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Der Israelit · 1871-07-12 · Heft 28 (12.7.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wochen in unserer Mitte weilt, verließ uns vor 25 Jahren, um sich jenseits des Oceans eine neue Heimath zu gründen, die er auch im wahren Sinne des Wortes m Philadelphia gefunden. Auch hier in Mainz bekleidete derselbe die Stelle eines Cantors. Begabt mit einer herrlichen Stimme, war er auch als Gesellschafter, als Hausfreund stets der Liebling -Aller. ' Diese Liebe und Freundschaft wird ihm nun nach einer 26jährigen Abwesenheit in reichem Maße entgegengettagen, und wer es mit angesehen hat, wie sich am ersten Freitag- Abende seines Hierseins in der Synagoge der Religions- Gesellschaft seine alten Freunde zu ihm drängten, um ihn wieder zu begrüßen und einen Händedruck von ihm zu erhaschen, der konnte sich überzeugen, daß Herr Frankel auch heute noch von seiner ehemaligen Gemeinde in hohem Grade geliebt und geehrt wird. Möge es demselben vergönnt sein, noch viele Jahre des Wohlergehens und des Frohsinns zu genießen. Darmftadt. Der in diesen geschätzten Blättern rühmlichst erwähnte Lieutenant Neustadt von hier ist mit dem hessischen Militärverdienstkreuz, der Hofbanqnier Moritz Wolfs kehl anläßlich des 50jährigen Militärjubiläums Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs mit dem Philippsorden, Comthurkreuz 2. Cl., decorirt worden. Allgemeines Erstaunen uub Befremden hat es hier ewgt, daß auch kein Stäubchen von dem Platzregen des neugestifteten Verdienstordens für hervorragende Thätigkeit auf dem Gebiete der Krankenpflege auf die vielen hiesigen Israeliten herniedergefallen ist, die hinter ihren christlichen Mitbürgern während des ganzen, nunmehr glücklich beendeten Krieges an Werktätiger Hilfe wahrlich nicht zurückgeblieben sind. Die Schuld hiervon liegt selbstverständlich nicht an Allerhöchster Stelle, da man dort, im vollen Vertrauen aus den Vorstand des Hilfsvereins, nur die in dem von demselben eingeforderten Berichte bezeichneten Personen der Berücksichtigung Werth erachtet hat. Mögen sich unsere hiesigen Glaubensgenossen mit dem Bewußtsein, ihre Pflicht gethan zu haben, und mit dem wackeren Turnersanitätscorps zu trösten suchen, dessen treffliche Leistungen größtentheils durch die Decorirung solcher Mitglieder belohnt wurde, die erwiesenermaßen nur wenig oder gar nichts geleistet haben, während gerade die fleißigsten, aber nicht aus der hohen Beamtenwelt rc. stammenden, übergangen worden sind, ms ruttn nsw; „wer den Feigenbaum gewartet, wird doch seine Früchte genießen". Worms, im Juli. Frau Bertha Dosenheim von hier wurde von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog mit dem Sanitätskreuz decorirt. Wenn irgend Jemand dieses Ehrenzeichen mit vollem Recht verdient, so ist es Frau Dosenheim. Nicht eitles Hervorthun oder sich wichtigmachende Zudringlichkeit hat dieselbe an den Ort der Hilfeleistung gerufen; ihr echt weibliches Gemüth hat es ihr znm wahrhaften Bedürfniß gemacht, den kranken und leidenden Soldaten hilfreich beizüftehen, und weder der Sonne heiße Strahlen noch des Winkers eisige Kälte hat sie hiervon zurückzuhalten vermocht; sie eilte tagtäglich, oft bis in die späte Nacht, an Ort und Stelle, Trost und Linderung zu spenden. Ehre dieser Frau! Mit ihrem Streben hat sie die echte jüdische Weiblichkeit documentirt. M. M. Gailingen (Baden), den 30. Juni. In Nr. 26 des „Israelit" wird von der Wahl eines Israeliten zum Bürgermeister berichtet. Auch hier in einem etwa 2400 Seelen zählenden Orte wirkt ein Israelit (Herr Guggenheim) schon */4 Jahr als Bürgermeister zur'allgemeinen Zuftiedenheit. B. Watterftein, den 26. Juni. Im Interesse der Wahrheit ersuche ich Sie um die Veröffentlichnng folgender Zeilen: In Nr. 25 des „Israelit" findet sich ein Bericht des Central - Comite's der „Alliance" über die an der Bagdader Schule stattgehabte Prüfung, und knüpfte die löbliche Redaction daran den Ausdruck ihres Erstaunens ob der Nichterwähnung der hebräischen Lehrgegenstände im Schulprogramme. Da diese Bemerkung leicht zu der Meinung führen könnte, als würde in der französischen Anstalt zu Bagdad Hebräisch gar nicht oder nur sehr spärlich gelehrt, so erlaubt sich der Unterzeichnete, Ihre welchen Leser mit den Gründen bekannt zu machen, aus welchen in genanntem Berichte von den speciflsch jüdischen Disciplinen nicht gesprochen wurde. Die Prüfungen in den Schulen der „Alliance" werden gewöhlich in Gegenwart der Orts-und Consular- Autoritäten sowie sonstigen Honorationen abgehalten, welche natürlich nur dem Examen aus den sogenannten profanen Unterrichtsfächern beiwohnen. Jüdische oder vielmehr hebräische Examina leiten die Chachamim, welche dazu die israel. Notablen berufen. Die über allgemeine Prüfungen einlaufenden Berichte werden meistens von den Consuln — also Nichtjuden — an das Haupt-Comite in Paris geschickt, und ist es selbstverständlich, daß diese Herren nur an den Fortschritten in modernem Wissen Interesse nehmen, und daher auch einzig die Ergebnisse auf diesem Gebiete constatiren. Aus diesen Ursachen wurde der hebräische Unterricht in dem jüngsten Berichte über die Bagdader Schule nicht erwähnt. Im Allgemeinen ist es Aufgabe der betreffenden Gemeinden, beziehungsweise Local - Comitv n, für den hebräischen Unterricht Sorge zu tragen. Denselben obliegt es, die verschiedenen hebr. Lehrfächer zu bestimmen, welche in das Schulprogramm ausgenommen, sowie über

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