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Der Israelit · 1871-06-21 · Heft 25 (21.6.1871) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 25 (21.6.1871)
Date
1871-06-21
Page
– (sequence 22)
Language
German
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492 Bücher der ^e^iaen Schrift der traditionelle Standpunkt allem Hi^t verschaffen, allein die richtige Auffassung lehren kann, weil wir ohne diese historische Mithilfe zu einer unabsehbaren Menge von Fehl- und Trugschlüssen, ZU den ungereimtesten Auffassungen gelangen müßten. Erhellt nun hieraus, daß die aus der berührten sprachlichen Kritik gewonnenen Resultate keinen Anspruch .auf Glaubwürdigkeit machen können, weil sie statt Licht nur Dunkelheit und Verwirrung bringen, so beweist auch der geschichtliche Inhalt selbst, daß hier eine andere Behandlungsweise, wie bei der profanen Geschichte, zur Anwendung zu bringen ist. Obwohl die heiligen Bücher fast speciell die Ge- .schichte hes jüdischen Volkes behandeln, so haben sie nichtsdestoweniger einen universellen, einen weltgeschichtlichen Charakter. Sie behandeln die Geschichte des Menschengeschlechts in seinem Ursprünge, in seinem allmähligen Entwicklungsgang; sie greifen dabei auf eine Zeit zurück, über welche kein Volk der Erde schriftliche Urkunden besitzt, über welche überhaupt feine Kenntnis; möglich ist, wenn sic nicht auf dem Wege göttlicher Offenbarung gekommen. In ihren einfachen Erzählungen spiegelt sich ab der vorbildliche Entwurf des späteren Menschenlebens in seinen verschiedenen Gestaltungen, der menschliche Geist in der Ordnung seines Denkens, die menschliche Brust in ihrem verschiedenartigen Fühlen, in ihren Stärken, wie in ihren Schwächen, die Verlockungen des Lehens in der Eigenthümlichkeit ihres Auftretens, die hier zu Grunde gelegten Anschauungen sind die allein vernunftgemäßen. Durch die jüdische Geschichte wird das Band allgemeiner Menschenliebe geflochten, indem hier alle Menschen von einem Paare abstammen. Wo sinden sich noch solche Momente für die allgemeine Menschenbildung? Wo tritt uns der freie Wille, die Befähigung zur sittlichen Erhebung, die Bestimmung zur Erstrebung einer höhern Vollkommenheit deutlicher entgegen, als in der einfachen Erzählung von Kain? Und das Gesetz der ewig waltenden Gerechtigkeit tritt uns anf den ersten Blättern in dem Naturgesetz: '->2 yy ns rwy, daß jede Frucht den Saamen zur Hervorbrrngung derselben Frucht enthält, in der anschaulichsten Weise entgegen. Aus der jüdischen Geschichte sind die Lichtstrahlen hervorgegangen, die der Erkenntniß der Wahrheit näher geführt haben; ans ihnen wird die volle Erkenntniß der Wahrheit noch hervorgehen. Hier, wo sich das reinste, mit der menschlichen Natur so innig harmonirende Sittengesetz mauifestirt, wo wir die Quelle des menschlichen Heiles sinden, ist die Verfahrungsweise der profanen Geschichte nicht zulässig. Aber, wendet man ein, über den Hohen Werth der heiligen Geschichte soll auch nicht gestritten werden; wir greisen jedoch aus derselben die schönen und herrlichen Ideen, die uns als Kern, als eigentliches Bildungselement erscheinen. heraus, ohne manche Geschichten, die den Charakter des Wunderbaren an sich tyigen, als wirkliche JHaHachcn aufzufassen. Allein was berechtigt zu solch einer Auswahl? Und würde nicht durch ein solches Verfahren die Wahrheit zur Mythe verkehrt werden? Erkennen wir aber nicht den Charakter des Wunderbaren in der täglichen Fügung des menschlichen Geschicks? Und wer wollte deshalb die wirkliche Thatsache bezweifeln? Ist denn aber dtirch das Stattfinden der in der heiligen Schrift erzählten Wunder die einmal eingeführte Weltordnung gestört oder abgeändert worden? Viele der Wunder, wie z. B. die in Egypten, waren ungewöhnliche Naturerscheinungen, herbeigeführt von der Gottheit durch uns unbekannte Ursachen, um den Glauben an die Allmacht, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit Gottes zu erwecken und zu befestigen. Und wo sich diese Wunder nicht auf Naturerscheinungen zurückführen lassen, da erklären uns unsere Weisen, rvtfötfn rw'OJp, daß diese Erscheinungen als besondere Ausnahmsfälle mit in den Weltordnungsplan ausgenommen wurden. Mithin haben wir auch hier an der Hand der Tradition die Ereignisse des Wunderbaren als wirkliche Thatsachen aufzunehmen, ohne daß es uns versagt wäre, nach dem Worte der Schrift: ybo paic’ e/’üsdi Jn dnj wo nm ro Wn nnnsj noD*? eine bildliche Deutung zu versuchen. So mögen wir immerhin beispielsweise in der Erzählung von der verbotenen Frucht ein Bild der Welt erblicken, diese Welt mit ihren Genüssen als Paradies ansehen, so lange der Mensch die Reinheit und Unschuld seines Herzens bewahrt, dessen er aber verlustig geht, sobald die begangene Sünde ihm zur Qual des Herzens wird; aber die Thatsache selbst ist historische Wahrheit. Daß der traditionelle Standpunkt für die Ertheilung des Unterrichts der heiligen Geschichte festgehalten werden muß, geht aber ganz besonders aus dem Umstande hervor, daß hier ein Werk unzweifelhafter göttlicher Offenbarung vor uns liegt. Mag in dett profanen Geschichte die Glaubwürdigkeit des Autors bezweifelt werden, weil derselbe je nach dem Parteiftandpunkte, den er einitimmt, je nach der Stärke oder Schwäche des Charakters, je nach dem Mehr- oder weniger Emgenommensein für diese oder jene Idee, sich oft einer einseitigen, nur nach beliebtem Ziele hinsteuernde Behandlungsweise^hingibt; mag hier aus reiner Oppositionslust die eine Tendenz der andern oft feindlich gegenüber treten, für die biblischen Bücher liegt die göttliche Autorität außer allem Zweifel, nnr» 'n shdo aroom r.on 'r. nzya mrnfci 'v •nimbn by ..Denn die Tafeln sind ein Werk Gottes, die Schrift eine Schrift Gottes, eingegraben in die Tafeln." Die hier niedergelegten Ideen sind nicht das Produkt einer Cognitio naturalis, einer durch die Anschauung der Dinge gewonnenen Erkenntniß, zu welcher

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