Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1871)
- Date
- 1871-06-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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465 tenb jetzt nur der Director, Herr Löwit, der um de-- sondern Umsicht die schöne Lehranstalt leitet, freie Wohnung erhält. Selbstverständlich dürste die Synagoge nicht fehlen, damit die Jugend auch, am Gottesdienste regelmäßig theilnehmen könnte und zwar unter Aufsicht der Herren Lehrer. Ebenso wäre ein Garten erwünscht zur Bewegung im Freien und zu Turnübungen. Der löbl. Vorstand wird gewiß bemüht sein, alle berechtigten Wünsche nach Möglichkeit zu erfüllen und, wo thunlich, die beste und schönste Anordnung zum Wohle der Schule ZU treffen, wodurch sich diese Herren um das allgemeine Wohl und besonders um die jüdische Lehre und religiöse Erziehung sehr verdient machen. Gebe Gott, daß sie in ihrem edlen Streben von gleichgesinnten Gemeindemitgliedern in reichlichen: Maße" unterstützt würden rvzsn “tod — Ein Freund der Schule, der nicht genannt sein und lieber im Süllen Gutes üben will, spendete vor Kurzem 50 fl. für die Lehrer und für arme Schüler , die sich durch besonder» Fleiß auszeichnen. Möge dieses schöne Beispiel würdige Nachahmer finden. Im Bethause unter den Weißgärbern hielt Herr Rabb. Sal. W. Freund gelegentlich eines n"O ")un eine mit Beifall aufgenommene Rede, in der er zur Gründung einer Talmud-Thoraschule anregte, damit die armen Knaben nicht nöthig hätten, aus dieser Vorstadt erst in die Stadt zu gehen, um die besagte Schule zu besuchen. Die begeisterte Aufforderung verfehlte auch nicht, den gewünschten Eindruck auf die Zuhörer zu machen, denn sofort wurden beim Aufrufen zur Thora vom Cnltusvorsteher Herrn Gustav Simon und mehreren Andern beträchtliche Summen zu besagtem gemeinnützigen Zwecke gespendet und ist man zu der Hoffnung berechtigt , daß bei gesteigerter Theilnahme für diese so hochwichtige Sache diese Stätte für Unterricht der armen Knaben im Hebräischen und in vrofanen Gegenständen bald in's Leben gerufen werde 'i? pjpdo -ina^ «on. Mögen in der Residenzstadt noch viele ähnliche Schulen zur Hebung jüd. Wissens und religiösen Lebens recht bald enstehen mnsr&i mm ^n:ir6. Wien Das Bankhaus Benjamin und Sachs hat hier ein Comptoir eröffnet für Escomptgeschäste und ist das Gefchäftslocal am Sabbat und an Feiertagen geschlossen. Die unbedingt notwendigen Zahlungen, was bei Börsengeschäften unvermeidlich ist, werden durch einen eigens dazu bestellten Nichtisraeliten geleistet. In England, Frankfurt rc. ist Aehnliches nicht selten, doch hier ist dies, wie ich glaube, der eche Fall,. und derselbe verdiente weitere Nachahmung. PreHbnrg. Hier verschied vor Kurzem Herr vr. Weinberg er, der allgemein geachtet war und in hohem Ansehen stand, in hohem Alter. Dieser Verlust ist um so härter als der^Verblichene, obwohl Regimentsarzt *.•:£ ''' wbr.religiös war.und orchodoxe Partei, wie auch als erster Arzt des taivw*. Spitals durch seine wahrhafte Frömmigkeit und ausge? zeichnete Humanität sich viele Verdienste um die Gemeinde erwarb. Möge sein Andenken gesegnet sein uiü> seinem Geiste himmlische Seligkeit zu Therl werden. Lemberg Bekanntlich vergeht fast kein Monat ohne jüdischen, gewöhnlich sehr stark erhobenen Schmerzensschrei aus Lemberg über dortige Erceffe der untersten Schichten der christlichen Bevölkerung gegen die Fensterscheiben des jüdischen Stadtviertels. Es unterliegt zwar nicht den: geringsten Zweifel, daß in den Schilderungen ähnlicher Ausschreitungen gar arg auf Kosten der Wahrheit gesündigt wird, aber immerhin verdient die Thatsache, daß in keiner Stadt des großen Kaiserstaates die Schlägereien zwischen Juden und Christen so oft sich wiederhoten, wie in der Mettopole Galiziens, reiflich erwogen zu werden. In den letzten Wochen haben wir hier nun allerdings Ruhe gehabt, nichtsdestoweniger dürfte es Sie interessiren zu erfahren, auf welche Moüve und Umstände die vielen Judenexceffe zurückzuführen find. Es reichen sich da zu dem edlen Beginnen mehrere Factoren die Hand. Die Frequentanten der unteren und mittleren Schulen genießen ein solches Maß der Freiheit seitens der Lehrer, daß-das Ansehen und der Einstuß der Letzteren ganz sinken und jede Disciplin aufhört. So z, B. lungert die Schuljugend, anstatt nach Schluß der Lehrstunden sich nach Hause zu begeben, auf den Straßen und öffentlichen Plätzen herum und liefert einander förmliche Gefechte, durch welche die Sicherheit der Person, sowie des Eigenthums in hohem Grade gefährdet wird. Diese Schuljugend bildet bei jedem Excesse ein nicht m unterschätzendes Contingent von Theilnchmern. Ebenso ungünstig muß man sich über einen Theil der jüdischen Jugend äußern. Biele Hunderte von jüdischen Knaben tummeln sich überall herum, Burschen, die, erwerbs-, beschäftig«ngs- und obdachlos, sich von Taschendiebftahl und anderen Gaunereien erhalten, die oft Niemandem angehören, jeder Bewegung der Sicherheitsorgane folgen, "bei jedem wenn auch dem geringsten Exceffe in Massen zusammenftrömen, die Amtshandlungen der Polizei in jeder Weise beirren und erschweren. Fast ebenso erschreckend sind die Wahrnehmungen bei den sehr zahlreichen, jedes Unterrichts baren Lehrjungen und Handwerksgesellen aller Confeffionen, welche von dem Turn- und andern Vereinen nicht selten zu allerlei Zwecken verwendet :md von ihren Meistern in vollständiger Zügellosigkeit belassen werden. Diesen — sozusagen — officiellen Kategorien der Scandalmacher schließen sich zu jeder Zeit willfährig auch zahllose Müßiggänger aus anderen Ständen an. Einer solchen compacten, eingeschulten Maffe gegenüber