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Der Israelit · 1871-07-05 · Heft 27 (5.7.1871) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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welcher übrigens weiter nicht als ein Project, das schon lange vorbereitet war, in Ausführung brachte. Eine reaktionäre Partei wollte sich an Herrn Cremieux, der damals Justizminister war, rachen: sie gründeten ein Journal „la Yerite algerienne,“ welches zum Organ ihrer Angriffe beftimntt wurde; ein neues Blatt „la Solidarite“ hat unsere Vettheidigung übernommen. , Die allgemeine Erhebung der Araber, welche ganz andere Ursachen als unsere Naturalisation hatte, hat gezeigt, wie ungerechtfettigt diese Angriffe sind. Diese so unwürdigen Juden, um mit unfern Feinden zu sprechen, diese Feiglinge, die jetzt Franzose sind, hatte sich in die ersten Reihen der Vertheidiger der Colonie gestellt. Die jungen Leute haben nicht gewattet, bis man sie zur Mobilgarde rief; die älteren Leute erfüllten als Nationalgardisten würdig neben ihren Mitbürgern ihre Pflicht. (Arch. Jsr.) K e « i I I t t 9 «. Eduard Lasker Die Nr. 37 der Zeitschrift „Ueber Land und Meer" veröffentlicht eine Schilderung unseres ob seiner gesetzgeberischen Thätigkeit berühmten, in der Ueberschrift genannten Glaubensgenossen, die wir hier folgen lassen: „Mehr als Treitschke hat Laster ein Recht, sich den wirklichen Führern der nationalliberalen Partei beizuzahlen, ja es ist anzunehmen, daß er sich zum einzigen Leiter jener einflußreichen politischen Strömung leicht hätte aufschwingen können, wenn er von der Natur mit imponirenderer Statur, von Erziehung mit instinktiverem Tattgefühl ausgeftattet worden wäre. So muß sich Eduard Lasker damit begnügen, einer der wichtigsten, vielleicht der wichtigste Abgeordnete nicht nur feiner Partei, sondern des gefammten Reichstags zu sein, als chn Mann. dessen Wissen immens, dessen Arbeitskraft anerschöpftich, dessen Logik stets schlagfertig und dessen Begabung unermüdlich ist. Dicht unter den Tischen des Bundesraches. oben an der Ecke der ersten Bank, die sich vom Centrum nach links abhebt, hat das kleine bewegliche Männchen mit dem unansehnlichen Körper seinen Sitz, gerade in der Augenrichtung des Präsidenten, damit dieser den stets Sprung-, Rede- und Argumentefertigen immer im Auge har, wenn er sich zum Worte meldet. Lasker folgt dem rednerischen Gegner mit anscheinend gleichgiltiger Miene. Den Kopf nachlässig hintenübergelegt, die Hände in den Beinkleidtaschen, von Zeit zu Zeit wie von electrischen Schauern durchzittert, hött er die Ausführungen, die ihm aus den Reihen seiner intimsten Feinde, der Konservativen, oft nicht ohne persönliche bissige Malice ins Gesicht geschleudert werden. Da mir einem Male leuchtet des Angegriffenen Antlitz auf, über seine Züge fliegt es wie ein triumphirendes Lächeln, die mächtigen Nüstern schwellen an und zittern, die Lippen bewegen sich konvulsivisch; die halbliegende Gestalt richtet sich empor, die unftät blitzenden Augen zum Präsidenten gewandt, der ihr Blicken sofort versieht und den Aufregungsvollen zum Wort notitt, und nun wieder kehrt brütende Ruhe auf das bewegte Antlitz zurück. Lasker hat die Achillesferse des Gegners gefunden und erfaßt, er wird unbarmherzig mit ihm umspringen, ihn dreifach am Rost braten und schmoren, ihn mit seiner oetteufelten Dialektik um und um wenden, seinen ätzenden Sarkasmus aus vollen Kübeln über ihn ausschütten, ihn mit ftrenggeschloffener Logik keinen Ausweg aus dem Netze lassen, das er über ihn geworfen, und nicht wieder ruhen, bis der also Gebändigte sich auf Gnade und Ungnade ergibt und mit dem Triumphe auch die Sühne unbestritten erscheint. So ist Eduard Lasker, der jahrelang den Ruhmestitel des ältesten unbesoldeten Assessors im preußischen Staate geführt, der in ehrenvollster Weise die Mißgunst trug, die auf ihm ruhte, und die Armuth, d ie ihr Gefolge war, der bei all' seinen reichen Gaben trotz der Versuchungen, die ihm sicher nimmer gefehlt, ein „vir integer“ in des Wortes ganzem Sinne gewesen, und der, um überhaupt zur Geltung zu kommen, in seiner naiven Weltunken ntniß gewissermaßen erst eines Kornaks bedurfte, der ihn dem Publikum vorführte. Er fand diesen Führer auf seinem Lebenswege in der Person seines liebenswürdigen und einsichtigen Patteigenoffen Dr H. B. Oppenheim, der ihn durch die von chm redigitten „Deutschen Jahrbücher" der politischen Welt accredititte, indenl er dies Organ den Lasker'schen Ideen öffnete und so die ganze Bedeutung des Mannes zuerst der damaligen Fortschrittspanei offenbarte, deren Interessen die „Jahrbücher" dienten. Damals herrschte in jener Partei noch ein Zustand paradiesischer Unschuld, wenn ich mich so ausdrücken darf. Man hatte noch nicht vom Baum der politischen Erkenntniß gekostet. Niemand wußte, was „gut", was „böse", was „rechts" uud „links" innerhalb der Patteisphäre zu bedeuten habe. Da kamen nach den Jahren des Konflikts mit der Regierung die Tage der Indemnität! Und nun war es Lasker vor Allen, der, im engsten Verein mit dem Heimgegangenen Tweften, muchvoll das unrealistische Schmollen und gesetzgeberische Striken eiuftellte, um sich voll und ganz der errungenen Resultate zu freuen, sich der neugeschaffenen Lage mit ihren nationalen Problemen hinzugeben. Das geschah aber mit einem Aufwand von Schärfe und einer Fülle von Wärrne, mit einer Entschiedenheit und Charatterftärke,

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