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Der Israelit · 1871-06-21 · Heft 25 (21.6.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 25 (21.6.1871)
Date
1871-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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472 r Juden ihrem eigenen Vaterlande wiedergegeben werden sollen, und ihre ganze Nation hlickt sehnsüchtig auf jene Wiederherstellung. Deshalb sind sie nicht so interessirt an der Wohlfahrt Englands wie Andere. Es ist nicht ihre Heinrath, Mvern nur der Ott ihres Aufenthaltes, die Zelle ihres Gefängnisses. Dieses Argument gehört jener Clafse von Sophismen an, durch welche die hassenswetthesten Verfolgungen leicht zu rähtfettlgen wären. „Leuten praktische Folgerungen aufzubürden, welche sie selbst bestreiten, ist unaufrichtig bei einem Rechtsstreit, es ist in staatlichen Dingen nichtswürdig. Es ist geradezu unmöglich, von den Ansichten, zu denen sich Jemand bekennt, auf sein Gefühl und seine Handlungsweise zu schließen: und in der That, Niemand ist ein solcher Narr, diesen Schluß zu zichen, außer wenn er einen Vorwand braucht, um seinen Nächsten etwas anzuhängen. Einem Christen ist mit den heiligsten Geboten eingeschärft, in all' seinem Thun rechtschaffen zu fein. Und doch wie vielen von den vierundzwanzig Millionen JäfitolUftn des.Shüsteuthums auf dieser Insel würde Jemand, der bei Sinnen ist, tausend Pfund Sterling ohne Sicherheit leihend Wer nur einen Tag in seinem Verhalten von der Voraussetzung ausgehen wollte, daß alle Welt um ihn herum unter dem Einfluß der Religion verfährt, die sie bekennt, der würde noch vor dem Abend sesnen eigenen Ruin erlchen; und es fällt auch Deinem eiy, ist irgend welchen alltäglichen Beziehungen pch Lehens, beim Borgen, Leihen, Kaufen Ker Verkäufen, durch jene Voraussetzung fein Thun bestimmen zu lasten. Aber wenn es darauf anfommt, eines unserer Mitgeschöpfe zu üuterdxücken. so ist die Sache ganz „Mas Mische Lesest verbietet Habsucht. Aper siele uns ein , zp sagen, patz ein Jude als Pfandverleiher das ihm Vexfafleno nicht ssintteibpn werde, weil ihm Gqtt gchyLbn, seines Nächsten Haus nicht zu begehren, so würde sich Jedermann denken, daß wir yon Sinnen warssn. plnd doch gilt es für ein Argument, wenn man sqgt, ein Jude nehme fein Interesse an der LVohlfahtt des Landes, in welchem er lebt, ein Jude kümmere sich nicht darum, wie schlecht im Lande die Gesetze und die Polizei, wie es sibepmaßig besteuert sei, wie oft es erobert wprden und der Plunderupg anheimgpfallen sei, , darum naMich, weil Gott verheißen hat, daß vermöge Gend welcher unbekannter Wistel und Wege zu irgend welcher uppMmmten Zeit, vielleicht von hepte über tsausend Jahre, hie Juden nqch Palästina wandern en! Liegt darin nicht ein über dw Waßerr gründes Verkennen der menschsichen Natur? Misten wir Nicht, dgß has, Ms entlegen und unbestimmt ist, den ÄMchf-l Mt weniger heAtt als das, Ws naheliegend mp festbestimmt ist? Das Argument patzt übrigens auf Christen , strenggenommen, wie auf Juden. Der Christ glaubt ebenso wie der Jude, daß zu irgend einer künftigen Zeit die jetzige Ordnung der Dinge ein Ende nehmen wird. Ja, viele Christen glauben, daß der Messias binnen Kurzem ein Königreich auf Erden stiften und über Äle Unterthanen derselben sichtbar herrschen werde. Nun frage ich, worin unterscheidet sich diese Lehre, was ihre politische Tragweite anbelangt, von der jüd. Lehre? Wenn ein Jude deshalb nicht mit Herz und Seele seinem Vaterlande anzugehüren vermag, weil er glaube, daß er oder feige späteren Nachkommen einmal nach Palästina entrückt werden sollen, können wir es dann, die wir gewärtig fein müssen, daß ehe noch diese Generation ausgelebt habe, all die Königreiche in das Eine Gottesreich aufgegangen fein werden? „Läßt sich wohl ein Jude weniger eifrig als ein Christ auf irgend welche Concurrenz ein, welche das Gesetz ihm frei stellt?. Richtet er etwa Un Haus mangelhaft ein, weil er sich als Pilger und als Gast hier zu Lande betrachtet? Macht ihn die Ermattung, dem Lande seiner Väter wiedergegebeu zu werden, unempftndlich für die Schwankungen der Course? Ordnet er feine Privatangelegenheiten immer unter dem Gesichtspuntte der Eventualität einer Auswanderung nach PalMna? Wo nicht, was berechtigt uns dann, vorauMsetzm, daß Gefühle, die seine Geschäfte als Kaufmann, seine Gefühle als Erblasser niemals beeinflussen, einen unbegrenzten Einfluß über, ihn gewinnen würden, sobald er zu dem Staat in irgend ein Verhältniß tritt?" Soweit Macaulay. Wir haben dieser beredten Verteidigung eines Christen Nichts hinzuzufügen. An den 19. Juni, dem Tage, welcher uns m allen Gotteshäusern versammelt hat, um vor Gott unierm Dank und unserer Freude Ausdruck zu geben für den so glorreich beendeten Krieg und den nun wiedergekehtten Frieden, an diesen Festtag reiht sich ganz eng der Monat an, der uns schon Jahrtausende weinend und fastend wegen des Verlustes unserer nationalen Selbstständigkeit findet. Während wir am 18. Jnni, dem Abglanz der göttlichen Majestät, den Schirnsern und Rettern des cheuren Vaterlandes die Regungen unseres. Herzens entgegenbrachten, schlägt in dem jüdischen Monat, den der 19. Juni eingeleitet hat, dasselbe Herz seinen hohen Zielen entgegen, und härmt und grämt sich über die Kluft, welche zwischen ihm und diesen Zielen klafft. Und wir sollten keine guten Bürger sein können, weil wir gute Juden sein wollen, sollten nicht vielmchr um so bessere Bürger sein, je gewiffenhastereJuden wir sind?! Ein Wtröömer (!) über die Meschrreidung. Von vr. A. Sulzbach. (Fortsetzung.) Was Herr R. endlich noch über die Formel nn32 faselt, können wir übergehen, um zum Emstesten

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