Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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KL« AaLöiner (!) W« Vefch»ew«ng. Von Dr. A. Sulzllach. (Schluß.) Nun aber zu den Argumenten. Abrahams ^Erlebnisse in Egypten und Gerar" ^) sollen aus diese Beziehungen Hinweisen. Welche Erlebnisse? Hat Abraham vielleicht dort Phallusdienste mitgemacht? Berechtigen all die Züge, die aus Abrahams Leben überliefert sind, uns zu der Meinung, daß er noch in seinem neunundneunzigsten Lebensjahre eine götzendienerische Handlung begangen hätte? Doch Herr R. hat noch einen neuen Beweis für den heidnischen Ursprung im petto: „Die ursprüngliche Vornahme des Aktes im dreizehnten Jahre, im Alter der Pubertät im Orient." So macht man also Geschichte, so verdreht man das klar und deutlich Gesagte. Warum spricht Herr R. nicht von der ursprünglichen Vornahme der Beschneidung im neunundneunzigsten Jahre, hat doch Abraham den Akt erst in diesem Alter vorgenommen? Freilich, das paßt nicht in seinem Kram, der „Heiligung und Weihe der natürlichen Schöpfer- und Zeugungskraft" da ist freilich Nichts hineinzudeuteln von Natnrdienst und Verehrung des sinnlichen Werdens. Nur von Jsmael lesen wir, daß er im dreizehnten Jahre beschnitten wurde, und daraus macht Herr R. eine „ursprüngliche Vornahme?" Wird doch schon Jizchak zu acht Tagen beschnitten; — daß aber Jsmael zu dreizehn Jahren, natürlich weil er gerade dreizehn Jahre alt war, als der göttliche Befehl, sich zu beschneiden, an ihn erging; oder ist eben von demselben Abraham in dem einen Jahre, das zwischen seiner und Jsmaels Beschneidung und der Jizchaks lag, der „heidnisch-naturalistische Standpunkt verrückt" worden? Wäre die Beschneidung je ein Theil des Lingham- oder Phallusdienstes gewesen, so müßten wir ja bei den Indern Spuren einer solchen finden, das ist aber nicht der Fall. Nur bei beit Egyptern soll die Beschneidung gewesen fein; doch die ältesten Zeugnisse dafür finden sich nicht vor dem 6ten Jnhrhundert vor der übl. Zeitrechnung, also über 1000 Jahre später als unsere biblischen Urkunden, so daß noch gar nicht erwiesen ist, daß zur Zeit unsere Vorfahren in Egypten dort schon die Beschneidung Sitte gewesen wäre. Ja, wie schon Auerbach bemerkt, läßt der Ausspruch: „Heute habe ich die Schmach Mizrajims von euch abgewälzt" (Jos. 5, 3.), der auf die Israeliten nach der von Josua ausgeführten Massenbeschneidung angewendet wird, darauf *) Von den Gerariten, den Philistäern, wissen wir zufällig ausdrücklich, daß fie,-die Hsuptverehrer jenes abscheulichen Götzendienstes, unbeschurtten waren, da ste imB. Samuel immer als o'b.» Bezeichnet werden. schließen, daß zu jener Zeit die EMter noch nicht.beschnitten waren. (Vgl. Auerbach. Berich Abraham .U. 420.) Wäre dieses aber auch der Fall gewesen, so .sst es anzunehmen, daß die Egypter die Beschneidung pW den eingewanderten Söhnen Jacobs, und zwar Sanitäts- und örtlichen Reinheitsrücksichten angenommen haben. Daß aller mx diese and Mite ethisch -religiösen Motive bei ihnen vorgewaltet haben, sind wrr aus Phrlo's Abhandlung tucqI zu schließen berechtigt, welcher vier Gründe obengenannter Art für die Beschneidung der Egypter anglbt, die er von ihnen selbst gehört haben will. Aber auch unter den Zeugnissen selbst, von denen aber wie gesagt, das älteste über 1000 Jahren jünger als die biblischen Urkunden ist, herrscht Unklarheit-; denn während nach Herodot und Philo Alle beschnitten waren, waren es nach Horapollo und Athenäus nur die Priester und zuweilen auch die Tempelleute (vgl. Schwenck, Mythologie der Aegpter S. 19.), bei denen der von Philo als zweiten Grnnd gegebene, der der örtlichen Reinheit, dantit das Opfer nicht vernnreigt werde, zütrifft. Wir haben oben bereits gesagt, daß Herr R. nicht deutlich herausgesagt, die Beschneidung müsse abgeschafft werden, er hat aber inehr als das gethan, er hat sie in den Koth gezogen, indem er sie zum Phattusdieyst gestempelt hat, er hat das Judenthum an seiner heiligsten und reinsten Seite angegriffen, er hat dasselbe durch Unfläthigkeit und Gemeinheit zu besudeln gesucht. Er hat noch dazu die Gelegenheit vom Zaune geriffen, um seine Berläumdnng an den Mann zu bringen; was hat das ganze Räsonnement hier zu suchen, wo es sich doch nur darum handelt, ob der unbeschnitten gebliebene Jude aus dem religiösen Verbände auszuweisen sei oder nicht? Da hätte Herr vr. R., der die Entscheidung dieser Frage in der sakramentalen oder nichtsakramentalen Bedeutung des Actes findet, mit der Erörterung der Bedeutung vollständig seiner Reserentenpflicht genügt. Aber nein, er möchte lieber summarisch verfahren — man müßte blind sein, dieses nicht zu sehen — ganz abgeschafft diese Beschneidüng! Das ist sein Wunsch, den aber auszusprechen, er zu feige ist, und darum jene culturhistorisch sein sollende Studie, die der Beschneidung den Gnadenstoß versetzet! soll. Doch das beunruhigt uns nicht, mag Herr A. — und seine Gesinnungsgenossen mit ihm — immerhin seine Kraft versuchen, an dem Koloß Judenthum zu rütteln, er bringt ihn nicht um den Bruchtheil des Tausendstels einer Linie von seiner Stelle, geschweige, daß er ihn Umstürze; es gelingt ihm nicht, so wenig es jenem Bauer gelungen ist, die Wiener ob des Ausbleibens der Donau in Erstaunen zu setzen, als er seine beiden Hände gegen die Donauquelle stemmte. — Daß aber ein solcher Mann sich Rabbiner nennt und als Rabbiner fungirt, und Mitglied einer Syno.de ist, die das Judenthum kräftigen und erhallen zu wollen vor-