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Der Israelit · 1871-06-21 · Heft 25 (21.6.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 25 (21.6.1871)
Date
1871-06-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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477 selben ein bequemes Gebäude zu ihrer ersten Mterbrin- Mng, reichlich versehen mit allem Erforderlichen, errichtet. Seit dem Friedensschluß zwischen Deutschland und Frankreich erwartet man Zuzug. Sollte die Zahl der Einwaudernden sich bedeutend vergrößern, so wird das Comitä, entsprechend seinen Mitteln, nur zeitweise Unterstützungen und Vorschüsse gewähren, jedenfmls aber dafür Sorge tragen,^>aß die Eingewanderten in solchen Districten untergebracht werden, wo die klimatischen Verhältnisse und bie Bodengestalt es ihnen ermöglicht, bei entsprechender Thätigkett ihr Brod zu verdienen. Für die in Folge einer Ueberschwemmuna nochleidenden Glaubensgenossen wurden 1023 Dollars gesammelt Für die All. isr. wurden 500 Doll, votirt. Die Gründung einer „Gesellschaft zur Veröffentlichung hebräischer Werke" wurde beschlossen. (Jew. Meff.) Feuilleton. Irrr rechten Zeit. XIV. Ein GottesurLheil. Als der Regen herniederzuströmen begann, hatte der Hofprediger den Garten verlassen und war in sein Studirzimmer geeilt. Es war dasselbe Zimmer, welches einst dem Hofagenten als Arbeitscabinet gedient hatte. Der Hofprediger stellte seine Pfeife in das dafür bestimmte Gestell, zog seinen Schlafrock an und ließ sich bequem in den Lehnstuhl nieder. „Der Fürst," sagte er vor sich hin, „kann diesen Mathan nicht vergessen; er rühmt seinen Edelmuch, seine Wohlthätigkeit, seine Uneigennützigkeit. Was die beiden ersten Tugenden betrifft, so gestehe ich zu: der Jude besaß sie in reichem Maaße; was aber die Uneigennützigkeit betrifft, so glaube ich nicht daran. Ein Jude und uneigennützig, das reime ich mir nicht zusammen. Immerhin ist es auffallend, daß man so wenig baares Geld, kein Gold und keine Diamanten bei der Haussuchung gefunden hat. Ein paar lumpige tausend Thaler in Silber und etwas Silberzeug, das war Alles, was sich vorfand. Auch seine Ausstände waren nicht bedeutend. Und doch machte er sehr glänzende Geschäfte, stand mit den reichen Juden in Frankfurt, Hamburg und Amsterdam in Verbindung. Der Mann muß ganz bedeutende Schätze besessen haben. Doch, wohin fyot er ffie getforrri Sollte er sie im Keller oder im Garten vergraben habend Ich glaube es nicht. Unsere Bauern vergraben wohl ihre Schätze; aber -die Juden, die sich bei den stets drohenden Verfolgungen immer bereit zur Flucht halten, legen ihr Gut gern in Gold imb Diamanten an und Hütten es sich zur Hand. Vielleicht Hi irgendwo ein geheimer Wandschrank angebracht? Vielleicht gar hier in diesem Zimmer, das des Juden Eabinet gewesen? Ah, das wäre schön, wenn ich einen Schatz färtde! Dann würde ich dir den Rucken wenden, Hohenburg, dir.und deinem albernen, grämlichen Fürsten! Daun zöge llh in eine große Stadt und lebte von meinen Reuten, dann brauchte ich mich nicht mehr Mit predigen zu plagen und könnte lustig leben und in Freuden. Ich will wenigstens suchen. 'Keine Stelle im ganzen 'Hause soll ununtersucht bleiben, und ttttt diesem Zimmer will Äh den Anfang machen." Er öffnete die Thüre. „Katharina," rief er, „ lasse mir Mein Abeüdeffür auf mein Zimmer bringen; ich habe zu thun, Ich will nicht gestört sein!" Eine Magd brachte das Esten; als sie -sich eftWüt hatte, verschloß der Hofprediger die Thüre. Drüm Aahm er ein Kästchen mit allerlei Werkzeugen zur Haüo Md fing an, die Mauer zu untersuchen; er klopfte Un die Wand, von der es dumpf zurücktönte; er klopfte bald vben, bald unten, bald Inder Me — da klang es Ml. „SvQTjxal*)“ rief sübelnd der Geistliche. Gr klopfte wieder und wieder: es klang hohl zurück. Aber keine Spur zeigte sich von einer Thüre, einem Schlösse. Er nahm ein Messer linb fuhr über die Ä; er stieß es hinein, und siehe es drang ein; hier war keine Mauer, hier war Holz. Mit dem größten Mftr fetzte er seine Nachforschungen fort; er hörte nicht wie draußen der Wind tobte, wie die Bäuine im Garten gebrochen oder entwurzelt niederftürzten, er sah nicht, wie die blauen Blitze herniederschlängekten uitfe taghell die Finsterniß erlerüMen, er hörte nicht die furchtbaren Donnerfchläge, die das Echo des Gebirges Mt dumpfem Getöse weiterrollte; er suchte und suchte; er riß die Tapete von der Wand, und fand die Thüre und endlich auch das Schloß. Sorgsam hatte er alle Schlüssel an sich genommen die sicb im Haüse vorgefundett; es waren ihrer Viole, und er mußte lange suchen. Endlich blieb sein MB au einem haften, der gar sonderbar gestaltet war.; dieser Schlüffel hatte keinen Bart, sondern nur Zahne; er nahm ihn und steckte ihn ins Schloß, und siche, d«» kaum Gchoffte traf ein, der Schlüssel paßte; er drückte ihn hinein und drchte ihn bequem herum. Da wurde heftig an die Thüre gepocht. Äergerlüh wandte sich der Hofprediger um. „Was gibt es?" fragte er. „„August,"" rief seine Fmu, „„es wüthrt em furchtbares Gewitter draußen, wie seit Monscheuged«»- ken keins gewesen; die Kinder fürchten sich gar Ar; o, komm heraus und hilf mir sie beruhigen."" *) Ich habe gefunden!

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