Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1871)
- Date
- 1871-06-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XD. Jahrgang. Beilage zu Nr. 25 des Zsraelit. geitungsnaehriehten und Gorrespondenze«. Devtschland. Corlsvuhe Ein schweres Unglück hat die hiesige israel. Gemeinde getroffen. Die Mitglieder sind in liefe Trauer versetzt. Unser ehrwürdiges nDJDn ist nicht mehr. Die heilige Stätte, an welcher wir tagtäglich unser Gebet verrichteten, wo wir so oft in ernster wie in fteudig erregter Stimmung unsere Augen zum Himmel emporgehoben, wo wir in den Tagen der Freude unseren Dank ausgesprochen und in Zeiten des Kummers Trost und Beruhigung gesucht und gefunden, sie liegt in Asche. In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai brach in dem Hinterhof eines Hauses der Kronenstraße Feuer aus. Die hiesige Feuerwehr, welche durch ihre nicht genug anzuerkennende Tüchtigkeit in der Regel einen Brand in kürzester Zeit bewältigt, trat diesmal gleich bei ihrem Erscheinen einen so ausgebreiteten Feuerheerd, daß an eine Rettung der vom Feuer ergriffenen Gebäude schon nicht mehr zu denken war. Eines der ersten Gebäude, das dem schrecklichen Elemente zum Opfer fiel, war die bereits feit nahezu 50 Jahren bestehende sogenannte Frühsynagoge. Dank dem Allmächtigen wurden die mm nr>D aus derselben gerettet, jedoch schon nicht ohne Gefahr, da dieselben bereits in Flammen standen. Dem Bäckermeister L. Sttauß gebührt das große Verdienst dieser muthigen und gefährlichen That der Rettung, welche um so höher veranschlagt werden muß, als das Wohnhaus eben dieses Sttauß bereits in Flammen stand und von seiner Habe nur wenig gerettet werden konnte, 3ivn ro» 'n. Die Gefahr lag sehr nahe, daß auch die Waldhornstraße von dem Feuer ergriffen werde, und ein Hinterhaus derselben war bereits von dem verzehrenden Elemente ergriffen. Es bedurfte der angestrengtesten Thätigkeit und Ausdauer, diese das ganze Quadrat schon bedrohende Gefahr abzuwenden. Trotz aller Anstrengung konnte aber nicht verhütet werden, daß die Frauensynagoge gegen 2 Uhr Feuer fing. Durch vieles Holzwerk genährt, cheilte sich die Flamme bald dem Dachstuhle der Synagoge mit, welcher nach etwa einer halben Stunde mit schrecklichem Krachen herunterstürzte. Doch wurden auch hier alle min nsD n"3 rechtzeitig in Sicherheit gebracht, auch viele Gebetbücher und Gebetmäntel konnten hier noch gerettet werden. Jetzt bezeichnen 4 kahle Mauern die Stätte, wo noch am jüngsten royntp ein sinnig verziertes herrliches nojan n»3 gestanden, und der heranbrechende Tag beschien zwei in Asche gelegte Synagogen. Mit düstrer Wchmuth lesen wir noch am Eingang des Vorderhauses der großen Synagoge, das theilwerse stehen geblieben, die in Gold prangende Aufschrift: "i n’3 ly» nn© tun ibn. Das Thor steht noch, das Gotteshaus aber, zu welchem wir so oft durch dieses Thor eingezogen, liegt in Trümmer, om’ 3ian 'i. Der Allmächtige tröste uns urü> trockene unsere Thränen durch den baldigen Aufbau eines n'3, das echt religiösen Interessen wahre unreelle Befriedigung gewähret. Ueber die Hoffnungen und Befürchtungen, die sich an dieses ttaurige Ereigniß knüpfen, ein andermal, heute versagt meine Feder hiezu noch den Dienst. Erwähnung verdient aber gewiß noch folgende Episode. S. K. Hoheit der Großherzog war alsbald nach Ausbruch der Feucrsbrunft an die Brandstätte geeilt und war bald da bald dort selbst thätig, die nöthigen Anordnungen zu treffen. Der Vorstand des hiesigen Synagogenraths, Herr Bielefeld, der bei dieser Gelegenheit die Ehre genoß, S. K. Hoheit zu sprechen, äußerte gegen Hochdenselben unter Anderem, es sei nun der Streit wegen des Baues einer neuen Synagoge, der seit langer Zeit die hiesige Gemeinde in Auftegung versetzte, durch die Elemente entschieden. Ja, antwortete S. K. Hoheit in hochherziger Weise, aber leider durch eine sehr ttaurige Veranlassung, denn es könne nicht fehlen, daß sehr viele Mitglieder der Gemeinde noch eine große Anhänglichkeit für die ehrwürdige Stätte bewahrten, an welcher sie so oft ihren Gefühlen der Freude und des Leides vor Gott Ausdruck gegeben. Ehre dem Fürsten, der von solch edler Gesinnung beseelt ist und Heit dem Lande, das von einem so edlen und hochherzigen Fürsten regiert wird. Leipzig. (Schluß.) Herr Kohn aus München eröffnet die Debatte, indem er Namens seiner Gemeinde dem Ausschüsse für sein Stteben Anerkennung zollt und mit Rücksicht aus die zu Stande gekommene deutsche Einheit, auch die deutsche Judenheit zur Einigkeit ermahnt. Herr Aron aus Stettin wünscht, ohne den Beitritt von 100 Gemeinden abzuwatten, jetzt schon Constituirung des Bundes, da die Höhe der zu leistenden Beiträge die einmal beigettetenen Gemeinden nicht abschrecken würde, und behält sich Vorschläge wegen der Wanderbettelei vor. Herr Advocat vr. Calm aus Bernburg, jetzt am Bundesoberhandelsgericht hier, bringt Berlin an StÄle