Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1871)
- Date
- 1871-08-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XL Jahrgang. Beilage;u Rr. 26 des Israelit. Leitender Artikel. «Literarischer Wericht. (Fottsetzung.) Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und Jakob. Kritische Untersuchung von A. Bernstein, besprochen von Di. H—n. Ehe wir unsere Kritik fortsetzen, wollen wir zuerst einen Vorwurf, den Manche gegen dieselbe machen, zurückweisen. Man glaubt nämlich, die Widerlegung solcher Ansichten, die jedem Fachmann sogleich als sonderbare Einfälle einer unglücklichen Stunde erscheinen, sei etwas Ueberflüssiges. Es sei das Beste, solche todtzuschweigen. Wir können dieser Meinung nicht beipflichten, müssen ihr vielmchr entschieden entgegentreten. Diese Art zu widerlegen gebrauchen gewöhnlich unsere Gegner, die, wenn ihnen eine Ansicht unbequem ist, sie dadurch widerlegt zu^haben glauben, daß sie behaupten, sie verdiene keine Widerlegung. Wir aber, auf deren Seite die Wahrheit ist, baden es, Gott sei Dank, nicht nöchig, uns solcher Methoden zu bedienen. Ueberhaupt will ich den Liebhabern dieser Todtschweigemanier oie Frage vorlegen, ob sie es auch für gerathen halten, eine von irgend einem Judenfeinde ausgeheckte Beschuldigung gegen die Juden todtzuschweigen, wenn sie so ungereimt ist, daß sie kein Gebildeter glauben kann? Nicht wahr, da werdet ihr nicht müde werden, die Journale in Bewegung zu setzen, Broschüren zu schreiben, auf Kanzeln und Kathedern Reden zu halten, bis daß ihr die Sache von Grund aus beleuchtet und die Falschheit und Lügenhaftigkeit der Anklage klar an den Tag gelegt. Nun rufe ich euch zu jenen bekannten Ausspruch, den unsere Weisen auf dre Streiter wegen nya« wibs anwenden: orvno Dipdd maa bpi dh'Pid oaiaa t>y. Wenn man eure Person angreist, da seid ihr zur Verteidigung bereit, da fürchtet ihr, es könnte noch irgendwo ein dummer Pöbel existiren, der solchen abgeschmackten Mährchen Glauben schenkt; wenn aber eure Thora beschimpft wird, wenn man die Thora Gottes als eine „plumpe Sage", ein „Pasquill", oder als eine „mit Raffinement ausgesonnene „Unsauberkeit" bezeichnet, da seid ihr stille, da besorget ihr nicht, es könnte em Pöbel aus eurer eigenen Mitte dies für Wahrheit halten, wodurch der Gesammtheit Israels ein weit größerer und mehr empfindlicherer Schaden zugefügt wird, als je die Pöbelzusammenrotlungen und Judenverfolgungen zu verursachen vermochten. Wenn wir nicht die Angriffe gegen die Gotteslehre mit Kraft und Eifer zurückweisen, haben wir dann auf den himmlischen Beistand zu rechnen, wenn wir für unsere eigene Person in den Kampf ziehend Jeder, der dies bedenkt, wird überzeugt sein, daß unsere Kritik nicht überflüssig ist. Wir kehren nun zur Sache zurück. Der Verf. scheint bei seiner Ansicht vom Jsaakcultus selbst den Boden unter sich schwanken gefühlt zu haben, und er eilt daher zur Betrachtung des Patriarchen von Hebron in der Hoffnung, „einen etwas sicheren Boden zu können. Wir wollen vorläufig dem Verf. diesen Boden noch unbestritten laffen und zeigen, wie er selbst alle seine Voraussetzungen zugegeben, dennoch durch zahllose Widersprüche und Ungereimtheiten seine Ansicht, die Erzählungen von Abraham haben alle David'sche Tendenz, selbst widerlegt. Abraham der Patriarch zu Hebron soll ursprünglich zu Isaak, dem Patriarchen von Beer- Scheba, einen Gegensatz gebildet haben. Ursprünglich habe in der Sage Abraham zum Süden in gar keinem Verhältniß gestanden, so behauptet der Verf. am Schluffe seiner Untersuchungen S. 90. Erst die Harmonistik begann zur Zeit des Elias, die Sagen miteinander in Verbindung zu bringen. „Man war dabei zu geographischen Sprüngen genöthigt.man mußte Abraham nach dem Süden wandern laffen (1. M. 20, 1), wozu jeder natürliche Grund fehlt." Dies ist die Ansicht des Verf. Da ist ihm aber das Malheur pasfirt, daß er gleich am Anfänge feiner Untersuchungen über den Patriarchen zu Hebron gänzlich aus der Rolle gefallen. S. 18 u. 19 meint der Verf.: die Abrahamssage schreibt das Verdienst, die Cisternen um Beer- Scheba gegraben zu haben, dem Abraham zu und läßt Isaak nur den Ruhm, diese wieder ausgegraben zu haben, ferner laffe sie Sarah, die Frau Abrahams, in Abimelech's Harem kommen, um der Jsaaksage Concurrenz zu machen, aus demselben Grunde lasse die Abrahamssage auch das Bündniß, welches Isaak mit dem Philifterkönig geschloffen, in verstärktem Grade bei Abraham auftreten. — Wo bleiben nun die geographischen Sprünge der Harmonistik, die sich erst Jahrhunderte später der schweren Mühe soll unterziehen haben muffen, Abraham nach dem Süden zu führen, wenn schon die Sage selbst aus Eifersucht gegen ihre Nebenbuhlerin, die Jsaaksage, ihren Helden nach dem Süden schickt, damit er da Cisternen grabe, mit dem Philisterkönig ein Bündniß schließe, und damit seine Frau in den Harem des Königs geführt werde d So auffallend mit Recht bei jedem andern Werke ein solcher Widerspruch mit sich selbst sein dürste, io