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Der Israelit · 1871-07-05 · Heft 27 (5.7.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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520 her in der Tendenz der monarchisch Daoidschen Partei, Schilo znr Bedeutungslosigkeit hrrabzudrücken, wie die Propheten stets Gegner der Daoidschen Richtung waren. „Daher darf es nicht Wunder nehmen, wenn urplötzlich mit dem Auftreten Davids die Bedeutung von Schilo verschwindet." Hingegen haben wir zn bemerken! 1) Es ist eine plumpe Lüge, die mail nur einem Leichtgläubigen vorschwatzen kann, daß Schilo mit dem Auftreten Davids bedeutungslos wurde. Es war vielmehr schon während der Rrchterzeit Samuels, des Propheten oder des Schiloniten, wie es dem Verfasser beliebt, die Bundeslade und der Cnltns nicht mehr zu Schilo (1 Sam. 7, 1 ss.) Nach dem Zeugnisse Jeremias (Cap. X, 12 Cap. XXVII, 6) ist es gewiß, daß nach der unglücklichen Schlacht, in welcher die Bundeslade gefangen wurde, auch Schilo von den Philistern zerstört wurde. 2) Ebenso unwahr ist es, daß David ein Gegner der Propheten war. Die ganze Geschichte Davids erzählt vielmehr, daß dieser König, wie keiner vor ihm, das Prophetenthum und die Prophetenschulen gefördert, ja daß er selbst ein Prophet war <2 Sam. XXIII, 1 ff.) 3) Am meisten muß aber jeden in Erstaunen setzen die lügenhafte Behauptung, daß die Propheten Feinde des Daoidschen Königthums waren. Männer, deren Ideal die messianische Zeit, in der ein König wie David und ein Sprößling Davids auf dem Throne fitzen wird, Männer, die in ihren Schriften vorzüglich das beklagen, daß die Könige nicht in den Wegen Davids wandeln, sollen Feinde res Daoidschen Königthums fein? Selbst Achija aus Schilo, der „Jerobeam direct zur Rebellion auffordert", spricht in dieser „Austorderung" zu Jerobeam: Er solle nur in den Wegen Davids wandeln, (I Kon. XI, 38).... Ein Stamm wird ihm (Rehabiam) um meines Dieners Davids willen (das. V. 32). Aber dieser Eimvnrf, dem der Vers, nur durch lügenhafte Behauptungen ,;u begegnen weiß, ist nicht der einzige, der vorgebracht werden kann: es gibt deren noch mehr, an die der Vers, nicht gedacht hat und von denen jeder einzelne schon genügen könnte, einen Verständigen von seiner Ansicht abzubringen. Wir wollen hier einige die uns gerade in den Sinn kommen, anführen. 1) Die Hanptcultnsstätte zur Zeit Davids und zu Anfang der Negierungszeit Salomo s, die Stadt Gibeon (1. Kön. HI 4), kommt in den Erzählungen von Abraham gar nicht vor; dagegen kommen Orte vor, die für jene Zeit gar keine Bedeutung haben oder überhaupt ganz bedeutungslos sind, wie Sichern. Bethel, Aj, Beer. Scheba, Choba u. dgl. 2) Gerade die Völker, mit denen David und Salomo in Freundschaft und Bundesgenossenschaft lebten, nämlich Tyrus und Hemath, werden in der Geschichte Abrahams gar nicht genannt: dagegen steht Abraham in Beziehung zu den Vorfahren solcher Völker, die entweder Feinde Israels oder mit denen Israel zur damaligen Zeit gar nicht in Berührung kam, wie Amon, Moab, Philister, Jsmael und die Söhne Ketura's. 3) Die Kriege des Buches Josua sind gewiß noch vor David ausgezeichnet worden. Dies beweist unwiderleglich Cap. XV Vers 63. „Den Jebnsi, den Bewohner Jerusalems konnten die Söhne Jehuda's nicht vertreiben und der Jebnsi blieb in Jerusalem bis auf den heutigen Tag". Zur Zeit des Schreibers dieser Geschichten hatte also David noch nicht Jerusalem erobert. Wir wetten nun nidjt ans Cap. XXIV, wo schon die ganze Geschichte von Abraham, Jfak und Jakob vorkommt, etwas beweisen, denn der Skeptiker könnte uns erwiedern, dieses Cap. sei ein späterer Zusatz: aber aus einen andern Punkt motten wir aufmerksam machen. In der ganzen Kriegsgeschichte werden immer nur sechs Völkerstämme genannt: Chrtti, Kenaani, Emori, Perisi, Chiwi und Jebnsi; dagegen ist von einem Girgaschi gar nicht die Rede. *) Dieser Stamm war also schon vor David ganz verschollen. Sei es nun, daß er ausgewandert, wie unsere Weifen annehmen, sei es, daß er noch vor der Ankunft der Israeliten in Palästina durch eilten Krieg mit den einheimischen Völkern gänzlich vernichtet wurde: jedenfalls ist die Erwähnung des Girgaschi in einer Erzählung von Abraham (1 M. XV 21) ein unwiderleglicher Beweis, daß diese älter ist, als die Zeit, in welcher das Andenken an diesen Volksftamm gänzlich erloschen, und die Geschichtschreiber seiner gar keine Erwähnung thun. Zeitungsnachrichten und Correspon- -errzerr Deutschland. Aus Bayern, 27. Juni. Das ultramontane Münchener „Vaterland" hat eine wichtige Entdeckung gemacht. Dieses Blatt, welches gar zu gerne eine mittelalterliche Judenhetze in Scene setzen möchte, benutzt das Schreckensgefpenft der „Internationale", um nachstehenden Artikel vom Stapel zu lassen: „An reichen Mitgliedern oder Freunden mangelt es der Internationale durchaus nicht: einzelne wie Ledru - Rollin, Cernuschi, Louis Blanc und eine Reihe jüd. Banquiers, die zu ihr gehören, sind Millionäre. Der Umstand, daß! von den Hunderten Häusern Rothschilds in Paris nicht j ein einziges verbrannt oder auch nur beschädigt wurde, i deutet daraus hin, daß dieser Hauptjude ans gutem Fuße [ mit der ehrenwerthen Gesellschaft stehen muß, sonst hat- I ten sie ihn sicher nicht verschont. Daß solche Leute *) vgl. Josua IX, 1 und XI 2 f.

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