Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-07-12 · Heft 28 (12.7.1871) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447527--09527-2465252
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

535 lauf die Rabbiner-Vacanz von Weftphalen — dieselbe ist »eit dem Hingange des Oberrabbiners Sutro yV'T, latfo schon circa 1% Jahre, erledigt — ist es uns er- Ifteulich, die Mittheilung machen zu können, daß eine Inicht kleine Anzahl von den Israeliten Westphalens, die Iman in Wahrheit noch anao omm nennen kann, endlich einsieht, daß es so nicht lange mehr bleiben, daß leine der größten Provinzen Preußens, mit starker jüdischer Bevölkerung pns» pi rp“p p, für die Dauer ei- , Ines Rabbiners nicht entbehren kann. In diesem Sinne! werden auch hin und wieder vereinzelte Stimmen laut.! Wir sagen vereinzelt; denn gerade die kleineren Gemein-! | beu sind es, welche das Bedürsniß nach einer baldigen! Wiederbesetzung des in Rede stehenden Postens fühlen, während größere nPvip, wie Münster, Dortmund, Minden , Paderborn u. m. a., welche doch eigentlich die Initiative zu ergreifen die Pflicht hätten, in beregter Angelegenheit in ein unverzeihliches Schweigen sich hüllen. Gebe Gott, daß ich Ihnen in dieser Angelegenheit recht bald Erfreuliches mitzutheilen im Stande sein werde. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Königsberg 3. Juli. Unser berühmter Glaubensgenosse Dr. Joh. Jacoby war Monate lang schwer an einer Lungenentzündung erkrankt und schwebte somit irr großer Lebensgefahr. Die Theilnahme für ihn war, wie sich leicht denken läßt, eine ganz allgemeine, insbesondere aber haben unsere Frommen sowohl aus Rußland wie aus der hiesigen Gemeinde täglich in ihren Synagogen für die Wiederherstellung seiner Gesundheit inbrünstig gebetet, weil sie in ihm den uneigennützigen Arzt, den liebevollen Menschen und vor Allem den warmen Vertheidlger ihrer bedrohten Gewissensfreiheit hochschätzen und verehren. Und siehe da, Gott hat ihre Gebete erhört — der Kranke ist genesen und hat sich jetzt ur Nachkur in ein süddeutsches Bad begeben. Beiläufig ei hier noch erwähnt, daß der größte christliche Judenfreund Königsbergs, der nicht minder berühmte freievangelische Prediger Dr. I. Rupp, welcher ganz erblindet war, kürzlich eine Augenoperation glücklich überstanden hat und zur Kräftigung seiner Sehorgane nun ebenfalls auf's Land gezogen ist. Beide große Männer, wahre Zierden der Stadt und Provinz, mächtige Stützen des Volkes Israel (mit welchen genau befreundet zu fein, Schreiber dieses so glücklich ist), werden also hoffentlich bald ihrer edlen Wirksamkeit wiedergegeben sein. U'oam 3io.-, 1,33. — Das Dank- und Friedensfest feierte die hiesige Gemeinde diesmal nach erfolgter amtlicher Aufforderung dazu, während sie sonst die religiösen Staatsfeste ohne officielle Benachrichtigung freiwillig zu begehen pflegte. Dagegen sind die nicht corporirten christlichen Religionsgesellschaften unserer Freievangelischen, Zwinglianer, Baptisten und Mennoniten, obgleich die Mitglieder aller dieser Secten gleichmäßig mit den übrigen Staatsbürgern am Nationalkampfe gegen Frankreich Theil genommen haben, auch nicht zur Klrchenfeier des verfloffenen 18. Juni von der Behörde veranlaßt worden. - Aus der hiesigen Orgel-Synagoge sind nunmchr an 70 Mitglieder mit ihren Familien ausgeschieden und bilden eine eigene Gemeinde mit besonderem Gottesdienste nach altehrwürdigem Ritus. Es befinden sich darunter angesehene Kaufleute, Fabrikanten, Rentiers und Gelehrte. Die Anzahl der Opposition gegen die Einführung des unjüdischen Instruments ist aber wenigstens noch zweimal so stark, nur sind nicht alle freigesinnten Gegner im Stande, die doppelten Cultusbeiträge zu erschwingen, Erst mit der Aufhebung des bestehenden Gesetzes von 1847. daß die Autonomie der Gemeinden aus die Vorstände derselben übertragen hat, wird völlige Religions- und Gewissensfreiheit hergestellt sein und sich auch die Mitgliederzahl der neuen hiesigen Synagogengemeinde vermehren können. Unter den bereits Ausgetretenen befinden sich zwei mit Kindern reich gesegnete Cuttusbeamte, welche ihrer Ueberzeugungstreue bedeutende Opfer gebracht haben. Dr. I. Jacoby warnte privatim den Vorstand nachdrücklich davor, in die alte Synagoge eine Orgel einzuführen und die Orthodoxen somit zum Austritt zu zwingen — aber vergebens; erbeschwor denselben, wenigstens eine Generalversammlung einzuberufen, welche die Orgelfrage erst discutiren soll — umsonst , die paar Repräsentanten entschieden sie mit — einer Stimme Majorität. — Von den hier beim Ausbruch des Krieges gegen Frankreich zu den Fahnen eingezogenen jungen Israeliten sind einige zu Offizieren avancirt, andere mit dem eisernen Kreuze decorirt und zwei den Heldentod fürs Vaterland gestorben, darunter Schiffsbaumeister Heinrich Pollak, der (ein naher Anverwandter des Briefschreibers) nach mehrmaliger Umsegelung um die Welt im mörderischen Gefechte bei Le Bourget siel. l Ein Neffe desselben Briefstellers, Kaufmann Julius Ruhm aus Tiegenhof bei Elbing, hat ebenfalls für bewiesene Bravour den Orden des eisernen Kreuzes erhalten. M. Almoni. Italien. Florenz. Ein schreckliches Complott wurde gegen Herrn Momole Mortara, Vater des berühmten Edgard Mottara, angezettelt. Obgleich derselbe seit längerer Zeit krank und das Bett zu hüten gezwungen ist, wurde er mit einem feiner Freunde in's Gesängniß abgesührt und zwar unter der Anklage, daß er in einem Zornansalle seine Bonne Rosa Tagnazzi (die Magd, welche den jungen Mortara Heimlich taufen ließ) getödtet habe. Die Zeitung «Dell' Emilia“ ist überzeugt , daß dies nur eine schändliche Verleumdung ist, und sie fürchtet, daß man den Vater Edgards Mottara verschwinden laffen will, um jede Verbindung mit seinem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.