Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1871)
- Date
- 1871-06-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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480 Leipzigs als Sitz des Ceutralcomitös, von welchem aus die Agitation für den Gemeindebund zu unternehmen fer, m Vorschlag, wogegen HerrProschs« De. Lazarusaus Berlin erklärt, daß der Berliner Gemeindevorstand die Sache wohl schwerlich in die Hand nehmen werde, da. er regekmäßig bei verschiedenen allgemeinen Angelegenheiten, in denen er sich an die deutsch-israelitischen Gemeinden, insbesondere des preußischen Staates, gewandt, sehr traurige Erfahrungen gemacht habe.*) Herr Kulp aus Insterburg erklärt die seitherige Theilnahmlosigkeit der Gemeinden daraus, daß die wenigsten Gemeindemitglieder Kenntniß von den an die Gemeinden ergangenen Zuschriften erhalten hätten, letztere vielmehr in den Händen Einzelner liegen geblieben seien, und räth zur Verallgemeinerung der Agitation die Bildung von Zweigvereinen an. Herr Wolf aus Wiesbaden schlägt, wenn 100 Gemeinden nicht zusannnenkommen sollten, eine Vereinigung einzelner Personen, nicht der Gemeinden, nach dem Muster der „Alliance Jsr. Univ.", vor. Herr Dr. Calm kommt in Folge der Erklärungen des Herrn Professor Dr. Lazarus von seinem Vorschläge, daß von Berlin aus die Bewegung für den Bund ausgche, zurück und gibt den Rach, Wanderboten von Gemeinde zu Gemeinde als Agitatoren zu senden, jedenfalls aber an dem Gelingen des Bundes noch nicht zu verzweifeln. Nach einer persönlichen Bemerkung des Herrn Prof. Dr. Lazarus, weist Herr Wolf aus Wiesbaden den Vorschlag, Wanderboten auszusenden, zurück, da dieselben viel kosten und wenig nützen würden. Herr Kohner bemerkt hierauf: Die Discufston bestätigt, welch' ein Glück es für den Menschen ist, daß er nicht in die Zukunft scheu kann und nicht Alles weiß. Hätte ich die deutschen Gemeinden so gekannt, wie ich sie bis jetzt kennen gelernt hocke, so hcftte ich vor zwei Jahren gewiß nM den Muth gehabt, an die Gründung eines Gemeindebundes zu denkennun aber kommt es doch zu einem Resultate. Herr Dr. Calm wiederum kannte die Erfahrungea. des Berliner Vorstandes nicht und wollte ihm mit dem Gememdetage ein Geschenk machen, und Herr Wolf kennt unsere Thätigkeit nicht, er weiß nicht, daß wir »ns seit zwei Jahren fortwährend an Privatpersonen auch gewendet haben, wie die Statuten dies ja ausdrücklich gestatten. Wären die Privatpersonen lebhaft, so wären auch die Gemeinden lebhafter. Wer in reale Verhältnisse organisatorisch eingreifen will, der muß es mrt dem Kohol insgesammt zu thun haben; sonst erlangt er keinen Emfirch nach außen, den Behörden gegenüber. *) Anm. der Red.: Wir find begierig, zu erfahren, bei welcher allgem. Angelegenheit der Berliner Gemeindevorstand jemals die Initiative ergriffen hat. Wollen wir die Gemeindekafsen in Ansehung des Bettlerwesens beeinflussen und veranlassen, daß das nutzlose Geben emer nützlichen OrgamsiMn Leiche, so können wir dies nur wenn wir die Gemeinden selbst als Mitglieder haben: Gleiches gilt bei der Pensionirung von Beamten cr. Wenn wir aber eine längere Mühe auf die Erziehung unsererGemeiuden anwenden, so schadet das sicher nichts. Es handelt sich ja nicht nur um Beschaffung von Geld, allein damit ist es nicht gethan; es muß vielmehr eine moralische Erhebung, ein Etwas in das Bewußtsein der Gemeinden gebracht werden, was sie noch nicht wissen, es muß ein moralisches Element geweckt werden , und dies geht nur durch einen Bund von Gemeinden. Die Zahl von 100 Gemeinden haben wir feftgehalten, um wenigstens annähernd eine Einheit über gern Deutschland zu erreichen, ein weites Netz über alle Theile. Sollten wir es nur bis gu 95 bringen, so bin ich dann auch nicht so halsstarrig, auf die letzten fiinf unbedingt zu bestehen. Ich muß aber Manchem der geehrten Redner bemerken, so viel Interesse sie auch persönlich bekundet haben, daß ihre eigenen Gemeinden noch nicht dem Gemeindebunde beigetreten find. Cs wäre daher sehr zweckmäßig, wenn die anwesenden Herren dafür sorgten, daß hinter ihnen künftig ihre Gemeinden stehen. — Man betonte die Benutzung der Presse, aber wie sotten wir Leser findend Vielleicht, wenn wir unsere Veröffentlichungen in die Börsenzeitung setzen lassen? (Heiterkeit.) Da haben die Einen keine Zeit, die Andern stehen zu erhaben da! Die Gründung eines neuen Blattes aber wäre eben so mühsam, wie die Gründung des Gemeindebundes selbst. — Was die Orthodoxen betrifft, so ist es gewiß nunmehr vollständig klar geworden, daß der Gemeindetag nicht treefe nnd daß er nicht mit der Synode identisch ist. Sie werden daher auch zugänglicher und beginnen, uns zu unterstützen. Wenn man von gewissen Seiten behauptet hat, der Gemeindetag wolle die Erbschaft der „Alliance Univ." an sich reißen, so kann das sicher Niemand glauben, der mit unseren Arbeiten vertraut ist. Zeigt doch selbst die heutige Tagesordnung, daß wir mit der „Alliance Univ." in Verbindung treten wollen. Ich habe Herrn Cremienx im November 1869 in Berlin persönlich die Allianz mit unserm Gemeindebunde angeboten, sobald dieser erst gebildet sein wird, denn nach meiner Auffassung soll die „Alliance Univ." eine Stütze für uns sein, sie möge die externen Angelegenheiten besorgen, da wir mft dem Auslande sehr viele Beziehungen haben; daher ist das Bestehen der „Alliance Univ." in vieler Beziehung eine Lebensfrage für den Gemeindebund. Herr Hagelberg aus Dessau äußert Bedenken gegen momentane Anknüpfung von Beziehungen mft der „Alliance Jsraelite Universelle," ebenso Herr Dr. Calm. Herr Profeffor Dr. Lazarus meint, daß es den