Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1871)
- Date
- 1871-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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474 Aeit«ttgsnaehvL«hten «nd Gorieefpondenzen. Deutschland. Mroczen. (Prov. Pos.) Sivan 5631. (Privat- Mittheilung.) Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, auf einer Reise im Herzogthume einer erhebenden Feier beizuwohnen, nämlich der Grundsteinlegung zu einer Synagoge am hiesigen Orte. Die hiesige Gemeinde, früher wohlhabend, besteht jetzt nur noch aus circa 45 Mitgliedern, da ein großer Therl der Mitglieder nach den nächftgelegeneu größeren Gemeinden übergesiedelt ist. Die Gemeinde sah sich daher außer Stande, aus eigenen Mitteln den Neubau einer Synagoge auszuführen, nachdem auf obrigkeitlichen Befehl rie alte Synagoge wegen Baufälligteit geschlossen werden mußte. Die K. K. Regierung ertheilte daher, nachdem die Mitglieder der Gemeinde aus eigenen Mitteln circa 800Thlr. aufgebracht hatten, kürzlich die Genehmigung zu einer Collecte in der Provinz, deren Erfolg hoffentlich den Erwartungen entsprechen wird, um die Gemeinde, eine der ältesten im Herzogthume, in den Stand zu setzen, recht bald wieder ein, wenn auch ein einfaches, doch würdiges.ibsn n'2 zu besitzen. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Vr. Sohn aus Nakel in ebenso geistvoller wie erhebender Weise. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Herr vr. Güdemann, der in richüger Auffassung der Sachlage wohl weiß, daß er in die neologe Clique nicht paffe, und daß er bei den von vr. Jellinek angezogenen und verzogenen Rabbinen des so! (üsant Beth-Hamidrasch keine persona grata sei, da er eine ganz andere Richtung verfolgt als Herr vr. I. und dessen Anhang, hält sich absichtlich von jeder Function in dieser sogenannten Lehranstalt ferne, und es ist ihm dies gar nicht zu verargen, es verdient vielmchr dieser Entschluß die volle Billigung eines jeden unparteiisch urtheilenden Mannes. Voriges Jahr wollte Serr vr. G. auf mehrmaliges Ansuchen der Rcwbinatsandidaten, die von jedem ohne Unterschied lernen möchten, welcher Richtung auch immer er oder sie angehören, ihnen 2 mal in der Woche über Nachmanides in den Localitäten genannter Anstalt vortragen, zumal Herr Vr. G. im selben Hause wohnt. Aber man hat die Rechnung ohne den Wirth gemacht, denn Herr vr. I. machte einen Sttich durch dieses Project und ließ Herrn vr. G-, der eben im Begriffe war, gefolgt von seinen Hörern, diese geweihten Hallen jut betreten, so zu sagen die Thüre vor der Nase zusperren; der Diener mußte nach ihm gewordenen Instructionen dem officiellen Aufträge gemäß handeln, weil Herr vr. G. den unerhörte Ettiquette-Fehler beging und es vergaß, zuvor die abzuhaltenden Vorträge beim Gründer der Anstalt äsvotsst und submissest anzumelden. Herr vr G. wollte die Sache nicht auf die Spitze treiben, und es blieb ihm nichts übrig, als in seiner eigenen Wohnung die Herren zusammenArnmen zu lassen. Wie». Der bekannte Orientalist vr. Max Leteris ist, wie bereits gemeldet, ain 19. Mai Abends nach einer längeren Krankheit verschieden. 1804 zu Lemberg geboren, entstammte er einer alten holländischen Buchdruckerfamilie, Halewi genannt, die unter König Johann III. Sobieski, nach Galizien kam und unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia ihren jetzigen Namen annahm. Lettens, welcher eine gute Vorbildung und später Gymnasial-Unterricht genossen, bezog im Jahre 1826 die Lemberger Hochschule, wo er vornehmlich das Studium der orientalischen Sprachen betrieb, aber auch die anderen Sprachen und Literaturen, insbesondere deutsche, italienische und französische, pflegte. 1821 kam er nach Wien, wo er mehrere Jahre die orientalische Druckerei des Anton Edlen von Schmid leitete und geschätzte Ausgaben hebräischer Werke besorgte. 1840 übersiedelte er nach Prag, wo er bis 1848 der orientalischen Abtheilung der Haase'schen Hofbuchdruckerei Vorstand. 1848 kehrte er nach Wien zurück und fand einige Zeit Verwendung in der Hofbibliothek, gab aber bald diesen Dienst auf und lebte als Privatgelehrter. Als Schriftsteller war Letteris überaus fruchtbar. Sein erstes Werk veröffentlichte er im 18. Lebensjahre und blieb unermüdlich in seiner Thätigkeit, welche sich fast ausschließlich auf orientalischem Gebiete bewegte. Selbst Dichter, bereicherte er die jüdische Literatur mit einer Reihe von Nachdichtungen aus der elastischen Literatur der alten wie modernen Völker Meisterhaft sind seine Nachbildungen der „Ilias", der „Athalie" und der Esther, von Racine, vieler Gedichte Schmers und Byrvn's, der arabischen Dichter und Geschichtschreiber, und eine dem Geiste der hebräischen Poesie entsprechende Umdichtung von Göthe's „Faust" („Acher") Auch linguistisch-kritische Werke, namentlich ein geschätztes Lexikon, wie seine Beittäge zur Geschichte des älteren Judenthums halsen seinen Ruf vermehren. Letteris, der 1844 das Diplom eines Doctors der Philosophie von der Universität Erlangen erhielt, stand im regen Verkehr mit hervorragenden Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit. Für die jüdische Literarur ist sein Tod ein großen Verlust. Letteris, der Mitglied der „SooiötA Asiatique," des „Institut d'Asrique und der deutschen morgenlandischen Gesellschaft zu Leipzig ung Halle gewesen , war auch vom Kaiser durch Verleihung der Medaille pro leteris et artibus ausgezeichnet worden. Aus CiSleilhanien Letzthin waren in Ihrem