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Der Israelit · 1871-07-12 · Heft 28 (12.7.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Xll.Jahrgang. Beilage za Rr. 28 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gonlch. Aus „den Briefen aus Elsaß," die dem „Univ. Jsr." aus Soultz von Herr Isaak Bloch geschrieben werden, entnehmeu wir folgende Stelle: Der Friedensvertrag, durch welchen Elsaß und Lothringen an Deutschland abgetreten worden sind, hat für das elsässische Judenthum zahlreiche Folgen, deren Tragweite heute noch nicht zu berechnen find. Elsaß, ein von Gott gesegnetes Land, ist gewiß auch vom israelitischen Standpunkt aus ein Land von großer Zukunft, voller Mittel und Lebenskraft. Als es noch unter der Administration von Paris stand, hat es durch seinen glänzenden Schöpfungen gezeigt, was seine Energie und prattische Thätigkeit auszuführen im Stande sind.; Hoffen wir, daß es auch in seiner neuen Lage die Elemente der Größe und der religiösen Wohlfahrt, welche, in ihrer vollständigen Blüthe den tiefen Glauben der; alten Tage herbeiführen werden, sich zu erhalten weiß. ' Dom« inner ru*r bv sagte man geistreich von unsern unmittelbaren Vorfahren, und dieses belobende Wortspiel, ein Beweis von unstreitiger Strenggläubigkeit, muß für uns eine Ehre für die Vergangenheit und eine Verbind- J lichkeit für die Zukunft sein. r Ich will mich nicht über unangenehme Klagen verbreiten, aber man darf sich auch keinen Jllussionen hins geben; um die fast verschwundene Pietät und Achtung vor religiösen Dingen zu uns zurückzuführen, ist vieles d zu thun. Wo sind z. B. diese so zahlreichen Gemein- " den, in deren Mitte oft zehn Mitglieder den Titel x eines Rabbi und eben so viel den eines nnn hatten? b Wo sind diese ehrwürdigen und geachteten Männer, welche mit ihren Reichthümern die Wissenschaft und die Tugend pflegten? Wo sind diese ehemaligen Studien > und diese ruhrende Wohlthätigkeit und Liebe, welche vor , allen die Israeliten unseres Landes auszeichneten?! Diese gesegneten Zeiten wieder auf's Neue zu beleben, ^ist die edle und schöne Mission derjenigen unserer ein- /flußreichen Männer, die es nicht verschmähen, die Sache Der Religion in die Hand zu nehmen. Sie werden es kön- /nen, nicht durch Worte, aber durch Thaten, nicht durch f frühzeitige Improvisationen aber durch Gesetze und entsprechenden Institutionen. Die jetzigen Umstände erfordern eine neue Organisation unseres Cultus. Ein kräftiges Wirken in dieser Hinsicht bevor die Regierung den Impuls hierzu ergreift, wäre eine opportune und lobenswerthe That. Die Functionen der Consistorien, die Ausbildung unserer Rabbinen und Lehrer müssen geregelt und verbessett werden. Es find da Fragen zu studiren, auf die ich die Aufmerksamkeit des Publikums wenden möchte. (Die Redaction des „Univ. Jsr." glaubt, daß elsässische und lothringer Rabbinatscandidaten vor wie nach ihre Studien in Paris machen und die Gemeinden dieser Provinzen Rabbiner von dort engagiren könnten, ohne daß die deutsche Regierung sich dem entgegenstellen werde.) Frankreick. Paris. Das Judenthum beweint den Tod mehrerer seiner Kinder, welcher tapfer für die Befreiung von Paris und den Triumph des Gesetzes gekämpft haben. Außer dem Bataillonschef Cahen erwähnen wir den Artilleriekapitän Brandon, Schwager des Artillerie- Obersten Salvator. Brandon hatte fast in allen Schlachten mitgekämpft und war unversehrt aus denselben gekommen. Von Deutschland zurückgekommen, wo er Gefangener war, fand er in den Kämpfen gegen die Insurgenten seinen Tod. Die Gebäude, die der isr. Gemeinde gehören find von den brennenden Bomben der Insurgenten nicht erreicht worden und haben den Besuch der Petroleum- Brandstifter nicht erhalten. Die Insurgenten hatten lblos von der neuen Synagoge in der Victoirefttaße Befitz genommen. Die Synagogen waren während des Wochenfestes geschlossen, da in verschiedenen Stadtvierteln noch ein wahrer Kugelregen war. Herr Charles Monteaux hatte den lobenswetthen und ftommen Gedanken, in seinem Hause viü zu machen. Die Anwesenden sprachen den Segensspruch >aun. Den folgenden Samstag hat man für die Seelenruhe der bei den jüngsten Kämpfen gefallenen isr. Soldaten gebetet. In der verhängnißvollen und so schrecklichen Woche vom 22. zum 28. Mai hat Gott, gelobt sei Er? unsere Gemeinde, welche wenig gelitten hat, geschützt. (Univ. Jsr.) Feuilleton. Schlechte Keschäfte. Von einem Wohlthätigkeitsverein in New-Aork erhalten die bedürftigen Glaubensgenoffen nicht allein das

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