Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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svo «nbferit ersetzt worden kann., dem diese 'Erfordernisse «frgchen. Sie weiß, daß dem mit Gewalt neu cveivten Handessftande, überdies düs Vertrauen des Auslandes, h. die unerläßliche Existenzbedingung fchlen würde, ßi daß er ein todtgeborenes Kind wäre, der die Staats¬ und Prrvat-Jntereffen bedeutend schädigen würde; und in Rußland wagt man nicht, solche Experimente zu machen. Aus den angeführten Gründen kann „Romanul" sicher sein, daß man die Plünderer in Odessa. strenge bestrafen wird. Schon find die einleitenden Schritte g^chehen, 1200 der Missethat Verdächtige sind eingezogen worden und da sie nicht vor eine gewisse Jury gestellt werden, der einzigen in der Welt, die sie alle fveisprechen würde, da die Gehetzten und zu Grundgerichteten blos „miserable Parias", d. h. Juden sind, so wird die Justiz ihr hohes Amt würdig vollzichen und die Schuldigen treffen. Wir verlangen von „Romanul", daß er dieses Straf-Edict seinerzeit publiciren soll. Wir bestehen darauf im Interesse der Moral und seiner eigenen Ehre, sonst würde er Jemandem gleichen, der das Treiben einer Räuberbande, ihre romantischen Raubzüge erzählt, ohne das sühnende Hochgericht als Ende hinzuzusetzen. Er würde, was wir nicht glauben wollen, für die russischen Plünderer rumänische Propaganda machen. Nachdem wir die Frage „Romanuls" beantwortet haben, stellen wir ihm eine andere, die er gewiß lösen wird:. Rußland ist ein alter Staat, in dem das nneingeschränkte monarchische System herrscht. Rumänien soll ein nach den besten Principien der Neuzeit errichteter konstitutioneller Staat sein. Nun müßten in Rumänien die Civilisation und der Fortschritt, die Grundsätze der Gerechtigkeit und Humanität im Allgemeinen, und speciell in religiöser Beziehung, in hervorragender Weise gelten. Wir sehen aber, daß in der jüdischen Angelegenheit gerade das Gegentheil der Fall ist. In Rußland werden die Juden gegen die Anfälle eines beutegierigen Pöbels wenigstens durch dessen Bestrafung geschützt; in Rumänien ist dies bisher noch nicht geschehen. Besonders ungeschützt waren sie unter der Regierung der sogenannten „liberalen", „patriotischen" Partei, welche durch ihre ministeriellen Verordnungen eigens Judenverfolgungen hervorrief. Dies ist um so unerklärlicher, als damals ihre Chefs am Staatsruder waren, Männer, welche die Juden schon im Jahre 1848 snancipirt hatten und von denen wir nach ihren eige- «en Aussagen wissen, daß sie ihren Principien stets treu bleiben und demnach das humane Urtheil, welches sie ic&v die Israeliten hatten, nicht geändert haben konnten. Die Frage, welche wir an „Romanul" stellen, ist nun die: Wie kommt es, daß seine Partei, welche vorgibt, unsere Constitution so zu lieben, daß sie bereit ist. i^ Alles zu opfern, derselben die Lebensfähige Bastz: die Gleichheit der Religionen vor dem Gesetz entzieht, und dieser Constitution das Brandmal der Judenverfolgung aufdrückt, mit dem bchastet sie nicht leben kann? (Rum. Post.) Feuilleton. Zur rechten Zeit. XIV. Verstockte Sünder. Eine finstere Wolke^tag auf der Stirn Fürst Ferdinands, als er in das schloß znrückkehrte. Seine Gemahlin , durch das Unwetter und den Lärm erschreckt, eilte ihm entgegen. „Was ist geschehen, mein Gemahl?" fragte^sie. „„Ein Mord," "'entgegnete der Fürst mit dumpfer Stimme, „ „ein dreifacher Mord!" " „Um Gott, wer ist ermordet?" „ „Der unglückliche Nathan, sein Weib und sein Kind!"" „Sie sind krank, mein Gemahl!" „„Nein, ich bin nicht krank; aber ich habe ein furchtbares Gottesurtheil geschaut. Der Hofprediger ist vom Blitze getroffen, gerade als er sich des Goldes und des Silbers bemächtigen wollte, das einst Nathan gehört, der Hofprediger, der stets die Juden verdächtigte, der mich aufreizt«, jenes grausame, ungerechte Urtheil zu fällen. Wehe, auch mich wird das Strafgericht Gottes tteffen und Dich und den Junker von Schwarzenstein — die gerechte Strafe für den dreifachen Mord."" „Sie sehen zu schwarz, mein Gemahl! Nicht Sie trifft eine Schuld, noch mich, noch den Junker; Sie haben nach Recht und Gerechtigkeit geurtheilt, haben lediglich niederträchtigen Verrath bestraft." „„Ja, wenn das wahr wäre! Der Hofprediger selbst hat das Geschick, das ihn betroffen, als ein Gottesnrtheil bezeichnet. Ich fürchte, ich fürchte, jene verrächerischen Briefe waren gefälscht, waren vom Kammerjunker, dem erbitterten Feinde Nathans, gefälscht. O Gott, gib mir Klarheit, laß mich die Wahrheit erkennen! Ich würde das Verbrechen sühnen, soweit das in meinen Kräften stünde. Den Kammerstmker aber ließ ich, wenn er schuldig befunden würde, auf's Rad flechten!" " Der Fürstin einen finstern Blick zuwerfend, ging er ohne Gruß von dannen, um sich in seine Gemächer zu begeben. Die Fürstin ließ eiligst den Junker von Schwarzenstein zu sich bescheiden.