Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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496 boxen Brüder in Deutschlack) opserfähig sind und für große Dinge große Summen gern und freudig spenden — das haben Sie schon oft aus den von unserer Zeitschrift, „Der Israelit," veranstalteten Sammlungen ersehen können. Es ist wohl selbstverständlich, daß uns bei Erstrebung dieser hohen Ziele die Vorschriften unserer Herl. Religion oder vielmchr die sichere Garantie der Beachtung derselben in erster Linie maßgebend sein müssen. Es ist dem verehrlichen Comite bekannt, daß vor einiger Zeit durch eine Zeitschrift, „die jüdische Presse in Berlin," eine Reihe von Anklagen gegen Herrn Charles Netter veröffentlicht wurden; auch uns haben später jene Briefe, aus denen die Anklage geschöpft wurde, im Originale Vorgelegen und wurde uns über den ehrenwertheu Charakter der Ankläger von glaubwürdiger Seite das Beste versichert; andrerseits wurde uns von dem ehrenhaften Mitglieds Ihres Comitv's, Herrn Leven, eine Anzahl Schriftstücke zugestellt, welche Herrn Retter gegen die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen vertheidigen sollen. Wir müssen gestehen, daß uns die darin geführte Verteidigung nicht ganz befriedigt. Herr- Erlanger bezeugt die Würdigkeit und den edlen Cha- -ratter des Herrn Netter; doch was beweist das heuttage für vollkommene, religiöse Zuverlässigkeit? Herr etter selbst weist die gegen ihn erhobenen Anklagen mit Entrüstung zurück, ohne einen andern Beweis vom Gegentheil vorzubringen als ein ziemlich vage gehaltenes Zeugniß des Oberrabbinen (Chacham B'aschi) von Jerusalem. Doch wir wollen von allem Dem absehen; wir Millen einmal annchmen, Herr Netter sei böswillig verleumdet worden, er stehe nicht in intimer Beziehung zu den Missionären, er dulde oder provocire keine Entweihung des Sabbats — selbst in diesem Falle würde uns die Person des Herrn Netter keine Garantie bieten für die oracte Ausführung unserer heiligen Religionsgesetze; denn 1) besitzt Herr Netter die dazu nochwendigen Kenntnisse nicht; sein Freund, Herr Erlanger, Abt uns die Versickerung, er (HerrN.) würde sich dieselben zn erwerben suchen, was eben beweist, daß er ttotf) nicht im Besitze derselben ist; 2) hat sich Herr N. in seinem ersten von der Alliance veröffentlichten Berichte in einer Weife über das Thorastudium, welches doch dem gesetzestreuen Juden die edelste, heiligste und wichtigste Beschäftigung ist, geäußert, die uns offen darlegt, daß Herr Nerr N. auf einem andern religiösen Standpunkte steht als wir. Uebechaupt, sehr geehrte Herren, mutz es, wenn wir gemeinsam Vorgehen sollen, klar werden zwischen uns. Wir haben die höchste Achtung und Anerkennung ftbr die Alliance und deren Vertreter; allein üt religiöser Beziehung genügt uns die von Ihnen auszugehende Beaufsichtigung des in Rede stehenden Unternehmens nicht. Wir sind bereits zum Zweckd der Colonisation Palästina s durch Glaubensgenossen die größten Anstrengungen zu machen, um ganz bedeutende Mittel herbeizuschaffen. Vorher verlangen wir aber, daß Sie darein willigen, daß von dem in Deutschland sich bildenden Somit e ein Aussichtsrath an Ort und Stelle etablirt werde, der die Aufgabe habe, für die stricte Ausführung aller religiösen Pflichten zu sorgen und dem in religiöser Beziehung Alles untergeordnet sein muß. Dieser Aussichtsrath soll bestehen 1) aus einem bereits längere Zeit in Palästina ansässigen tüchtigen Talmudgekehrten dum njoin1? ’ison, 2) ans einem solchen aus Deutschland zu Entsendenden, Z) aus einem ebenfalls aus Deutschland zu entsendenden Manne, der, wenn auch in geringerem Grade minu binr, dagegen im Stande sei, einestheils das deutsche Comite und die jüdischen Zeitschriften stets von Allem au fait zu erhalten, andrerseits uns und die von uns vertretene religiöse Richtung nach Außen hin zu repräsentiren. Dies ist der Modus, nach welchem es möglich sein wird, daß wir auch in dieser Beziehung mit der Alliance gemeinsam vorgehen. Wir glauben, daß es durchaus in Ihrem Interesse liegen wird, uns diesen Modus zu bewilligen, da wir nicht allein die Kosten dieses Ausfichtsrathes bestreiten, sondern voraussichtlich auch sehr bedeutende Summen zur Erhaltung der Ackerbauschule und zur Förderung der Colonisation zur Verfügung zu stellen in der Lage sein werden. : Seit Jahrzehnten glühen in Deutschland die Herzen frommer Israeliten für die Colonisation Palästina's durch Glaubensgenossen; jährliche Beitrags < Gescheute und Vermächtnisse werden dem Unternehmen in Fülle zusüeßen, und so wird es mit göttlicher Hilfe gelingen, dasselbe zu einer großartigen Blüthe zu entfalten. So möge denn Gottes Wohlgefallen über uns walten und unserer Hände Werk gelingen lassen. Möge Er Sie, geehrte Herren, erleuchten, daß ein Geist der Liebe, der Freundschaft, der Einigkeit uns dahin führe, gemeinsam das Gute zu erstreben und zu vollbringen. In vorzüglicher Hochachtung verharret eines verehrlichen Central-Comits's ergebenster Dt. Lehmann, Rabb. der isr. Religionsgesellfch. zu Mainz, rLäaotvwr SN cbef des „Israelit". Mainz, 23. Juni 1871.