Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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499 L des anbent Tages mit ihrem Vater von ihrem Geburtslort abgeresft. it n Rumänien. » e t b i t Stafatefi, 6. Juni. Das heurige Osterfest in Odeffa ist mit einer Judenhetze gefeiert worden, welche durch drei Tage wüthete. Die Tempel der Israeliten wurden zerstört, sie selbst auf eine empörende Weise mißhandelt, ihre Habe geplündert und vernichtet. Die Menschlichkeit und Gerechtigkeit trauern über dieses Ereigniß, die civilisirte Presse der ganzen Welt brandmarkt es durch ein vernichtendes Verdammungsurtheil. Auch das hiesige Journal „Nomanul," Hauptorgan der sich so nennenden einzigen liberalen Partei Rumäniens, bemächtigt sich dieses Stoffes. Doch nicht um die Thränen der Unglücklichen zu stillen, sondern um Oel in's Feuer zu gießen, damit die Wunde noch schmerzlicher brenne. Nach ihm legitimirt die Odeffaer Judenverfolgung die Rumänische, denn da dieselbe Schändlichkeit dort wie hier vorsiel, so muß sie als eine gerechte Nothwendigkeit angesehen werden. So wie dort die Behörde den Schandthaten keinen Einhalt gethan hat, so war nach dem „Romanul" dies auch hier nicht möglich und wird auch künftighin nicht möglich fein, demnach, so läßt er es deutlich verstehen: Löbliche Judenhetzen für immer in Rumänien. Der „humane" und „liberale" Redacteur des „Romanul", dem dies Alles klar ist, muß jedoch in einem Punkte feine Unwissenheit eingestehen. Wie kommt es, fragt er, daß die europäischen Regierungen und Humanitären Associationen die Einstellung der Judenverfolgungen in Rumänien verlangten, während sie es in Rußland nicht thun H Die Antwort ist sehr einfach. Man begehrt etwas, was man ungefordert nicht bekommen kann. Man verlangte in Rumänien Gerechtigkeit für die Juden, weil man sah, daß die damalige Regierung sie nicht ausübte. Man verlangte keinen Schutz für die verfolgten Israeliten in Odessa, weit man weiß, daß er de facto schon von der dortigen Regierung gewährt wurde und weil man überzeugt ist, daß dort die Strafe, welche die Uebelthäter treffen mußte, künftighin Judenverfolgungen vereiteln wird. Zur Schmach des neunzehnten Jahrhunderts grassirten in Rumänien Judenverfolgungen, welche sich in den letzt verflossenen Jahren über verschiedene Punkte des Landes erstreckten. Tempel wurden geschändet und niedergerissen, Männer ertränkt, Wöchnerinnen starben, aus ihren Wohnorten getrieben, auf den Landstraßen, Kinder erfroren, den Unbilden des Winters preisgegeben. Das Besitzthum zahlreicher jüdischer Familien wurde geraubt, sie selbst mißhandelt und in die elendeste Lage gebracht. Wenn es unter diesen Umständen dem „Romanul" leid thut, daß Europa intervenirte, so ist dem edlen Manne, welcher das Jammern der unglücklichen Juden nicht hören kann, weil es, im Auslande vernommen, Mitleid erregt, ein Trost geblieben. Die Verfolgungen wurden zwar für den Augenblick unterbrochen, da jedoch kein Einziger von den zahlreichen Verbrechern, welche sie Hervorriesen, bestraft wurde, so kann dies „patriotische" Werk bei jedem günstigen Momente und durch irgend welche Veranlassung neuerdings in Scene gesetzt werden. In Rußland bürgen zahlreichen Gründe für die strenge Bestrafung der Odeffaer Schandthaten. Der gegenwärtige Czar gehört zu den humansten. Fürsten, welche auf dem Throne aller Reußen gesessen. Die Emancipation von Millionen Leibeigenen, welche gegen das materielle Interesse des in Rußland so allmächtigen Adels von ihm durchgesetzt wurde, mag atä ein Beweis gelten. Das Interesse des Staates, der Dynastie und der Stadt Odessa selbst machen ebenfalls die Forderungen der Humanität in dieser Angelegenheit unabweisbar. Der Staat darf eine Emeute gegen die Juden nicht ungestraft hingehen lassen, da dieselbe unausweichlich als Ermunterung für eine Revolution dienen würde, welche dann gegen die besitzende Claffe überhaupt, d. h gegen die sociale Ordnung gerichtet wäre. Was die Communiften jetzt in Frankreich gethan haben, würden dann ihre Brüder, die Nihilisten, in Rußland vollbringen. Sie würden in Ermangelung von Vernunftgründen ihre Theorien mit dem Brande von Moskan und Petersburg beleuchten. Die fruchtbarsten Provinzen Rußlands sind in ihrem Export mrd Import, auf den ihnen so günstig gelegenen Odessaer Hafen angewiesen, ohne welchen sie in ihrem eigenen Fette ersticken müßten. Den dortigen Welthandel zu begünstigen, ist eine gebieterische Pflicht seiner Regierung. Der Handel jedoch bedarf als nothwendige Bedingungen: Sicherheit des Eigenthums, die Ruhe, Ordnung und eremplarische Bestrafung der Dawiderhandelnden. Der Odessaer Kaufmannsstand ist so wie der Ru» manische auf der einzig richtigen Basis, auf dem Wege der freien Concurrenz entstanden; an seiner Constitui-. rung nahmen alle europäischen Nationen Theil. Diejenigen, welche das meiste commercielle Talent entwickelten, errangen den ersten Platz; es sind dies die Juden. Die russische Regierung glaubt nicht, daß dieselben den Handel den Russen entwendet haben, und daß er den einheimischen Christen zufallen würde, wenn man die Juden ruinirte. Denn sie weiß, was man in Rumänien ignoriren will, daß der Kaufmann, bei einem angeborenen Talente, noch theoretische und praktische Kenntniffe nothwendig hat, sie weiß, daß der jüdische Kaufmann, der diese Eigenschaften besitzt, nicht durch einen.