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Der Israelit · 1871-07-05 · Heft 27 (5.7.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I; LILJahrgang. Erste Beilage zu Rr. 27 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer ZSericht. (Schluß.) Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und Jakob. Kritische Untersuchung von A. Bernstein, besprochen von vr. H—n. Der Verfasser, der in Allem, was von Abraham erzählt und nicht erzählt wird, eine Jehudäische oder Davidische Tendenz erblickt, sagt S. 20: Edom, der Isaak so nahe steht, bringt die jüdische Sage deßhalb zu Abraham in kein specielles Verhältniß, weil zwischen Juda und Edom Feindschaft herrschte. Warum aber steht Abraham zu Lot, dem Stammvater von Ammon und Moab, gegen welche doch David ebenfalls einen Vernichtungskrieg führte, in so fteundschaftlicher Beziehung? Das ist erst „ganz und gar Davidischer Tendenz," meint der Verfasser. Es war einer klugen Politik darum zu thun, die Sympathie dieser Völker zu gewinnen. Warum wird aber erzählt, Annnon und Moab seien in Blutschande erzeugt? Dies soll wieder eine Sage sein, die dem Nationalhaß ihre Entstehung verdankt. David fiihrte heftige Kriege gegen die Philister und demüthigte sie. Wie verträgt sich hiermit die Erzählung von den: ewigen Freundschaftsbündnisse zwischen Abraham und dem Philisterkönige? Ja, der Verfasser weiß sich zu helfen. Die Erzählung von dem Bündnisse mußte erdichtet werden, um die Jsaaksage zu überflügeln. Bei Edom aber war die Feindschaft so stark, daß mein nicht mehr im Stande war, in dem Punkte der Liebe Isaaks zu Edom, die Jsaaksage im Wettstreit zu überflügeln." Du wunderst dich gewiß, lieber Leser, über dieses tollhäuslerische Gedankengewebe; doch du sollst noch mehr hören. Weil Sichem und Bethel Juda feindlich sind, meint der Verfasser, lasse die Sage Abraham diese Städte nicht betreten. Daß er aber in der Nähe Altäre baut und den Namen Gottes anruft ist wieder eine echte Jehudäische Demonstration. Die Abrahamssage lasse den Abraham nicht einen Altar zu Beer-Scheba bauen, wie dies von Isaak erzählt wird, weil sie diesem Orte die Ehre nicht gönne. Aber, um der Jsaakiage doch Abbruch zu thun, erzählte die jndäische Sage, daß Abraham eine Tamariske — die ein heiliger Baum sein soll — in Beer-Scheba gepflanzt und den Namen Gottes daselbst angerufen habe. S. 26 behauptet der Verfasser : Tie Verehrer Davidscher Eroberungen haben das Grab Abrahams nach Hebron verlegt, um einen Vorwand zur Eroberung des ganzen Landes zu haben, als wenn David Palästina erobert hätte. Hebron war nach dem Verfasser „Sitz des jehudäischen Cultus auch zur Zeit, wo David bereits in Zion residirt." Um aber auch die neue Residenz Jerusalem zu verherrlichen, habe man die Sage erdichtet: Abraham, der Patriarch von Hebron habe dem König von Jerusalem den Zehnten gegeben. Die Cultusftätte müßte also demnach den Zehnten an die Residenz liefern! Doch genug des albernen Geschwätzes. Wir glauben das Vorgeführte genügt die Art und Weise zu illuftriren, wie der Verfasser den biblischen Erzählungen Tendenz unterschiebt. Doch wollen wir noch einer in dem vorliegenden Abschnitt ausgesprochenen Ansicht entgegentteten, weil sie durch die Resormrabbiner so populär geworden ist, daß sie schon den Weg in die jüdischen Schulbücher sich selbst gebahnt hat. Es ist dies die ganz verkehrte Ansicht, daß die Akedah den Zweck habe darzuthun, daß Gott die Menschenopfer verabscheue. Diese Ansicht ist eine Verdrehung des göttlichen Mortes und 7D77D kblv rmna d’jb n^ao. In der Thora wird ausdrücklich das von Abraham gepriesen, daß er seinen Sohn opfern wollte, nicht der Umstand, daß er ihn später nicht geopfett. Die Akedah will uns demnach lehren, daß wir auch bereit sein müssen, Gott Menschenopfer zu bringen, wenn er fie verlangte. Freilich verlangt Gott dies nicht; aber unter Umstände wird doch von Gott gefordert a-in*. Daß wir in solchen Fällen bereit sein sollen, dem Willen Gottes unser und unserer Kinder Leben zu opfern — das ist die große Lehre, welche die Akedah uns bietet. Es ist jedoch hier nicht der Ort diesen Gedanken weiter auszuführen. In dem nun folgenden -Abschnitte bringt der Verf. einen Cinwnrs, der so schwerwiegend , daß er allein geeignet ist, das ganze Hvpothesengebäude zu zertrümmern. Alle Entgegnungen des Verf. muß jeder Vernünftige für „müssige Ausreden" erklären. Der Verfasser ftagt nämlich sich selbst, warum denn der Haupt-Cultus- Ort Schila in den Erzählungen von Abraham gar nicht erwähnt wird. In der That läßt sich dies gar nicht denken, daß man diese Stadt, wo sich der jüdische Cultus nebst der Stistshütte mehrere Jahrhunderte befand, nicht in die Erzählungen von Pattiarchen ausgenommen hätte, wenn diese eine spätere Erdichtung wären. Was weiß nun der Verfasser ans diese Frage, die nach eigenem Geständniß „gegen seine bisherige Anschauung mannigfache Zweifel erregen könnte," zu antworten? Er behauptet: Schilo war der Sitz der Propheten, welche alle starre Republikaner und Demagogen waren: es lag da-

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