Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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552 ist wahrhaft köstlich. Auf keinem Platze der Welr körmte eine Heilanstalt mit so günstigen Aussichten errichtet werden, als zu Ain Jidry (Engedi). Warme und kalte, Satz- und Mineralbäder, üppiger Schatten, Wasierfälle und rauschende Ströme — Alles ist dort vorhanden, mit Ausnahme von Sicherheit für Leben und Eigenthum. Es gibt viele Stellen in der Nähe des Sees, wo Flüsse und Bäche von frischem Wasser das ganze Jahr hindurch stießen und süßes Wasser nur wenige Schritte von dem Salzuser entfernt emporsprudelt. Wo diese Vorkommen, herrscht eine Fülle von Pflanzen- und Thierleben. Ich sammelte 118 Arten Vögel von denen viele noch ganz unbekannt sind, an den Ufern des Sees oder auf demselben. Die Rohrbrüche und Oasen, die den See umgeben, beherbergen 40 Arten Sängethiere, und unzählige tropische und halbtropifche Pflanzen erfüllen mit ihren Düsten die Lust. Die reiche Ebene von Safieh ist bis auf wenige Fuß vom Wasserrand mit Indigo, Mais und Gerste bepflanzt und die Dattelpalme weht noch immer über der Mündung des Amon und des Zerka. Die Bitterkeit des Seewassers kommt lediglich von dem großen Salzberg Usdum an seinem südlichen Ende und von den vielen Schwefelquellen, die an seinem Ufer entspringen. Die Sättigung von Schwefel und Salz tobtet sofort die Süßwasserfische, welche in Menge in den See gehen und den drei Arten von Königsfischern, den Möven, Enten und Tauchern, die man auf alle Theilen des Sees hin- und herschießen sieht, Nahrung darbieten. Der Reisende möge sich deßhalb nicht abschrecken lassen, seine Untersuchungen ringsum die Ufer des Tobten Meeres auszudehnen. Er wird Uebersluß an Leben finden, wenn er ein Naturforscher ist, und Änen Rojchthum von malerischen Scencn und Landschaftsbildern antreffen, wenn er Sinn für Naturschönheiten besitzt, und jeden Abend wird er sein Zelt an einer Sützwasserquelle aufschlagen können. Amerika. Die Reform wächst den Reformern über den Kopf! Bekanntlich lassen die Lorbeeren (reetius Giftbeeren) der Rabbinerversamnilungen, Synoden rc. in Deutschland die Rabbinerlein in der neuen Welt nicht schlafen; sie müssen and) Rabbiner - Conferenz spielen! So versammeln sich denn völlig unwissende Menschen und decretiren das Judenthum nach und nach hinweg. Wir haben im vorigen Jahre über derartige Conferenzen berichtet; da war in Philadelphia eine solche, die alles Mögliche geleistet hat: Hebräisch beim Gottesdienst — weg damit; Beschneidung — überflüssig; jüdisches Ehegesetz — fort mit Schaden u. s. w. Die ünseurs dieser Conferenz waren Adler und Einhorn in New-Aork. Nun aber gibt es in Amerika eine Gegenpartei: O'yms-, D>yitn, O'bso wie jene auch; aber Wise und Lilienthal wollen sich nicht unterordnen unter Adler und Einhorn. Sic machten also selbst eine Conferenz, die in Cleveland tagte; hier wurde das Banner der gemäßigten Reform entrollt,' und die Hübsch, Sonnenschein , Kleeberg (!!!) waren die Schleppträger der Beiden. Aber das mit der gemäßigten Reform wc^lte nicht ziehen, und Humbug und Reclame um jkbeu Preis, ist die Parole. Was thateu die Herren? Sie kamen Anfangs Juni d. I. in Cincinnati zusammen und decretirten den lieben Gott hinweg! Schrecklich , aber buchstäblich wahr! Ja, was blieb denn den Armen sonst übrig? Speisegesetze, Ehegesetze, Beschneiduug u. s. w. hatten ja die Gegner schon über Bord geworfen, und diese mußten doch überboten merdenWas also blieb ihnen übng? Nichts, als Gott selber die «nron aufzusagen. „Es gibt keinen persönlichen Gott, daher ist Beten Unsinn," proclamirten die Herren Wise und Mayer — und in Anerkennung dieser Idee, von der schon David sagt: cm1?«? 72^2 ^22 ic»v, „es spricht der Nichtswürdige in seinem Herzen: es ist kein Gott," wählt die Conferenz den Einen dieser Herren in die Commission zur Abfassung des Gebetbuchs!!! Nun proteftiren die Philadelphier und erlassen Proteste gegen diese Schändung des göttlichen Namens und des Judenthnms! Aber sind sie selber besser? LZ y'c rupiy prr, p-rr,;d f-’irn! „Alles ist abgewichen, iusgesammr sind sie verderbt. Niemand thut Gutes, auch nicht Einer." Es ist gar zu traurig um das Judenthum in Amerika bestellt. Diese Rabbinerlein, ehemals Kürschnergesellen, verkommene Schächter und Chasanim ruiniren das amerikanische Israel in einer grauenhatten Weise. Gott bessere es! F e r i 1 l e t 9 ti. Zur rechten Zeit. XIV. Die Pfiegeeltern. Jahre vergingen. Der kleine Menascheh wuchs zur Freude seiner Pstegeeltern, die ihn wie ihr eigenes Kind liebten, heran. "Die Ehe Rabbi PaltiAs blieb kinderlos und alle Zärtlichkeit, an der die Gemüchev' der beiden Gatten so reich waren, übertrugen sie auf das verlaffene und verwaiste Kind. Menascheh erwiederte diese Liebe anfs Innigste; er hatte keine Ahnung, daß Rabbi Paltiel und Sarah nicht seine Ettern seien, und Alle, die darum wußten, schwiegen ihm gegenüber