seite gestanden'? „Diese wenigen Proben aus dem „Höre Israel" 'des Herrn Lehmann werden wohl genügen, uns zu beweisen, daß derselbe kein Freund des Judenthums ist, daß sich in seinem Munde die Worte, unsern Kindern und Kindeskindern das Judenthum als Kleuwd zu hinterlassen , als hohle und lächerliche Phrase ausnehmen. Sollen wir ihm das vielleicht als ein hohes Verdienst anrechnen, daß er gegen gemeine Witze der „Fliegenden Blatter", welche die Juden so gern lächerlich machen Möchten, zu Felde zieht, wenn er bemüht ist , das JudÄrthum tn seinen innersten Kern zu schädigen und zu verlWn? Wir haben jetzt den Mann kennen gelernt, der sich wiederum an die israel. Gemeinden wendet, dieselben zum Beitritt zur Synode auszusordern. Würde derselbe didses wohl thun, wenn er nicht in der Synode zu Leipzig die Ueberzeugung gewonnen hätte, daß eine solche ein günstiger Boden für seine radicalen Umsturzideen sei? Und legt dieses nicht wiederum das beste Zeugniß dafür ab, was wir von der Synode, die allerdings jetzt noch nicht vollständig den Ideen des Herrn Lehmann vertritt, zu erwarten haben d Er lobt im Ganzen und Großen die Thätigkeit jener Versammlung, obgleich er mit den einzelnen Resultaten derselben nicht zufrieden ist. Da find nun einige der Herren Führer, die Herr Lehmann ganz besonders im Geiste herzt und umarmt, da figuriren vor Allen: der „ebenso unerschrockene als unermüdliche Wiener", der „treffliche Wiener", der „wackere Wiener", der „geistreiche Löw"; weniger gut kommt sein „Lehret" Landau fort, weil der noch immer zu ängstlich m seinen Voten ist. „Es sind allerdings drollige Sachen aus der Leipziger Synode vorgekommen, die ganz dazu angethan find, dm Spott wie die Unzufriedenheit eines Mannes, wie des Herrn Lehmann zu errege« und mW den Beweis zu liefern, wie die ganze Synode ein verfchltes Ding ist: die Orthodoxen lassen sich von derselben nichts erlauben, die Indifferenten kümmern sich nicht um sie und warten nicht auf ihren Urtheilsspruch, den Radicalen, die sich für die Sache interessiren, ist sie zu conservattv. Wir schalten bei dieser Gelegenheit eine Frage ein: Wie gedenken die Theilnehmer der Synode sich derselben gegenüber zu verhaltend Sollen ihre durch Majorität gefaßten jBefchlüffe für sie bindend sein oder nicht? Es macht nämlich auf uns einen urkomischen Eindruck, wenn Geiger einen Antrag auf „Abschaffung der geschloffenen Zeiten" bringt, daß nämlich die Tage, an welchen bisher keine Trauungen vorgenommen wurden (Omerzeit und die „drei Wochen") fteigegeben werden, wenn Geiger bisher diese „geschlossenen Zeiten" in seiner Amtsthätigköit factisch schon aufgehoben hat. „Man kann doch nur die Abschaffung dessen beantragen, was man noch als bestehend ansicht, wozu also der Antrag? Liegt nicht schon hierin der Gedanke ausgesprochen, daß man auf die Synode gar keinen Werth legt? Und angenommen, es hätte sich die Orthodoxie bei der Synode eingefunden, und Hätte (was als bestimmt anzusehen) in allen Fragen die Majorität gehabt, würden sich Löw, Geiger, Aub u. s. w. den Beschlüssen derselben unterworfen haben? Gewiß nicht! Das ist/der Punkt, woran die ganze Synode hapert, und wodurch sie selbst zugibt, daß sie nichts weiter als ein Unterhaltungsartikel ist. Wie gesagt, Drolliges ist genug aus der Synode zu Leipzig ans Tageslicht gefördert worden, und wir greisen besonders Eines heraus, woran Herr Lehmann eine beißende Kritik übt. Da sind die Referate über Sabbatfahrt. Da kommt der „unerschrockene", „unermüdlich", „treffliche", „wackere" Wiener mit dem Gutachten, daß dieselbe überhaupt gestattet sei, doch rieten außerhalb des Techum Beschränkungen ein: nur zu gottesdienstlichen und frommen dringlichen Zwecken, zum Freundschaftsbesuch, denn das ist eine Mizwah, bei drohenden bedeutenden Verlusten. Or. Landau will -das Verbot als Regel stehen lassm, die Ausnahmen nur unter folgenden Vorsichtsmaßregeln zutassen: erstens tn nichtjüdischem Gefährt, zweitens mit nichtjüdischem Kutscher, drittens innerhalb der Stadt, bez. des Techums, und zwar dies Alles nur entweder zum Besuch des öffentlichen Gottesdienstes bei hohem Alter, Ortsentfernung, Schwächlichkeit, oder zu unausschieblicher Pflichterfüllung, oder znr Beseitigung schweren Verlustes. Das Beste, was aber zur leisten war, hat unstreitig Adler geleistet; es lautet wie es Lehmann in seiner Broschüre wiedergibt, und von dem er sagt, daß .es „mehr ein Orakelspruch vom grünen Tische der Staatsweisheit oder vom Beichfftuhle derPastoralweisheit, denn ein jüdisches Gutachten" sei: „Am Sabbat dürft ihr nur iu Droschken, an den Feiertagen aber auch in Euern

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