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Der Israelit · 1871-06-28 · Heft 26 (28.6.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 26 (28.6.1871)
Date
1871-06-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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502 - „Görz," sagte sie, aU dieser erschie« und sich mit . der Fürstin altem befand, „uns droht eine große Gefahr, die wir in Klugheit abwenden müssen. Hast Du ' gehört, was dem Hosprediger passirt ist«" „„Ich habe es gehört, Louise,"" — wenn die Fürstin und ihr Geliebter allein waren, nannten sie sich . „Du" und beim Vornamen — „„doch was kümmert uns das«"" » „Der Fürst war dort, und Müller bezeichnete den Blitzstrahl, der ihn getroffen, als ein Gottesurtheil. Ferdinand folgert daraus, daß Nathan unschuldig war, daß die Briefe, auf welche hin Du ihn angeklagt hast, gefälscht seien; er hat gedroht, Dich auf's Rad flechten zu lassen." Der Junker erblaßte; seine Knie schlotterten; er mußte sich setzen, um nicht umzufallen „Ermanne Dich, Görz," fuhr die Fürstin zu reden fort, „wir müssen der Untersuchung, die Ferdinand morgen anstellen wird, zuvorkommen. Begib Dich sofort zum Hofprediger und bestimme ihn, Nichts zu verrathen." - „„Aber,"" ftammeltc der Junker, „„der an Geist und Körper gebrochene Mann, dem die Reue das Herz zernagt, wird nicht darauf eingehen wollen. Wäre es nicht besser, daß ich eiligst entfliehen möchte«"" „Und ich, ich soll Zurückbleiben mit dem schwachsinnigen Manne, den ich verachte, der in Zorn und Reue auch mich, um die Mahnen seines geliebten Juden zu rächen, zu Tode quälen, mich vielleicht gar in ein protestantisches Frauenstift sperren lassen wird«" „„So entfliehe mit mir! Wir nehmen Gold und Diamanten mit uns und suchen in einem fernen Lande ein sicheres Asyl!"" „Was muthest Du mir zu, Görz« Ich soll meine Stellung als regierende Fürstin ausgeben und in Dunkelheit leben, und das aus Furcht vor dem schwachsinnigen Ferdinand und um einiger getödteter Juden willens" „„Besses in Dunkelheit sicher leben als aus der Höhe in steter Gefahr."" „So denkst Du, der Du als einfacher Edelmann geboren und erzogen bist; in meinen Adern fließt das Blut einer langen Reihe fürstlicher Ahnen — ich lebe als Fürstin oder gar nicht." „„Ich sche keinen Ausweg, Louise! An's Rad flechten, huh! Eher räume ich den aus dem Wege, der mich so bedroht!"" „Du wirst das nichtthun, Görz! Soll etwa Fürst Kattenheim Besitz ergreifen von Hohenburg und mich auf meinen maMM MttwenM verweisen«" „„Du denkst nur an Dich, Louise, und ich, meine Sicherheit, mein Leben gelten Dir gar nichts."" „Doch, thue nur, was ich Dir sage. Gehe sogleich zum Hofprediger und bearbeite ihn; es ist noch nichts verloren." Widerwillig folgte dev Junker dem. Befebte. - Aechzend und stöhnend lag der Hofpreoiger auf seinem Lager, als Herr von Schwarzenstein bei ihm erschien. „Ach," rief er diesem entgegen, „es ist ein Gottesurtheil, das mich betroffen! Das Blut des gemordeten Nathan, das Blut seines Weibes und das seines unschuldigen Kindes schreit um Rache! Ich muß sterben, sterben!" „„Sülle, Mann,"" entgegnete der Junker, „„hört auf mit Eurem Gebelfer! Es steht so schümm nicht mit Euch; ich habe soeben den Leibarzt gesprochen. Ihr werdet genesen. Es ist nur eine vorübergehende Lähmung. Wenn Ihr aber nicht schrveigt von der Judenbrut, so wird der Fürst Euch hängen taffen, sobald Ihr wieder gesund seid."" „So möge Gott mich sterben lassen auf meine« Schmerzenslager; ich habe oem Fürsten bereits gesagt, daß es ein Gottesurtheil ist, was mich betroffen." „„Stille, Mann, noch ist nicht Alles verloren. Folgt meinen Rathschlägen, und es kann noch Alles gut gehen. Sagt dem Fürsten, daß Ihr die Schätze in dem Wandschrank entdeckt und sie Euch habt arteignen wollen, als Euch der Blitzstrahl traf. Da aber das Alles von Rechtswegen denr Fürsten gehört, so habet Ihr in denr Blitzschlag die gerechte Strafe Gottes erkannt."" „Und ich sollte noch einmal mein Gewiffen mit Lüge, Heuchelei und Verstellung belasten, nachdem mich die Hand Gottes so sichtbarlich getroffen „ „Wenn Ihr lieber gehängt fein wollt — ich habe nichts dagegen! Der Fürst hat geschworen, Euch hängen zu lassen, sobald Ihr genesen sein werdet. Deßhalb befolgt meinen Rath. Gebetet Euch dem Fürsten gegenüber als ein reuiger Sünder, aber nur — versteht Ihr, nur — in Bezug auf die Versuchung, das Geld zu unterschlagen; der Fürst wird Euch verzeihen, daß Ihr dieser Versuchung nicht widerstanden. Was hingegen das an dem Juden vollzogene Urtheil bettifft, so bleibet fest bei der Behauptung, daß ihm lediglich sein Recht geschehen!" " „Ich kann nicht, Herr Kammerjunker, ich kann nicht! Ich habe den strafenden Richter dort oben mit meinen Augen geschaut! Der Reue und Buße soll künfüg mein Leben gewidmet sein!" „„Seid kein Thor, Mann! Das sind die Folgen des Schreckens und der Lähmung , daß Ihr Euch mit solchen Gedanken plagt! Ihr werdet wieder gesund und könnet Euer Leben »och genießen. Jetzt aber ermannet Euch und seht zu, wie Ihr mcht allein dem Galgen entgeht, sondern Euch auch Eure Stelle erhaltet."" Der Kraule ää^te. „Denkt an Euer Weib und Eure Kinder!" fuhr der Junker zu reden fort „Was soll aus ihnen werden, wenn der Fürst Euch als gemeinen Betbrecher hinrichten läßt"?"

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