Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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558 haltnisse nicht in die Reihen der Bittenden treten konnten, vielleicht aber noch unter einem empfindlicheren Drucke schmachteten, half er durch Uebernahme von schlechten Hypotheken und entweder durch ganz zinsfreie oder nur mit 3 Procent verzinsbare Verleihung von ziemlich bedeutenden Capitalien. Den Invaliden des hiesigen Kreises schenkte er 1000 Thlr. und der Synagoge 400 Thlr. Die Schützengilde erhielt 100 Thlr. und der Männer-Gesang-Verein das Versprechen, ein neues Flügel-Instrument zu erhalten. Darauf brachte er einen sehnlichst gehegten Wunsch seiner Verwirklichung nahe, der bis jetzt durch die Furcht vor bedeutenden Ausgaben iminer zurückgedrängt worden war. Es ist dies die Umgestaltung der hiesigen, höheren Bürgerschule in ein Gymnasium und der Bau eines neuen Gymnasial'-Gebäudes. Zu diesem Zweck kaufte Herr Cohn einen Platz für 2400 Thlr., machte damit der Stadt ein Geschenk und stellte als Hilfe zum Aufbau des Gebäudes selbst 10,000 Thlr. zinsfrei mit beliebiger Amortisation der Commune zur Disposition. Eine hiesige Wittwe, welche an dem Friedenstage ihren Gatten zur Frtedenstätte hinausbegleitete, erhielt von dem benannten Wohlthäter die Begräbniskosten und eine recht erfreuliche Bürgschaft für die Existenz der Hinterbliebenen Warfen. Am Abend dieses festlichen Tages wurde Herrn Cohn sowohl von der Schützengilde als auch von dem Männer-Gesangverein ein Ständchen gebracht." StraHburg Bis jetzt ist in der Administration der isr. Gemeinden keinerlei Veränderung vorgenommen worden. Unsere Rabbinen und Lehrer werden wie früher bezahlt und man hört allgemein, daß die gesetzliche Gleichheit ihnen bewahrt bleibt. Eine beträchtliche Anzahl unserer Glaubensgenossen in Metz hatte während des Krieges sowohl am Militärdienste als auch an dem der Ambulanzen Theil genommen. Herr Js. Bloch, früherer Director der isracl. Schule, dirigitte die Ambulanze, welche inden israel. Schulen eingerichtet war, und versah die ökonomischen Functionen in derjenigen, welche sich im Hospital befand. Der Stadrath selbst hatte ihm diese Mission überttagen und er hat sich dieser Aufgabe in einer ausnehmend verdienstvollen Weise entledigt, wie dieses vom Bischof', Präfecten und Bürgermeister auch anerkannt wurde. (Arch. Isr.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wi<N. Herr Abraham F ir ko witsch, geistliches Oberhaupt der Karaiten in der Krim (eine kleine Anzahl dieser Secte lebt in Halicz in Galizien) befindet sich jetzt in Wien. Derselbe besitzt eine Bibliothek, die insbesondere durch die zahlreichen seltenen hebräischen Manuskripte, die Unica sind, höchst werthvoll ist. So hat er Thora-Rollen, die zur Zeit der Kreuzzüge geschrieben wurden. Herr Firkowitsch, ein Greis von 85 Jahren, ist noch in voller Lebensfrische, und hat sich vor kurzer Zeit wieder verehelicht. Dieser Chef der Karaiten hatte kürzlich Audienz bei dem Kaiser, um dem Monarchelt eine auf die Milttärpslicht bezügliche Bitte seiner Gemeinde vorzutragen. Das Oberhaupt der kara'ttischen Kirche erschien in einem prachtvollen, dem Gewände der Popen ähnelnden Anzuge. Er trug ein schwarzseidenes Unterkleid, darüber einen Ueberwurf aus Moire antique, einen weißen, breiten Gürtel, auf dem schneeweißen Haupte eine Art polnischer weißer Haube mit schwarzer Verbrämirng. Auf der Brust trug er eine große, ihm vom Kaiser Nikolaus verliehene Medaille am rothen Bande des russischen St. Anna-Ordens. Die ganze Erscheinung machte einen höchst würdevollen Eindruck, und mehrere Audienzbewerber, die im Vorsaale des Rufes gegenwärtig waren, ließen dem greisen Chef der Karaiten den Vortritt; er verweilte ziemlich lange im Kabinet des Kaisers. Krakau Im März l. I. kam der Geschäftsreisende Pitzeles aus Krakau nach Klewan in Volhynien und quattitte sich beim dortigen Gastwirth Srul Sparberg ein. An einem Freitage übergab der Passagier all seine Habe, bestehend aus Baargeld und Pretiosen, zusammen im Werth von 1600 Rubeln, dem Hotelier zum Aufheben während des Sabbattages, und gab sich dann der von Gott gebotenen Ruhe hin. Den Samstag hindurch war Pitzeles guter Dinge, dagegen fühlte er sich schon am Abend darauf unwohl. Sonntag nahm die Krankheit einen bedenklichen Character an, der Arzt Heidenreich erklärte sie für eine bösartige Fallsucht und bald nachher war Pitzeles eine Leiche. Das Krakauer Haus, bei dem der Verblichene bedienstet gewesen, stutzte bei der Nachricht vom plötzlichen Ableben ihres Commissärs, und als es obendrein einen kaum nennenswerthen Betrag als Nachlaß erhielt, entsandte es eine Vertrauensperson nach Klevan, die bald Anhaltspunkte genug hatte, um die Sache bei den Gerichten anhängig machen zu können. Die Leiche wurde, wie der „U. L." erfährt exhumirt, und da fand es sich, daß P. vergiftet worden ist. Die Summe, welche er zum Aufheben übergeben, scheint zwischen dem säubern Gastwirth und dem gewissenhaften Arzt getheilt worden zu sein, weßhalb auch beide verhaftet wurden. Frankreich. Paris. Der „Bien public“ schreibt untern: 21. Juni: Wir vernehmen, daß wenn die Synagoge in der Straße Notre Dame nicht geplündert worden ist, man es dem Muthe des Rabbiners Lazard verdankt. Die Communisten wollten durchaus daselbst einen Club errichten und man weiß, zu was diese Clubs in den Kirchen führten. Rabbiner Lazard widerstand allen