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Der Israelit · 1871-08-09 · Heft 32 (9.8.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 32 (9.8.1871)
Date
1871-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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505 kann Vieles und Großes geschehen. Wir haben in politischer Beziehung ein Vorbild an der „Alliance Jsr." zu Paris. Ueberall, wo es notthut, wendet man sich an diesen Centralpunkt, und ihre Wirksamkeit hat schon bedeutende Resultate geliefert; warum soll Aehnliches nicht auch in religiöser Beziehung möglich sein? Mein unmaßgeblicher Vorschlag geht nun dahin, daß man den projectirten natt? -Verein alsbald ins Leben rufen und damit einen Verein für Conservirung der religiösen Interessen verbinde. Die vorläufige Aufgabe dieses Vereins soll dahin gehen, einen Centralpunkt für alle einzelne orthodoxe Juden zu bilden. Es gibt viele treue Glaubensbrüder, die leider unter dem Joche sogenannter Rabbiner seufzen, wie solche die Kasseler Komödie uns in nackter, wahrer Gestalt zeigte. Sehr viele würden mit Freude gegen solche “>ptp wo: anftreten und mit Feuereifer für die heilige Religion ihrer Väter einstehen, wenn sie nur der gehörigen Unterstützung gewiß wären. Haben wir aber einen Centralpunkt geschaffen, an den fich solche bedrängte Glaubensbrüder wenden können, setzen sodann alle Zweigvereine ihre Thätigkeit mit ein, dann kann Großes und Ersprießliches geleistet werden. Man lese nur beispielsweise den Artikel aus Kassel in Nr. 37 des „Israelit" v. I. und man wird die Wichtigkeit einer solchen Organisation schon einsehen. Es gibt n"a noch in allen größeren Städten orthodoxgesinnte, wahrhafte Jehudim, die gerne ein Comitä bilden und wo es gilt, die ruiDN zu erhalten, freudig nach Anleitung des Central-Comitö's ihre Thätigkeit entfalten werden; es dürften alle gerechten Klagen in religiöser Beziehung ebenso der Abhilfe entgegensehen, wie die in politischer Beziehung durch die „Alliance Jsr." Es widerspricht ein solcher Verein durchaus nicht dem ursprünglichen rcü' - Verein; vielmehr erreicht man hierdurch mittelbar, was unmittelbar schwer zu erreichen ist. Werden die guten Kräfte vereinigt, werden jene Quasi-Rabbinen entlarvt und unschädlich gemacht, dann werden neue Kräfte sich vereinigen, eine neue religiöse Jugend wird sich heranbilden, die selbst darauf bedacht ist, den rep so gut als andere Gebote heilig zu halten, und dadurch würde am besten der nao-Verein sein Ziel erreichen. Ich will und kann für heute nicht näher auf die Organisation dieser Haupt- und Zweigvcreine eingehen, weil ich zuvörderst abwarten muß, welche Aufnahme dieses Project finden wird. So viel glaube ich sagen zu sollen, daß wenn man ein Uebel heilen will, man an der Wurzel zu beginnen hat, und daß jenen Quasi- Rabbinen ein großer Theil der Religionsverderbniß zuzuschreiben isst das unterliegt keinem Zweifel. Wirken wir nur gemeinschaftlich, und es wird nicht zu schwer sein, die Stellung von Männern zu erschüttern, die gar nichts nützen; denn bei den Orthodoxen haben sie keinen Werth, und für die Neologen sind sie ein reiner Luxusartikel. Ihre Uebersiüssigkeit scheinen diese Herren auch zu verspüren, daher die Lustsprünge, wie solche in Kassel zu Tage getreten sind." Diesen Vorschlag brachte ich damals, als sich jene. Herren Geistlichen doch noch scheuten, so ganz öffentlich^ mit der min zu brechen; um wie viel wichtiger dürfte dieses Project jetzt erscheinen, da die Aufgabe des zw gründenden Vereines eine noch bedeutendere sein würde. Durch den Haupt- und den Zweigverein könnten wenigstens allerorts die ehelichen Eingriffe gesammelt und öffentlich bekannt gemacht und ebenso die einzelnes Kämpfe der Orthodoxie gegen solche ncologe Rabbinen kräftig unterstützt werden. Wir müssen energisch Vorgehen, dürfen uns keinen Illusionen hingeben, als sei von solchen Männern eine Rückkehr zum Bessern zu erhoffen; denn die, welche mehr als na 4ouriD caj p oya-p sind, kehren nicht zurück. Ich ersuche Sie daher, geehrter Herr Redacteur, dieses Project, wozu Sie schon damals in einer Anmer-1 kung Ihre Zufriedenheit aussprachen, ernsthaft in Angriff nehmen zu wollen und na^n wird seinen Segen hiezu geben. C. R. Rosenbaum. (Wir sind gern bereit, auf dieses Project einzugehen und erwarten die ausführlichen Vorschläge des geehrten Herrn Correspondenten. '"nP Npjir,£. — Red.) Aus Württemberg „Der Beobachter," ein Volksblatt aus Schwaben, hat am 25. Juli den Reigen der Agitation gegen das Kirchengesetz für die württemb. Israeliten in einem Artikel voll Sarkasmus eröffnet, worin die bei uns verhaßte „Personalsteuer" behändest wird. Der Verfasser hat mit juridischem Scharfsinn gerade diese Steuer hervorgehoben, welche den nervus rerum der israel. Oberkirchcnbehörde bildet. Schon ist der Einzug pr. 1871—72 wiederum eingeleitet, obschon den Israeliten Württembergs diese Kopfsteuer, deren größter Theil in den nur der Oberbehörde zur Verfügung stehenden Centralfond fließt, zur Last ist; dieselbe kann nur auf gesetzlichem Wege abgeschafft werden. Kommt deren Abschaffung zur Vorlage in die Ständekammer , so müssen consequenterweise ebendamit auch alle übrigen Fragen, welche das württemb. Israel berühren, zur Verhandlung und Erledigung kommen. Der erwähnte Artikel, „offenbares Ueb er sehen" betitelt, beschäftigt sich in seinem Eingänge mst dem Staatshaushalte Württembergs in: Allgemeinen und einem Lapsus im Regierungsblatte, was die Leser des „Israelit" weniger interejsiren dürfte. „Aber" — so springt der scharffinnige Verfasser zu unserem Gegenstände hinüber — . „der Inhalt des neuesten Gesetzes über die Steuererhöhung enthält offenbar eine Ungerechtigkeit gegenüber einer einzelnen Klaffe von Staatsbürgern. Darunter meine ich nicht die

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