Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1871)
- Date
- 1871-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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507 Schweiz. Der», im Juli. Herrvr. Ad. Samuely, bisher Dozent in Heidelberg, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor des Staatsrechts an die hiesige Universität erhalten und auch angenommen, vr. Samuely ist Jude und seine Angehörigen wohnen in Pefth. Oesterreichisch-Ungarnische Monarchie. Wie»L Ein schreckliches Unglück, schreibt man aus Storozynetz in der Bokuwina unterm 21. d., ereignete sich in der Nacht vom 9. auf den 10 zu Petroutz am Sereth. Der Jsraelite Feibisch Lecker bewohnte mit seiner Familie am Waldesrande, weit entfernt von anderen Wohnungen, eine Hütte, in welcher er den Ausschank betrieb. In der bezeichneten Nacht wollte er Spiritus aus einem Fäßchen überfüllen, und ließ sich hiezu von seiner 6jährigen Tochter leuchten. Das Kind kam zu nahe mit Bern Lichte, der Spiritus entzündete sich und gleichzeitig fing das Kleid des Mädchens Feuer. Der Vater, erschrocken, ließ daß Fäßchen fallen, um das Kind zu retten, wodurch sich die brennende Flüssigkeit am Fußboden der Stube verbreitete, so daß die beiden in einem Flammenbade standen. Die Gattin des Wirthes, Rachel, mit einem Säugling an der Brust, dann die Söhne David Schmil und Hersch, Ersterer 20, Letzterer 14 Jahre alt, sowie die 18jährige Tochter Sarah, eilten aus dem Nebenzimmer hinzu, um Hilfe zu leisten, wurden jedoch Alle von den Flammen ergriffen, und es war furchtbar, wie eine aus sieben Personen bestehende Familie, umgeben von Feuersäulen, mit gegenseitigen Rettungsversuchen sich vergeblich bemüht und das eigene Leben opfert. Das 6jährige Mädchen ist völlig zur Kohle verbrannt und erlag zuerst, während der Witth, seine Gattin und der Säugling noch bis zum nächsten Mittag lebten. Die Leichen sahen furchtbar aus, die Fleischtheile des Körpers hingen in verbrannten Fetzen von den fast verkohlten Knochen herab. Von der ganzen tamilie leben nur noch die beiden Söhne und die älteste ochter, doch auch diese sind mit gefährlichen Brandwunden bedeckt, und es ist noch ungewiß, welche Folgen ihre Verletzungen haben werden. Wie«. Herr Salomon Oppenheimer, ein geborener Preßburger, der seit vielen Jahren still und zurückgezogen in Wien lebte und dieser Tage in Baden, nahezu achtzig Jahre alt, gestorben ist, hat das Spital der jüdischen Gemeinde in Wien zum Universalerben eines nicht unansehnlichen Vermögens eingesetzt. Aus Ungarn» Herrn Bezirks-Rabbiner A. I. Lichtenstein in Tißa-Beö ist ein Unfall zugestoßen, der leicht von den übelsten Folgen hätte sein können. Ein Mensch, der seit einigen Jahren sich in dortiger Gegend niedcrgelaffen, veranlaßte den genannten Herrrn Rabbiner seine Trauung mit einer Wittwe zu vollziehen/ verschwieg ihm aber, daß diese die Wittwe seines Onkels (Vaters Bruder) war. Nach dreimaligem Aufgebote in der Synagoge fand die Trauung statt. Noch am Nachmittage desselbe Tages jedoch erhielt Herr Rabbiner L. von dem verwandtschaftlichen Verhältniffe ber Getrauten Kunde, und es gelang ihm denn auch — trotz des Streubens der Betheiligten — dieses nach jüdischen Gesetzen blutschänderische Verhältniß thatsächlich zu lösen. In Folge dieser von dem Gerüchte entstellten und übertriebenen Thatsachen wurde in einigen ungarischen Zeitschriften die Sache so dargeftellt, wie wenn Herr Rabbiner L. vorsätzlich jene Trauung vollzogen. Es freut uns, nunmehr mittheilen zu können, daß jene Blätter sich von der Grundlosigkeit ihrer Beschuldigungen überzeugt und ihre hatten Anklagen selbst zurückgenommen haben. Für alle geehrten Rabbinen aber ergeht aus den mitgctheilten Thatsachen die ernstlichfte Mahnung zur äußersten Vorsicht bei Trauungen von ihnen nicht genan bekannter Brautpaaren. Donaufürstenlhümer. Bukarest, 24. Juli. Der ausgestreute Same des Fremden- und Judenhasses trägt reiche Früchte. Während die Deutschen in fast allen rumänischen Journalen beschimpft und herabgesetzt werden, begnügt man sich in Bezug auf die Juden nicht danrit, sondern betrachtet dieselben als außerhalb des Gesetzes stehend, für völlig vogelfrei und scheut sich nicht dieselben selbst thätlich zu insultiren. Wir berichten heute zwei Fälle: Der erste trug sich in Botoschan zu, wo der dortige Präfect, zehn Tage vor dem gesetzlich stritten Termine, an welchem sich alle Militärpflichtigen bei den betreffenden Behörden zu stellen haben, seinen Commissären den Auftrag ettheilte, auf die jungen Leute jüdischer Confession zu fahnden. Es wurde nunmehr eine systematische Razzia arrangirt, die auf Wunsch des Präfecten mit einem besonderen Knalleffect endete. Auf sein Geheiß drangen nämlich die Handlanger der „Gerechtigkeit" an einem Sabbat, und während sich die Gemeinde in den verschiedenen Bethäusern befand, in dieselben ein, rissen die ihnen bezeichneten jungen Leuie mit Gewalt aus dev Mitte der Andächtmen heraus, den Gottesdienst unterbrechend und alle Vorstellungen mißachtend, daß ihnen, die betreffenden Personen doch nicht entgehen könnten,, nachdem sie sich von deren Anwesenheit überzeugt hätten. Diese That höchster Rohheit stempelt den Urheber derselben, wie die Vollstrecker des Befehls zu gemeinen. Verbrechern, die sich einfach der Kirchenschändung schuldig gemacht haben, ein Verbrechen, welches um so schwerer wiegt, als dasselbe von Männern ausging, deren erste und oberste Pflicht ist, darüber zu wachen, datz