Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1871)
- Date
- 1871-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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die Zahl der Lehrstunden, welche denselben geweiht werden sollen. Dem von der „Alliance" ernannten Direktor ist nur das Recht der Stundeneintheilung Vorbehalten, während inländische Chachamim mit dem hebräischen Unterrichte betraut sind. Wird daher in irgend einer orientalischen Schule der hebräische Theil vernachlässigt, so tragen die Gemeinden die Schuld daran, nicht aber die von Europa dorthin gesandten Lehrer. Jndeh ist Herr Marx doch nicht passiv geblieben, sondern hat den Religionsunterricht bedeutend gehoben, wie mir vor einem Jahre von zwei der berühmtesten Rabbinen Bagdads versichert wurde. Es bedurfte jedoch bei mir dieser Mittheilung nicht, da ich schon früher in Herrn Marx, dem gegenwärtigen Titular der B- Schule, einen streng religiösen Mann kennen gelernt hatte, bei dem man auf die Förderung der religiösen Wissenschaft hoffen durste. Ich erwarte von Ihrer strengen Wahrheitsliebe und unbestechlichen Unparteilichkeit, daß Sie diesen Aufklärungen die Spalten Ihres verbreiteten Blattes öffnen, und verbleibe mit dem Ausdrucke vollster Hochachtung Ihr ganz ergebener S. D. Weiskopf, ancien professeur au Service de T Alliance. Aus Schwaben, im Juli. Die Sorge um den verwaisten Sohn eines meiner früheren Jugendfreunde führte mich vor Kurzem nach Fürth, wo derselbe indem israel. Waisenhaise untergebracht ist. Die liebenswürdige Aufnahme, welche mir der Vorstand dieser Anstalt, Herr vr. Königshöfer, bereitet hat, vor Allem aber die tiefgehende zärtlich Liebe, womit derselbe im Vereine mit seiner jugendlichen biederen Gattin den unglücklichen Waisen den Verlust der Eltern ersetzt, verpflichten mich, die Aufmerksamkeit meiner Glaubensgenossen auf die Fürther jüdische Waiseuschule zu lenken, die unter der umsichtigen und intelligenten Leitung des genannten Vr. K. eine wahre Zierde der dorttgen Cultusgemeinde sowie der bayerischen Judenheit geworden ist. Von der Gastfreundschaft des Herrn Dr. K. gefesselt, verblieb ich mehrere Tage in dessen angenehmer Umgebung, und hatte so Gelegenheit, öfters dem Unterricht beizuwohnen, wobei ich die erstaunlichsten Fortschritte in allen Gegenständen des umfassenden Schulprogramms seitens der jungen Zöglinge conftatiren konnte. Einen besonders wohlthuenden Eindruck auf das Auge gewähren die zierlichen Handschriften und Zeichnungen der Kleinen, von denen mancher ein gewiffes Talent verrreth. Solche Erfolge konnten nur erzielt werden durch eine ebenso sorgfältige wie gediegen wissenschaftliche Leitung, wie sie der männliche Sinn des Directors handhabt. Das gesunde ftische Aussehen der Zöglinge, deren froher Wille zum Arbeiten überzeugten mich, daß Herr vr. Königshöfer seine Thätigkeit nicht auf das Lehren einer Summe gewisser Kenntnisse und die matierielle Pflege beschränkt, sondern seinen Beruf als Waisenvater auf das Hochherzigste aufgefaßt habe, indem er aus allen Kräften strebt, das Herz und den Geist der vom Schicksal so hart Betroffenen zum Wahren, Guten und Nützlichen heranzubilden. Es herrscht in diesem Institute nicht jener militärische Geist, welcher des Knaben Gefühle und Empfindungen von Jugend auf nach einer schablonensörmigen tausordnung und Disciplin regelt, vielmehr der sanfte on eines Vaters seinen Kindern gegenüber. Und in Wahrheit haben die Waisenkinder in dem Königshöfer'schen Ehepaare ihre Eltern wiedergefunden. Dank der vortrefflichen Führung ist nun auch diese mildthätige Anstalt zu einer ungeahnten Bedeutung gediehen; die Spenden und Vermächtnisse für dieselbe fließen so reichlich, daß seit dem Eintritte des Herrn vr. K. die Zahl der Armen, welchen dort ein Asyl geboten wird, auf das Zweifache gestiegen ist. An diesem segensreichen Aufschwung hat auch die löbliche Administration der Waisenschule ihren gerechten Antheil. In uneigennützigster Weise fördern die Verwaltungsmitglieder das Interesse der Anstalt, und müssen wir ihnen besonders erkenntlich sein, daß sie durch die Wahl des Herrn vr. Königshöfer zum Director eu neu Mann an die Spitze des Waisenhauses gestellt haben, welcher dasselbe in kurzer Zeit in religiöser, moralischer wie intellektueller Beziehung zur Muster-Anstalt erhoben hat. Mögen diese Zeilen dazu dienen, die Sympachien meiner Religionsgenoffen einer Institution zuzuwenden, welche durch ihren Zweck und ihre Leistungen gewiß eine der hervorragendsten israelitischen Anstalten Bayerns genannt werden darf. Aus Schwaben, im Juni 1871. B. D. Aus BZefiphale« In der Nacht vom 24. auf den 25. Juni wurde in der Synagoge zu Wenden, Kreis Iserlohn, ein gewaltsamer Einbruch verübt, der glücklicher Weise für den oder die Langfinger als ein nicht sehr lohnender bezeichnet werden kann. Denn während die eigentlichen Werthsachen unberührt liegen blieben, hatten die Diebe es nur auf die in der Synagoge angebrachte Armenbüchse abgesehen. Diese wurde mit ihrem Inhalte von den Sttolchen entfühtt. Da aber noch in den letzten Tagen eine Ausschüttung stattgefunden hatte, so kann der Bettag des Inhaltes nicht sehr hoch gewesen sein. Hoffen wir, daß die Schuldigen dem strafenden Arme der Gerechtigkeit nicht entgchen werden.—In Bezug