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Der Israelit · 1871-06-21 · Heft 25 (21.6.1871) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 25 (21.6.1871)
Date
1871-06-21
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Jß 5. (Pädagogische Beilage zu Nr. 25 des „Israelit", xn. Jahrg.) Müller für Mute und Haus Are profane und die Zeitige Kejchichfe. Von Moritz Fuld. Man begegnet so häufig der Erscheinung, daß Männer der Wissenschaft für die Behandlung des Unterrichts in der heiligen Geschichte den gleichen Maßstab, wie für die profane anlegen, dieselbe kritische Verfahr« ngsweife zur Anwendung bringen wollen, die für die profane gilt. Und doch besteht hier eine so himmelweite Verschiedenheit sowohl in sprachlicher Beziehung, als auch in Beziehung auf geschichtlichen Inhalt, hauptsächlich aber durch den Umstand, daß die heilige Geschichte eine, theils durch direkte göttliche Mittheilung, theils durch göttliche Inspiration übermittelte ist, daß hier die üblichen Uitischen Beurtheilungsmittel, die den logischen Denkgesetzen entnommenen Regeln für die Sichtung und Beurtheilung des geschichtlichen Stoffes, unmöglich dieselben sein können. Wenn bei dem Studium der Geschichte eines Volkes vor Allem eine gründliche Kenntniß von deffen Sprache erforderlich ist, weil daraus der Charakter des Volkes, seine Eigenthümlichkeiten, sein Culturzustand, seine Fortschritte auf dem Gebiete der Kunst und Literatur, wie seine religiöse Anschauungsweise hervorgehen, und diese Sprachkenntniß für die Völker abendländischer Zunge ohne allzu große Schwierigkeiten erworben werden kann, weil hier die Wort- und Sprachformen in mehr feststehenden Bedeutungen ausgeprängt find, auch gute Übersetzungen theilweise genügen können, so ergeben fich im Gegentheil Mm Studium der in der hebräischen Sprache geschriebenen heiligen Geschichte sprachliche Schwierigkeiten, die auf dem Wege gewöhnlicher Kritik nicht zur Lösung kommen können. Hier finden wir eine Sprache von einer Vieldeutigkeit der Wort- und Sprachformen, wie es wohl keine zweite gibt, eine Vieldeutigkeit der Partikeln, der Adverbien und Conjunctionen, die den Sinn des Satzes vielfach verändern und oft zu Deutungen führen können, die einander schnurstracks entgegentreten. Schon der Philosoph Spinoza, der bekanntlich in seinem „Tractatus Theologico- Politicus“ von keinem gläubigen Sinne geleitet ward, gibt diese Schwierigkeit des hebräischen Sprachcharakters zu, indem er sich in folgender Weise ansdrückt: Prima oritur in Bibliis saepe ambiguitas, et orationum obscuritas ex eo, quod literae ejusdem organi unae pro aliis sumantur. Secunda deinde oritur orationum ambiguitas ex multiplici conjunctionum et adverbiorum signifieatione. Ex Gbr. i vau promiscue inservit ad conjungendum et disjungendum significat et, sed, quia, autem, tum. ’D septem aut octo habet sig* nificationes, nempe, quia, quamvis, si, quando, quemadmodum, quod combustio etc,, et in fere omnes particulae. Tertia est, et quae multarum ambiguitatum fons est, quia verba in Indicativo carent Praesenti, Praeterito-Imperfecto, Plusquamperfecto, Futuro-Perfecto et aliis in aliis linguis usitatissimis, in Imperativo autem et infinitiyo omnibua praeter Praesens et in Subjunctivo Omnibus absolute carent. Die erste Zweideutigkeit und Dunkelheit der Rede in den biblischen Büchern entsteht daraus, daß die Laute eines und desselben Sprachorganes für einander genommen werden. Die zweite entsteht aus der vielfachen Bedeutung der Conjuncttonen und Adverbien. So dient beispielsweise das Wav i als verbindendes und trennendes Bindewort; es bedeutet: und, weil, aber, überdies. '2 hat sieben oder acht Bedeutungen: nämlich, weil, obschon, wenn, wann, wie, daß, das Verbrennen zc., und so fast bei allen Partikeln. Die dritte, welche die Quelle vieler Zweideutigkeiten ist, besteht dahin, daß die Verba im Jndicativ weder Präsens, noch Jmperfect, noch Plusquamperfekt, noch futurum exaetum, noch andere in andern Sprachen sehr gebräuchlichen tempora haben, daß sie im Infinitiv aller Zeiten, außer dem Präsens, und im Conjunctiv aller Zeiten entbehren. Zu diesen drei Schwierigkeiten der Schriftdeutung rechnet er noch die vierte, daß in der ältesten Zeit keine Vokalzeichen existirten, mithin die Leseart in versch edener Weise stattfinden konnte. Wenn nun ein vollendeter Skeptiker die Resultate feiner Versuche bezüglich der Schriftdeutung wegen der obwaltenden Sprachschwierigkeiten als wenig glaubwürdig, als wenig zuverlässig hinstellt, so muß doch daraus erkannt werden, daß Angesichts dieser sprachlichen Schwierigkeiten eine aus den gewöhnlichen Regeln der sprachlichen Kritik gewonnene Ansicht durchaus keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat, ja daß bei Beurtheilung der

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