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Der Israelit · 1871-06-21 · Heft 25 (21.6.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 25 (21.6.1871)
Date
1871-06-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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unk Wichtigsten des Referats zu kommen. Alles, was- Here R. bisher über die Beschneidung gesprochen; ist höchst - harmlos gegen das. was nun kommt; ist doch durch das Räsonnement - das Wesen der Beschneidung!: im- 1 Ganzen und Großen nicht tangirt, es ist eben eine Ppincipienfrage, die sich: an dieselbe knüpft — doch jetzt erhebt sich die Priesterhand des hochweisen und gelehrten Rabbi zu Alzey zum Steinwurf — nein — zum Kothwurf gegen erne geheiligte Institution des Judenthums, von der es heißt nmna 2"' '’ty ■ wrow-. Wenn sich auch mein ganzes Innere dagegen sträubt, die Schändlichkeilen zu wiederholen, die Herr R. mit cyniicher Rücksichtslosigkeit' dem Publikum zum Besten grbt: so muß es doch um des Verständnisses willen geschchen, und um zu zeigen, daß das Gebühren des Hetrn Rabbiners zu Alzey nichts ist als Frivolität, und den Argumenten auch nicht der leiseste Schatten von Wissenschaftlichkeit eigen ist. „Ueber die wirkliche Bedeutung deS Aktes läßt sich freilich nicht mit Sicherheit abschlichen." Das also gesteht doch Herr R. und dennoch wagt er es immer, mit dem „wir glauben," Hypothesen aufzustellen, die Schauder erregen. „Wir glauben wohl' an einen Zusammenhang mit dem Heidenthum (!!), aber denken doch nicht an eine Vertretung oder eigentlich Verdrängung des Molochdienstes, indem man blos ein symbolisches Blut-, statt eines realen Kindesopfers dargebracht habe. Wir glauben vielmehr, daß die Ceremonie mit dem heidnischen Phallus- und Linghamdienst Beziehung hat. (!N) Die Erlebnisse Abrahams in Egypten und Gerar weisen darauf hin."... „Auf den hewnischen Ursprung verweist auch die ursprüngliche Vornahme des Aktes in dem dreizehnten Jahre, dem Alter der Pubertät im Orient. Der Zweck war nämlich eine Heiligung und Weihe der natürlichen Schöpfer- und Zeugungskrast.". „Durch die Beschneid»ng des achttägigen Kindes wurde dieser heidnisch-naturalistische Standpunkt verrückt und der Fertilität sogar durch' Abhärtung und verminderte Reizbarkeit entgegengewirkt. Man behielt die Sache, die Ceremonie, welche man nicht entfernen konnte, bei, aber nahm ihr den ursprünglich heidnischen Character." Dieses ist nun, was der ehrwürdige Herr Rabbiner zu Alzey über das Wesen der Beschneidung evgrübelt und erklügelt hat: heidnische Institution, ja noch mehr: Phallusdienst! Dahin wäre also unsere auch von den Feinden fangestaunte und bewunderte Gesetzeslehre gekommen, dahin unser so durch und durch göttliches, durchgeistigtes und verklärtes Judenthum, daß nicht, die außerhalb desselben Stehenden, sondem die Kinder dessen ben, ja noch mehr diejenigen, die sich als die Träger ' und Erhalter deffelben so gem anschen, in seinen Institutionen blindes, ja grausmerregendes, scheußliches Heidenthum wittern, so daß ihnen die Beschneidung nichts Anderes ist, als ein refvrvürter Phaüusdlerstt! Es ist hier nicht der Platz des Näheren auf den Phaüusdienst einzugchön, aber Astdeutungen Muffen wir geoen, um die Tragweite der Worte des Herrn R. darzulegen. Der Phaüusdienst ist die Verehrung der gröbsten Sinnlichkeit und knüpft bei den Indern an das Liebesverhältniß Schiwa's und Parwati und bei den Aegypten an die Wiederfindung des Osiris an; die Feste waren orgiastische Rasereien; in weichen jedes'Schamgefühl begraben, und die zügelloseste Wildheit b«d«W" Geschlechter zu einem religiösen; verdienstvollen Werker^- hoben wurde; viehische Gemeinheit war geboten/ dM tchranken der Zucht und Sitte niederreißend, die auchdiö' emgkeit der Ehe nicht verschonte. In Aegupktt fii« es die Priapusfefte, in Vorderasien die der Asthürte u# Mylitta, bei den kleinasiatischen Griechen aüfLaMpscckos^ die der Cybele, auf Taphös die der VsMS und' i&i( eigentlichen Griechenland die Dionysien oder Bacchüna^ lien. Bis zum Wahnsinn gesteigerte sinntichd'Leiden^ schüft und Befriedigung derselben ist die Signatur dieser Feste, die sich unter dem Namen Phallus'oder Lin^-" hamdienft zusammenfasfen lassen. So war der P«M dienst, zu dem Israel in der Wüste von den Töchterk^' der Midjaniten sich verführen ließ- und das!' die gattze^ Strenge des göttlichen Strafgerichtes herausforderte, erM fhallusdienst; so scheint auch: das Götzenbild, das der-' önig Assa verbrennen ließ, (2. B. d. Chr< 15, 1C)- nach der Auffaffung unserer Weisen ein PHMusbild grv wesen zu sein. (Vergl. Löwy rn-.p2 s. v. psn der auch die Benennung dieses Bildes als rnrvrv mit' Phallus zusammenstellt.) Und mit diesem Dienst soll die Beschneidung Berührung haben? Man habe der Ceremonie nur die naturalistische Seite genommen? Unsere Lehre, deren Triumph die Besiegung der" Sinnlichkeit/ deren Lebensprinzip Keuschheit ist, hätte auch ' den leisesten Nachklang jener heidnische« GräuekinJsrael geduldet? Ja, wäre die leiseste Berührung' rmt mW^ jenem Götzendienst zur Zeit der Offenbarung -gewesen;' wäre die Beschneidung je ein Phallusdienst gewesen. sie' wäre nicht allein nicht geboten, ffie wäre streng untersagt worden, wie wir es bei dem Verbot v'pri .12UV finden, zu dem unsere Weisen "die bSüttnnte Bemerkung machen 'im nnfcn- 'v'2 r>2inn Es ist aber eben eine Unwahrheit, daß' die Btzschneidnng 1 je ein Theil jenes abscheulichen Götzendienstes war, sie widersprach überhaupt dem Geiste — wenn dieses Wort dabei angewendet werden kann — deffelben. (Schluß folgt.)

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