Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1871)
- Date
- 1871-07-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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5£L ging noch weiter. In einer der früheren Synoden hat nämlich ein Mitglied den ganz unmaßgeblichen Antrag gestellt, daß alle Verhandlungen mit entblößtem Haupte geführt werden sollten. In einem leichten Anfälle von Rücksichten gegen das jüdische Religionsgesetz wies er nach, daß sein Antrag mit jenem nicht im Entferntesten collidire. Das Verbot von ’oa könne sich doch jedenfalls nur auf solche Individuen beziehen, die so glücklich wären, einen Kopf zu besitzen, was man doch der großen Mehrzahl der Synodenmitglieder nicht gerade nachsagen könne. Die wenigen Ausnahmen wären dann m-o und wenn auch pv nicht wäre, so würde doch jedenfalls ein Vd gewiß, wie jene vvsi -ay. Auf solche Argumente war Niemand vorbereitet. Niemand konnte sie daher widerlegen und Niemand wagte ihnen entgegenzutreten, obwohl jeder wußte, daß falls der Antrag durchginge, ein rauher Luftzug die ganze heilige Versammlung illusorisch machen könnte. Da erhob sich chrfurchtgebietend einer der Weisen und zerhieb, Philipp's Sohn Alexander gleich, den gordischen Knoten mit dem physischen Spruche: Wie dem auch sei, meine Herren, man darf sich keme Blöße geben. Der Antragsteller nahm daraufhin seinen Antrag zurück, da er selber einsah, daß man sonst zu leicht dahinter kommen könne, wie wenig gute taare an seinen Herrrn Collegen wären. — Solche kleine eibereien sind einer Synode nicht unwürdig, man soll sich ja auch auf dem vergangenen Concil ganz unzweideutig die Meinung gesagt haben. Die Synode hat übrigens vor dem Concile Manches voraus. Was zunächst die Thätigkeit des Fluchens bettisst, so hat dies nur im passiven Sinne auf sie Anwendung. Sie flucht nie, sowenig als Bileam je fluchte, sie kleidet Alles in Form von Segenssprüchen. Aber dagegen verhängt sie nöthigenfalls über ihre Untergebenen Strafen, gegen welche Kirchenbann, Excomunicirung und wie jene Schrauben des Gewissens alle heißen, wie Spielerei aussehen. Wir nennen nur eines dieser Folterwerkzeuge, allerdings das Schrecklichste, und daher hinreichend um die Grausamkeit des Strafverfahrens richtig zu würdigen. Wer, so lautet ein Canon, an der Göttlichkeit der Synode oder ihrer Mitglieder zweifeln sollte, wenn er auch diesem Zweifel keinen praktischen Einfluß auf seine Lebensweise gestattet, der — man erschrecke nicht, es folgt keine anathema sit, es folgt etwas anscheinend viel weniger Schlimmes — der ist verpflichtet die Allgemeine Zeitung des Judenthnms so lange m lesen bis er seine ketzerische Gesinnung geändert und reuig in den Schooß der Synode zurückgekehrt ist. Gestatten Sie mir eine kurze Beschreibung dieses Torturverfahrens. Genanntes Folterwerkzeug hqt etwas einem Schornsteine AehnlicheS und diente seinem Verfertiger ursprünglich zur Selöstberäuchernng. Nachdem diese Räucherung vollendet war, spie genannte Maschine Feuer und Flamme gegen Alles, was nicht sie selbst war. Doch ist sie in dieser Eigenschaft weniger gefährlich als man glauben sollte. Schlimmer dagegen verfährt sie mit denjenigen Opfern, die durch den sogenannten Wangenkrampf befttaft werden. Genannte Zeitung hat nämlich die Eigenschaft, daß Alle, die sie in die Hand nehmen, plötzlich wie aus Commando zu gähnen anfangen, und es unwillkürlich so lange und so heftig fortsetzen, daß langjährige Leser gewöhnlich am Wangenkrampf leiden. Allerdings eignet sie sich durch diese Eigenschaft bei mäßigem Gebrauch auch sehr gut für Leute, die an Schlaflosigkeit leiden, und ist daher in vielen Apotheken statt des Opiums eingeführt. Solche kleine VortheÄe fallen jedoch in Vergleich zu den erwähnten Grausamkeiten sehr leicht in die Wagschaale. und eine Synode, die doch einmal auf dem heiligen Boden der Reform steht, sollte sich keiner Werkzeuge bedienen, die eher der Inquisition würdig wären. Doch mit der Zeit, mit der man Rosen pflückt, und mit welcher Synoden selbst alterschwach werden, wird schon Alles besser werden, und mit diesem ftommen Wunsche, wollen wir unsere heutige Epistel schließen. ANZEIGEN. C£sie beiden Theile meines Werkes über nonn sind bei mir, Berlin, neue Friedrichsstt. Nr. 33, ä 10 Sgr., zu haben. Bei einer Bestellung von mindestens 10 Exemplaren bettägt der Preis pro Exemplar nur Vio Sgr. * Oscar Lipschütz, Cand, phil. et theoL fCin junger Mann, welcher 3 Jahre in einem Tuch- und Manufacturwaaren-Geschäft «n gras in Frankfurt a. M. thäsig war und schon gereift hat, sucht Placement. OeM. Offerten richte man^snd A. B. 88 poste reet. Frankfurt a. M. Commis Gesuch. Für ein Modewaaren - Geschäft en groß, welches Samstags und Feiertage geschloffen, ist eine CvBptcür- und Reise-Stelle zu besetzen. Daraus Reflecttende wpllen gefall, ihre Offerten unter H. 887 an die Expär. d. Bl. einsenden. (\n ein Kleidermagazin und Manusactnrwaarenband- \j lung, wo Samstags und Feiertage streng geschlossen, wird zum sofortigen Eintritt ein Mädchen in die Lehre ÄFranco-Offerten unter J. K. Nr. 928 besorgt ed. d. Bl.