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Der Israelit · 1871-07-05 · Heft 27 (5.7.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Eine derartige Absage hat erst vor Kurzem die Synode von einer Seite erhalten, die beachtenswerth genug ist, um darauf hinzuweisen. Gleichzeitig mit der Synode ist der Gemeindetag entstanden, eine Versammlung von Abgeordneten der Gemeinden, die eine Vereinigung der letzteren zu administrativen, wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken erstreben soll. 'Dieses Unternchmen kann, wenn es auf rechte Bahnen geleitet wird, segensreich werden. Ursprünglich war beabsichtigt, der Gemeindetag sollte mit der Synode an gleichem Orte und zu gleicher Zeit tagen. Allein die Leiter des Gemeindetages erkannten alsbald, daß ihr Institut keine Zukunft habe, so lange es auch nur räumlich und zeitlich mit der Synode zusammengeht. Nicht nur, daß die orthodoxen Gemeinden fern blieben, auch die neologen hielten sich fern; sie wollten eine Sache, die der Einigkeit bedarf, die großartig angelegt sein milß, wenn sie gedeihen soll, nicht kompromittiren durch Solidarität mit der unbedeutenden, nur Zersplitterung und Spaltung hervorrufeuden Synode, überdies die Freiheit der israelitischen Gemeinde vor dem hierarchischen Streben der hochwürdigen Herren gewahrt wissen. So sagte sich denn der Gemeindetag von der Synode los und versichert unumwunden, daß er mit ihr und ihrem Streben nichts Gemeinsames habe. Diese indirekte Verurtheilung der Synode durch die Vertreter einer namhaften Anzahl von Gemeinden legt uns die Frage nahe, ob wohl die iroch etwas junge israelitische Gemeinde zu Augsburg sich nicht, wie dies seiner Zeit München gethan, etwas mehr hätte besinnen sollen, bevor sie der Synode ihre Gastfreundschaft aubot und sich zum Partisan deren Strebens machte. Man darf sich bei Beurteilung dieser Frage nicht von dem Umstande bestechen lassen, daß der Magistrat in Augsburg ein ausgezeichnetes städtisches Lokal der Synode zu ihren Sitzungen eingeräumt hat. Der Magistrat übte hiedurch einen Akt der Toleranz gegen die israelitischen Bürger der Stadt, nachdem er darum gebeten worden, und wir können dem unsere Anerkennung nicht versagen. Ein Urtheil über das Streben der. Synode wollte der Magistrat damit gewiß nicht aussprechen, da er schwerlich in der Lage war, die innere Seite dieser Angelegenheit zu prüfen. Anders liegt die Sache aus Seiten der israelitischen Gemeinde und ihres löblichen Vorstandes. Diese wissen recht wohl, daß sämmtliche israelitische Gemeinden Schwabens, aus denen die zu Augsburg erst seit Kurzem größtentheils bervorgegangen ist, dem Streben der Synode sich entschieden abwenden. Schon aus Rücksicht aus diese ihre Nachbar- und Muttergemeinden mußten die Israeliten Augsburgs Anstand nehmen, den Herd einer Agitation in ihre Mitte zu verlegen, die jenen ein Aergerniß bereitet. Sie mußte dieser Rücksicht Gehör schenken, selbst wenn es eine große Ehre wäre, die Synode zu beherbergen. Aber in Braunschweig, Breslau und Frankfurt dürste man sich's heute wohl nicht mehr zur Ehre anrechnen, einmal Sitz der Rabbinerversammlung gewesen zu sein, und aus mehr als einem Grunde werden sich dereinst kaum sieben Städte um den Ruhm streiten, daß in ihrer Mitte die Synode getagt hat,. geitungsnachvichten und donefpons denze«. Deutschland. Mainz, 28. Juni. Der „Univers Jsravlite" veröffentlicht unsere Ansprache an die Pariser Glaubensgenossen. Auch die „Revue Jsr.", die sich mit der „Presse Jsr." vereinigt hat und nach zehnmonatlicher Unterbrechung wieder erscheint, gibt eine Uebersetzung des erwähnten Artikels. Die Letztere knüpft daran einige Bemerkungen, die uns zu den nachfolgenden Gegenbemerkungen veranlassen. Wir haben jene Ansprache nicht deßhalb geschrieben, weil wir glaubten, daß die Pariser Glaubensgenossen sich in hervorragender Weise an den Gräueln der Commune bctheiligten, auch nicht deßhalb, weil wir die Pariser Israeliten für weniger religiös halten als diejenigen in andern, in deutschen Großstädten, in Wien oder Berlin, sondern lediglich deßhalb, weil wir der Ueberzeugung leben, daß die schrecklichen Ereignisse, die Paris in jüngster Zeit heimgesucht haben, geeignet sind, den Blick nach Innen zu wenden, auf die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit irdischer Güter aufmerksam und die echte, ernste jüdische Anschauungsweise geltend zu machen, die in den Ereignissen keine Zufälligkeiten , sondern die waltende Hand des allgütigen Vaters erblickt: *wx nx .iLi' p nx vxvi non ,w\ anx», „Wen Gott Hebt, den züchtigt Er, wie ein Vater, dek feinen Sohn züchtigen will." Mainz, 27. Juni. Sonntag, 24. d. M., hatten wir das Vergnügen, der Prüfung in der Religionsschule der isr. Religionsgesellschast zu Wiesbaden anzuwohnen. Ungefähr fünfzig Knaben und Mädchen wurden im Hebräisch-Lesen, Uebersetzen der Gebete und des Pentateuch, sowie in der biblischen Geschichte und in der jüd. Glaubensnnd Pflichtenlehre geprüft. Die Prüfung ergab ein sehr günstiges Resultat. Es ist kaum mehr als ein Jahr verfloffen, daß in Wiesbaden kein einziges Kind auch nur hebräisch zu lesen verstand. Um so größere Anerkennung ist dem Herrn Dr. Kahn, Rabbiner der (orthodoxen) israel. Religionsgesellschast, zu zollen, der in so ku^er Zeit die Kinder so weit zu fördern verstanden hat. Seinem unermüdlichen Fleiße und seinem ernsten Streben ist es

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