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Der Israelit · 1871-07-12 · Heft 28 (12.7.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ga<ze Jcchr hindurch reichLche Unterstützungen» soMrn natstentlich auch ihren ganzen Bedarf an Mcyzoth änt Peßachseste. Um jeden Mißbrauch zu verhüten, erhalten die um Unterstützung Ansprechenden ein Buch, in welchealle echclltenen Spenden eingetragen «erden; e# dient dies auch zur Bequemlichkeit des fungirendeN Bsrstchers, der sich dadmch leichter orientiren kann. Nichtsdestoweniger wird wie überall so auch in Amerika, Kr Bezug auf die Wohlthätigkeit uneMich viel Mißbrauch getrieben. So brachte vor dem verflossenen Peßachfeste eine alleinstehende aus Polen stammende Wittwe einen »roßen Korb mit Maloch nach Hause. Der erstaunten Nachbarin, ebenfalls Polin, erzählt sie, daß sie angegeben, sie habe zwei Kinder und habe in Folge dessen für drei Personen ihren Bedarf an Mazzoth erhalten. Die Nachbarin beeilt sich, ihren Mann aufzusuchen. „Siehst Du", sagt sie zu diesem, „die Beß *) nebenan versteht's Geschäft besser als Du. Sie ist allein und bekommt für dnr Personen. Diesmal geh' ich hin. Du sollst sehen, ich bringe so viel „Mazzes" mit nach Hause, daß wir fxtä „Schwüeß" genug haben." Sie eilt aufs Bureau, jammert, klagt und weint; ihr Mann sei krank, erzählt sie händeringend, ihre vier deinen Kinder hungern. „Well," sagt der Vorsteher, „geben Sie mir Ihr Buch." Sie reicht das blaueingebundene Büchelchen, und zu seinem Erstaunen öffnet der Vorsteher ein Sparcassenbuch (book of bank), das aus circa 10,000 Dollar lautet; im Eifer des „Geschäfts" hat die gute Frau Lie beiden sich ähnlich sehenden Bücher verwechselt. Un- Lerdeß jammert die Arme, ergeht sich in herzzerreißenden Schilderungen ihres Elends — und der Vorsteher bestellt sie aus Nachmittag wieder. Als sie Nachmittags das Bureau betritt, erfährt sie m ihrem Schrecken, daß sie sämmtliche vom Vereine im Laufe der Zeit, erhaltenen Unterstützungen im Betrage von 380 Dollar zuruckzahlen muß, wenn sie und ihr Mann nicht verhaftet und wegen durch falsche Vorspiegelungen erschwindelter Spenden angeklagt und vor Gericht gestellt werden solle», ein Vergehen, das in America strenge besttast wird. NüU erst kennt ihr Jammer keine Grenzen. Aber was Msts, sie mutz zahlen; erst dann erhält sie ihr Bank- Buch zurück. Welcher Empfang der „geschäfts"-kundigen" Dame bei ihr« Nachhaufekunft von Seiten ihres „geschäfts"- unkundigen" Herrn Gemahls zu Thcil geworden, kann man sich leichtkch vorsteüen. *) Betty. Svtzodttia. i. Synode« und Concilien B. Wenn sich römische »der jüdische Geistliche unter gewissen Bedingungen versammeln, so nennt man eine solche Versammlung im ersten Falle ein Concil, im zweiten eine Synode. Concilien hält man gewöhnlich in Rom ab, Synoden dagegen sind nicht so sehr an die Scholle geknüpft. Man beobachtet bei letzteren eine mehr oder weniger alphabettsche Reihenfolge: Augsburg, Braunschweig, Gaffel, und damit die Laiemält nicht so leicht dahinter kommt, daß die Beruser derselbe» noch am ABC laboriren, auch in Leipzig. Diese „Seestadt" ist auch schon deshalb wie keine andere zur Abhaltung von Synoden geeignet, weil Napoleon und die deutschen Buchhändler dort ihre größten Niederlagen haben, und weil es dann auf Rechnung des verhängmhvvllen Ottos kömmt, wenn der Ängsten Synode dott ein gleiches Schicksal widerfuhr. „Das kann Jedem einmal passiren," sagte ein Verbrecher tröstend zu sich selber, in dem Augenblick, als er das Schaffst bestieg. — Was nun die Zeit der Abhaltung betrifft, so steht sie mit dem Raum in umgekehttem Verhältniß. Während Concilien in den jüngsten Jahrhunderten an Rom gefesselt waren, so waren sie unabhängig von jeder Zeit. Man kann Concilien im Frühling, Sommer. Herbst und Winter berufen; Synoden dagegen hält man vorzugsweise in der Zeit zwischen den beiden jüdischen Nationalfasttagen. Es hat dies feine tiefen Ursachen. Zunächst geschieht es aus Pietätsrücksichten gegen den Propheten Jirmijahu, deffen „unzeitgemäße" Klagelieder die Synode zwar längst auf den Index gestellt hat, mit dem sie es aber doch nicht so ganz verderben möchte, sie bewahrheitet daher sein Wort: pa iruarn rvs-n b? onson. Aber es walten hier noch wichtigere Rücksichten ob, als bloße Couttoifie. Denn abgesehen davon, daß mau nach Psalm 119, V. 126, und der darauf bezüglichen Talmudsstelle: ni nn mirft ow jnprr mmn n«, eine bestimmte Zeit feftsetzen muß, wenn man Gottes Gesetz aufheben will, so ist auch noch Folgendes zu erwägen. Bei den Concilien ist vermeintlich der heilige Geist ohne Rücksicht auf die Jahreszeit immer da; nicht so bei den Synoden. Heilig sollten zwar die Männer der Synode sein, aber mit dem Geist siehrs sehr spärlich aus. Im Sommer macht das nun Nichts aus, aber im Winter, im kalten Winter! Wie wenige Grade braucht der Thermometer bei Leuten, die ohnedies unter Null stehen, zu fallen, und in den Köpf-, lein jener Rabbinerlein ist das Tröpflein Spiritus — eingefroren, sage eingefroren! Was dann anfangen? Daher hat die Weisheit dieser Weisen die Zeit chrer Orakelsprüche in den Hochsommer verlegt, und man befindet sich wohl dabei. Ja, die Vorsicht unserer Vorsichtigen

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