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Der Israelit · 1871-06-28 · Heft 26 (28.6.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 26 (28.6.1871)
Date
1871-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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498 gibt, ist eben in einem solchen Zeitalter möglich, in welchem überhaupt eine Synode wie die zu Leipzig sich constituiren konnte — und das sollte wahrhaftig doch Manchem die Augen über die Bedeutung und Ziele derselben öffnen! geituugsrraehrichten und Eorrefpo«- denzen. Deutschland. Kitzingeu. Schon lange wurde der hiesigen Stadt in Ihrem geschätzten Blatte keinerlei Erwähnung Ul Theil, trotzdem dieselbe auf jüdischem Gebiete der Erwähnung Werth ist; denn lange, sehr lange durste hier kein Jude wohnen, und jetzt ist unsere Gemeinde schon 25 Familien stark und ist im steten Zunehmen begriffen. Durch die demnächst ftattfindende Uebeyiedlung unseres hochverehrten Herrn Districtsrabbiners I. Adler von Mainbernheim hierher gewinnt unsere Gemeinde in jeder Beziehung an Bedeutung; die königliche Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg hat nämlich mittels Reskriptes vom 28. v. M. beschlossen, daß der Rabbinats-Sitz von Mainbornheim hierher verlegt werde. Wir müssen es rühmend erwähnen, daß unser verehrter Herr Bürgermeister es sich sehr angelegen sein ließ, den Rabbinatssitz hierher zu verlegen und nicht wie von vielen Gemeinden gewünscht wurde, nach Marktbreit. Möge es unserem hochverehrten Äerrn Rabbiner vergönnt sein, auch von seinem neuen Wohnorte aus sein edles Streben stets mit gutem Erfolge gekrönt zu sehen. J. Aus Württemberg i den 16. Juni. Da bei uns eine allgemeine kirchliche Friedensfeier im Einklang mit der allgemeinen Stimmung schon in den ersten Tagen des Monats März ftattgefunden hat, so erschien eine nochmalige feierliche Begehung des Friedensschlusses, welche jetzt bekanntlich im Königreich Preußen und in mehreren andern deutschen Ländern in Folge kaiserlicher Anordnung am kommenden Sonntag stattfindet, in unseren Gotteshäusern als unthunlich. Dagegen ist es für angemessen erkannt worden, daß der Bedeutung des Tages, an welchem für den nunmehr endgiltig abgeschlossenen Frieden im größten Theile des gemeinsamen deutschen Vaterlandes das kirchliche Dankopfer dargebracht wird, auch in den Kirchen und Synagogen unseres Landes Ausdruck gegeben werde. Es wird daher zufolge höchster Entschließung unseres Landesvaters morgen rn den jüdischen und übermorgen in den christlichen Gotteshäusern des an diesen Tagen anderwärts stattfindenden Friedensdankfeftes beim Gottesdienst dadurch gedacht werden, daß das für die diesseitige Friedensfeier am 4. und 5. März d. I. angeordneten Hauptgebet auf den Kanzeln mit einigen einleitenden Motten nach der Predigt wiederholt vorgetragen wird. — Des Weiteren haben Se. Majestät angeordnet, daß am Sabbat und Sonntag nach der bevostehenden Rückkehr unserer tapferen und siegreichen württ. Truppen, voraussichtlich den 1. 2. Juli ebenfalls in sämmtlichen Gotteshäusern aller Confessionen ein besonders zu erlaffendes Gebet über die glückliche Heimkunft derselben am Schluffe der Predigt vorgetragen werde. Berlin, 10. Juni. Die Wahl eines Israeliten zum Bürgermeister glaubt die „Post" als ein Unicum verzeichnen zu können. Die Stadtverordneten-Versammlung der Stadt Jarocin in der Provinz Posen hat ihren jüdischen Mitbürger, den bisherigen Vertreter des dorttgen Diftntts-Commissattus, Goldring, zu ihrem Bürgermeister erwählt, und die Bestätigung dieser Wahl durch die Regierung ist erfolgt. Italien. Der Wiener „Presse" schreibt man aus Rom vom 14. Juni: „Gestern verursachte eine polizeiliche Haussuchung in dem Kloster, welches bei Sta-Maria bei Monti zur Aufnahme der Neophiten bestimmt ist, eine außerordentliche Aufregung in diesem Stadttheile. Eine neue Mortarageschichte, bei der es sich um ein Mädchen handelt, gab dazu Anlaß. Voriges Jahr nämlich ließ sich ein israelitisches Mädchen von 14 bis 15 Jahren in der katholischen Religion unterrichten, am Charsamstage bei San Giovanni im Laterean feierlichst taufen und nahm, da es diesen Schritt gegen den Willen seiner Aeltern gethan hatte, seinen Aufenthalt in dem vorgenannten Kloster. Seit dem Einrücken der italienischen Truppen verlangten die Eltem, daß das Mädchen in ihr väterliches Hans zurückkehren möge, und obwohl dasselbe fich weigette, besorgten die Eltern, daß ihre Tochter, unter dem religiösen Drucke der Nonnen gelassen, bloß deßhalb auf ihrem Entschlüsse beharre. Die Sache wurde von Seiten der Eltern dem Tribunal übergeben, gegen dessen Entscheidung, welche aus Auslieferung des Mädchens lautete, die Vorsteherin des Klosters an den Cassationshos appellitte, welcher das Mttheil der ersten Instanz bestätigte. Als die Polizei alle gütlichen Vorschläge umsonst versucht hatte und die Aufregung vor dem Kloster täglich zunahm, wurde gestern gewaltsam in die klösterliche Behausung eingedrungen und das Mädchen durch die Gensdarmen aus derselben abgefühtt. Was die Neophite nun zu thun gesinnt ist, wird der Ausgang lehren. Wie das „Wiener Fremdenblatt" mittheilt, machte sie noch am selben Tage mit ihrem Vater einen Spaziergang durch die Stadt, nachdem sie verlangt hatte, ihren Nonnenrock abzulegen, und ist

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